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Konvertierte Christin im Sudan: Todeskandidatin muss Baby in Ketten zur Welt bringen


Todeskandidatin muss Baby in Ketten zur Welt bringen

Von t-online, afp, dpa
30.05.2014Lesedauer: 3 Min.
Daniel Wani mit seiner Frau Meriam Jahia Ibrahim Ischak.VergrĂ¶ĂŸern des BildesDaniel Wani mit seiner Frau Meriam Jahia Ibrahim Ischak. (Quelle: facebook/ Gabriel Wani)
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Meriam Jahia Ibrahim Ischak wurde im Sudan zum Tode verurteilt - weil sie vom Islam zum Christentum konvertiert ist. Der hochschwangeren Frau wurde im GefÀngnis in Khartum keine Sonderbehandlung zuteil, im Gegenteil: Ihr Kind musste sie angekettet zur Welt bringen, wie ihr Mann Daniel Wani dem britischen "Telegraph" berichtet.

Wani behauptet, seine 27-jĂ€hrige Frau habe das GefĂ€ngnis selbst fĂŒr die Entbindung nicht verlassen dĂŒrfen, sei lediglich auf die Krankenstation verlegt worden. Auch wĂ€hrend des Geburtsvorganges seien ihre Beine angekettet gewesen. "Sie ist sehr unglĂŒcklich darĂŒber", erklĂ€rte Wani.

Ihm selbst sei ein Besuch seiner Frau samt gesunder Tochter, die den Namen Maya tragen soll, zunĂ€chst verwehrt worden. Erst einen Tag nach der Geburt habe er die beiden in Begleitung des Anwalts sehen dĂŒrfen. "Das Baby ist wunderschön", freute sich Wani.

ErfahrungsgemĂ€ĂŸ gibt die Geburt Ischak zwei Jahre Aufschub im GefĂ€ngnis, damit sie sich um ihr Kind kĂŒmmern kann. Dann aber wird das Urteil wohl vollstreckt. Zudem hat der Verteidiger beim Obersten Gericht Berufung eingelegt, schließlich sei seine Mandantin als Christin aufgewachsen.

Von der Schwester angezeigt

Die Leidenszeit der Medizinerin begann 2013. Ihre eigene Schwester hatte sie nach Angaben der Behörden wegen "AbtrĂŒnnigkeit" vom Islam und "GotteslĂ€sterung" angezeigt. Im Februar musste die Ehefrau eines Christen ins FrauengefĂ€ngnis von Khartum. Ihren damals 20 Monate alten Jungen durfte sie mitnehmen. Obwohl schwanger, wurde die junge Frau auch nach Angaben ihres Verteidigers zeitweise in Ketten gelegt.

Vor zwei Wochen verurteilte das Al-Hadsch-Jusif-Kriminalgericht die gebildete Frau zum Tod durch ErhĂ€ngen - sofern sie ihrem Glauben nicht abschwöre und zum Islam zurĂŒckkehre. Der Richter berief sich auf das Strafrecht des Landes, das sich ausdrĂŒcklich auf das islamische Rechtssystem Scharia grĂŒndet. Demnach ist die Heirat einer Muslima mit einem Christen eine Straftat.

Der Richter fragte Ischak - die er nur mit dem islamischen Namen Abrar al-Hadi ansprach - mehrfach, ob sie "auf ihre GlaubensabtrĂŒnnigkeit" (Apostasie) bestehe. "Ich bin eine Christin, ich bin keine AbtrĂŒnnige", beteuerte sie. Wegen "Ehebruchs» - nĂ€mlich der Beziehung zu ihrem Ehemann Wani - wurde sie zudem zu 100 Peitschenhieben verurteilt.

Internationale Apelle blieben unerhört

Der Fall hat international Besorgnis ausgelöst. In einer gemeinsamen ErklĂ€rung appellierten die Botschaften der USA, Kanadas, Großbritanniens und der Niederlande an die Regierung des Sudan, das "Recht auf Religionsfreiheit, darunter das Recht auf einen Glaubenswechsel, zu respektieren".

Dieses Recht sei in der sudanesischen Übergangsverfassung von 2005 und in den internationalen Menschenrechten verbrieft, hieß es in der ErklĂ€rung.

Von der Mutter christlich erzogen

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International wurde Ischak von ihrer Mutter christlich-orthodox erzogen, ihr muslimischer Vater habe die Familie verlassen.

Der sudanesische Informationsminister Ahmed Bilal Osman hatte nach dem Schuldspruch gegen Ischak gesagt, Konversion sei in allen muslimischen LÀndern verboten. Osman widersprach zudem Angaben von Menschenrechtsaktivisten, wonach Christen im Sudan zuletzt verstÀrkt Repressionen ausgesetzt gewesen seien.

"Die Geisteshaltung der Regierung ist tief islamisch und damit gegen alle Christen gerichtet, wenn sie könnten, wĂŒrden sie unsere Organisation schließen und sagen: geht zur Hölle", meint der PrĂ€sident der katholischen Hilfsorganisation "Society of Saint Vincent De Paul" (SVDP), Nasri Morgos Buctor.

Die Lage der Christen habe sich vor allem nach der Abtrennung des SĂŒdsudan 2011 verschlechtert: Denn die große Mehrheit der damals etwa sechs Millionen Christen lebt nun nicht mehr unter der Herrschaft Khartums. Mehr als 95 Prozent der etwa 30 Millionen Sudanesen sind Muslime. Die Regierung erschwere zunehmend das Leben der Christen, klagt Nasri Morgos Buctor. Im Sudan sind das vor allem Kopten und Griechisch-Orthodoxe.

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