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Rote Karte f├╝r r├╝lpsende K├╝he

  • Theresa Crysmann
Von Theresa Crysmann

Aktualisiert am 05.06.2021Lesedauer: 5 Min.
Milchvieh an der Elbe: Der CO2-Ausstoss der Wiederk├Ąuer ist enorm.
Milchvieh an der Elbe: Der CO2-Ausstoss der Wiederk├Ąuer ist enorm. (Quelle: Rust/imago-images-bilder)
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Steak oder Veggie-Wurst, Apfel oder Ananas: Wie gr├╝n die Deutschen im Alltag leben, entscheidet eher nicht der Kurzstreckenflug ÔÇô sondern der Einkaufswagen.

Zwei Elefantenbullen oder acht Fiat 500 ÔÇô so viel wiegen die Treibhausgase, die jeder Durchschnittsb├╝rger in Deutschland pro Jahr verursacht. Insgesamt etwas mehr als 10 Tonnen. Dabei kommt das CO2 im Alltag nicht nur durch Stromverbrauch, Autofahren und Flugreisen zusammen. Es steckt auch im Essen ÔÇô und zwar gewaltig.


So viel Klimaschutz kann ihr Einkaufswagen

Nicht nur Kalorien stecken in Lebensmitteln, sondern auch jede Menge Treibhausgase. Bisher gibt es f├╝r Wurst, K├Ąse und Co. aber noch kein Klimalabel, das zeigt, wieviel CO2 auf dem Teller landet. Dabei k├Ânnte man sich damit schon beim Einkaufen im Supermarkt f├╝r klimafreundlichere Produkte entscheiden. Kaufen Sie ├äpfel aus Ihrer Region, hat das beispielsweise nur eine ganz geringe Auswirkung auf die Erderw├Ąrmung.
Milchprodukte haben einen starken Einfluss aufs Klima. Der Grund daf├╝r: die r├╝lpsenden und pupsenden K├╝he. Bei ihrer Wiederk├Ąuer-Verdauung entsteht viel Methan - ein Treibhausgas, das die Erdatmosph├Ąre 25-mal st├Ąrker erw├Ąrmt als Kohlenstoffdioxid (CO2). Um die Klimawirkung der verschiedenen Klimagase vergleichen zu k├Ânnen, wird das weniger bekannte in die Einheit des bekanntesten Treibhausgases umgerechnet ÔÇô in "CO2-├äquivalente".
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Hochgerechnet auf zw├Âlf Monate belasten Fr├╝hst├╝ckstoasts, Grillw├╝rstchen, Nudelsalate und alle anderen Lebensmittel die Umwelt mit 1,7 Tonnen klimasch├Ądlicher Gase. Auch schon soviel, wie ein Baby-Elefant wiegt. Dabei ist den meisten Deutschen bewusst, dass Klimawandel und Ern├Ąhrung zusammenh├Ąngen. Nur nicht, wie genau.

Mehr als die H├Ąlfte der Bev├Âlkerung wei├č kaum, wie sie sich klimafreundlich ern├Ąhren kann, so das Ergebnis einer neuen Studie des Allensbach Instituts im Auftrag des Lebensmittelkonzerns Nestl├ę. Kein Wunder, findet Mandy Scho├čig vom ├ľko-Institut. "Es ist nicht einfach, den ├ťberblick zu behalten. Die Vielfalt an Produkten ist riesig und alle haben einen sehr spezifischen Klima- und Umweltfu├čabdruck."

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Vom Acker in die K├╝che

Steht man im Supermarkt zwischen Kirschen, Kokosn├╝ssen und Koriander kann der Dreisatz "regional, saisonal, bio" helfen. Immerhin ein Viertel der Deutschen richtet sich auch schon danach. Bei ihnen kommen vor allem Lebensmittel in den Einkaufswagen, die in der eigenen Region und in der aktuellen Jahreszeit erzeugt werden, so die Allensbach-Studie. Viel schwerer f├Ąllt: weniger Fleisch, weniger Milchprodukte. Auch das bescheinigen die Meinungsforscher.

Genau da liegt aber der Knackpunkt: Ein Kilogramm Bio-Rindfleisch schl├Ągt in der Produktion mit rund 22 Kilo CO2 zu Buche, ein Kilo Butter bringt es immer noch auf 9 Kilo CO2. Auch K├Ąse haut pro Kilo mit bis durchschnittlich 6,5 Kilo CO2 eine Delle in die Klimabilanz auf dem Teller. Das ist viel mehr als die 300 Gramm CO2, die beispielsweise ein Kilo ├äpfel aus der Region oder ein Kilo regionaler Tomaten zur Erntezeit verursacht. Der Grund daf├╝r: Der Weg von Fleisch- und Milchprodukten in die K├╝hlschr├Ąnke beginnt nicht im Stall ÔÇô sondern auf dem Acker.

Mehr Treibhausgase f├╝r leerere Teller

"Fast zwei Drittel der landwirtschaftlich genutzten Fl├Ąchen in Deutschland dienen ausschlie├člich dazu, Futter f├╝r Nutztiere anzubauen", sagt Scho├čig. Darunter seien nicht nur Wiesen und Weiden zum Grasen, sondern auch knapp die H├Ąlfte aller Ackerfl├Ąchen im ganzen Land. Dabei k├Ânne die Ernte eines einzelnen Ackers viel mehr Menschen ern├Ąhren. Von den Produkten der Tiere, die Futtergetreide oder Silomais derselben Fl├Ąche gefressen h├Ątten, w├╝rden weniger satt werden.

Laut ├ľko-Institut ben├Âtigt die Produktion von Fleisch und Milch sogar drei bis sieben Mal so viel Fl├Ąche wie die Herstellung pflanzlicher Lebensmittel. Das spielt auch f├╝r das Klima eine Rolle, denn auch die Ackerb├Âden tragen zur Erderw├Ąrmung bei. Werden sie ├╝berm├Ą├čig mit G├╝lle oder anderem Stickstoff ged├╝ngt, entsteht Lachgas, das rund 300-mal klimasch├Ądlicher ist als das bekanntere CO2. Ein weiteres Problem: die r├╝lpsenden und pupsenden K├╝he.

Bei Rindern und anderen wiederk├Ąuenden Tieren entstehen w├Ąhrend des Verdauens enorme Mengen an Methan ÔÇô ein Gas, das das Klima 25-mal st├Ąrker erw├Ąrmt als CO2. Auch die Pupse und R├╝lpser aus dem Kuhstall kommen deshalb auf die Klimarechnung bei vielen Fleisch- und Milchprodukten. Unter dem Strich steht deshalb ein deutlich negativerer Einfluss auf die Erderw├Ąrmung als bei Obst, Gem├╝se, Getreide oder H├╝lsenfr├╝chten.

Vegetarisch muss nicht sein

Vom Speiseplan verbannen muss man Tierprodukte trotzdem nicht zwingend. "Schon mehr Joghurt und Frischk├Ąse zu essen statt Hartk├Ąse, Butter und Sahne, kann gro├če Mengen Treibhausgase einsparen", r├Ąt Scho├čig. Denn je mehr fette Milch in einem Produkt stecke, desto gr├Â├čer sei dessen Klimafu├čabdruck.

Bei Aufschnitt und Koteletts helfe es ebenfalls bereits zu reduzieren: "Auch wenn wir erst mal klein anfangen und durch kleinere Portionen und selteneren Verzehr ein Viertel weniger Fleisch essen, ist das gut f├╝rs Klima". Allerdings m├╝sse daf├╝r ein gro├čer Teil der Bev├Âlkerung seine Essgewohnheiten so anpassen, und "der Tierbestand muss entsprechend verkleinert werden."

"Noch kein Gef├╝hl f├╝r die Klimabelastung"

Die Allensbach-Studie macht Hoffnung, dass das klappen kann. Solange es nicht darum geht, auf Fleisch und andere Tierprodukte ganz zu verzichten, ist mehr als die H├Ąlfte der Deutschen schon jetzt bereit, ihre Essgewohnheiten f├╝r mehr Klimaschutz zu ├Ąndern. Zur Orientierung im Supermarkt fehlen vielen aber einfache Produkthinweise.

"Das Thema Klimabelastung von Lebensmitteln ist f├╝r die Menschen relativ neu", sagt auch Achim Spiller, Professor f├╝r Agrar- und Lebensmittelmarketing an der Universit├Ąt G├Âttingen. "Wir alle haben noch kein Gef├╝hl f├╝r die Klimabelastung in CO2-├äquivalenten. Das ist bisher noch sehr abstrakt."

CO2-├äquivalente ÔÇô was ist das?
Verschiedene Treibhausgase haben einen unterschiedlich starken Effekt auf die Erderw├Ąrmung. Um sie vergleichen zu k├Ânnen, werden weniger bekannte Gase wie Methan oder Lachgas deshalb in die Einheit des bekanntesten Treibhausgases Kohlenstoffdioxid (CO2) umgerechnet ÔÇô in "CO2-├äquivalente". Beispiel: Methan wirkt 25-mal st├Ąrker aufs Klima als Kohlendioxid. Eine Tonne Methan = 25 Tonnen CO2-├äquivalente.

Gelbes H├╝hnchen, gr├╝ne Haferflocken

Der Klimafu├čabdruck von Fleischprodukten spreche sich zwar langsam herum, beobachtet Spiller, aber viele andere Zusammenh├Ąnge blieben weiter unklar. Die Klimabelastung durch Transport werde beispielsweise generell ├╝bersch├Ątzt, die von Flugtransport aber untersch├Ątzt. Auch der Beitrag umweltfreundlicher Verpackungen zum Klimaschutz werde oft zu hoch angesetzt.

Deshalb fordert Spiller ein Klimalabel mit "einer Farbskala wie bei der N├Ąhrwert-Ampel Nutri-Score". ├ťber so einen Signalhinweis k├Ânnten Haferflocken aus Niedersachsen dann beispielsweise ein gr├╝nes Label bekommen, H├╝hnerbrust aus D├Ąnemark ein gelbes. F├╝r Avocados aus der T├╝rkei m├╝sste es dann vielleicht schon ein orangefarbenes und f├╝r argentinisches Rindersteak ein dunkelrotes Zeichen geben.

Sehr wichtig sei auch, so Spiller, dass neben einer Hinweisfarbe auch der genaue CO2-Wert des Produkts gezeigt werde. Nur so bek├Ąmen Verbraucherinnen und Verbraucher "eine Chance, die Klimawirkungen der Lebensmittel zu verstehen". Gerade das scheint den gro├čen Lebensmittelkonzernen aber unbequem zu sein.

Sch├Âner Schein bei der Industrie

Unternehmen wie Arla Foods kennzeichnen einige Produkte zwar bereits selbstst├Ąndig mit Hinweisen. Statt einer genauen Info zu deren Klimawirkung prangen auf den Produkten aber meist Reduktions- oder Klimaneutral-Label. Diese zeigen, wie stark die Treibhausgasemissionen bei der Produktion seit einem bestimmten Zeitpunkt gesunken sind, beziehungsweise versichern den Kundinnen und Kunden, das Produkt habe keine Auswirkungen auf das Klima.

Die Logik dabei: CO2-Emission aus der Produktion werden an anderer Stelle im Konzern eingespart oder wie bei einigen Airlines durch Baumpflanzinitiativen kompensiert. F├╝r den Lebensmittelmarketingexperten Spiller ist das ein "Labelwildwuchs", der die Menschen verwirre, statt sie an die Hand zu nehmen. Au├čerdem seien die Klimaneutral-Label, die man immer h├Ąufiger im Handel sehe, besonders problematisch.

"Sie verhindern geradezu, dass die Verbraucherinnen und Verbraucher ihre Ern├Ąhrung klimafreundlicher gestalten k├Ânnen." Und l├Ąngst nicht alle der Kompensationsmechanismen dahinter seien ├╝berhaupt seri├Âs. "Hier m├╝sste in K├╝rze eine Standardisierung erfolgen" ÔÇô laut Spiller eine staatliche Aufgabe.

Keine Lust auf Vorbildfunktion

Diese Ansicht teilt auch Nestl├ę Deutschlands Vorstandsvorsitzender Marc Boersch. Angesichts der Forderung der Deutschen nach einem Klimalabel schielt er nach Br├╝ssel. Boersch sieht die EU-Kommission in der Pflicht, ein einheitliches G├╝tesiegel auf den Weg zu bringen. Bisher ist ein europaweites Klimazertifikat dort aber noch kein Thema. Und der Weg von der Idee zum standardisierten EU-G├╝tesiegel ist bekanntlich lang.

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Mit gutem Beispiel vorangehen will Nestl├ę als weltgr├Â├čter Lebensmittelkonzern trotzdem nicht. Bei der Pr├Ąsentation der eigens in Auftrag gegebenen Studie sorgte Vorstand Boersch sich dar├╝ber, "dass viele Leute in Deutschland uns kritisch betrachten und sagen: Was drucken die da ihr eigenes Label." Das Unternehmen wolle in Berlin und bei der EU allerdings "alles tun, damit wir bald ein Klimalabel bekommen."

Die Kennzeichnung, die Nestl├ę sich w├╝nscht, ist allerdings genau jene, bei der Experte Spiller vor Verwirrung und m├Âglicher Augenwischerei warnt: ein Klimaneutral-Label, das die tats├Ąchliche Klimabelastung von Tiefk├╝hlpizzen, Dosenravioli und Co verschleiert. Wie genau Ern├Ąhrung und Klimawandel zusammenh├Ąngen, k├Ânnten Verbraucherinnen und Verbraucher dadurch wohl weiter nur schwer einsch├Ątzen.

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