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Doppelmord: Enthüllungsjournalist und Verlobte in der Slowakei erschossen

Doppelmord in der Slowakei  

Enthüllungsjournalist und Verlobte erschossen

26.02.2018, 18:31 Uhr | dpa, AP, dru

Doppelmord: Enthüllungsjournalist und Verlobte in der Slowakei erschossen. Journalist Jan Kuciak: Ermordet wegen seiner unbequemen Recherchen? (Quelle: dpa/Aktuality.sk)

Journalist Jan Kuciak: Ermordet wegen seiner unbequemen Recherchen? (Quelle: Aktuality.sk/dpa)

Mit seinen Recherchen zog er den Zorn einflussreicher Geschäftsmänner auf sich. Nun sind der slowakische Journalist Jan Kuciak und seine Lebensgefährtin ermordet worden. Auch die Polizei sieht das Motiv in der Aufdeckungsarbeit des Opfers.

In der Slowakei sind der Investigativjournalist Jan Kuciak und seine Verlobte erschossen worden. Die Polizei fand die Leichen der beiden in dem gemeinsamen Haus des Paares im Westen des Landes. Wie Polizeipräsident Tibor Gaspar erklärte, seien der Mann durch einen Schuss in die Brust, die Frau durch einen Schuss in den Kopf getötet worden. "Die Indizien weisen darauf hin, dass die Ermordung geplant war und nicht bei einer spontanen Auseinandersetzung erfolgte", so Gaspar.

Wirtschaft, Politik und organisierte Kriminalität

Der Polizeipräsident gab die Recherchen des Reporters als wahrscheinlichstes Motiv des Doppelmordes an. Der 27-jährige Kuciak hatte für das Nachrichtenportal "Aktuality.sk" regelmäßig über Fälle  mutmaßlichen Steuerbetrugs berichtet – unter anderem arbeitete er an den zu Berühmtheit gelangten "Panama Papers" mit. Im Visier hatte er dabei vor allem prominente Unternehmer, die nach seinen Recherchen Geschäftsverbindungen zu den regierenden Sozialdemokraten ebenso wie zu Kreisen der organisierten Kriminalität unterhalten haben sollen.

Einer dieser Unternehmer hatte Kuciak zuletzt öffentlich wegen dessen Aufdeckungsberichten gedroht – allerdings nicht mit Gewalt. Der Unternehmer Marian Kocner wollte über Kuciak und seine Familie ähnliche "Schmutzberichte sammeln", wie dieser über ihn, hatte der Unternehmer gegenüber Medien erklärt. Anonym war dem Reporter mit dem "Ausradieren" seines Lebens gedroht worden.

Kocner gilt in der Slowakei seit über zwanzig Jahren als besonders schillernde Symbolfigur für Verbindungen zwischen Politik und zwielichtiger Geschäftemacherei. Der nun ermordete Kuciak und andere Journalisten sagten ihm zuletzt geschäftliche Verbindungen zu Spitzenpolitikern bis hin zum umstrittenen Innenminister Robert Kalinak nach.

"Beispielloser Angriff auf einen Journalisten"

Nach Angaben des Polizeipräsidenten hatte die Mutter der getöteten Frau die Polizei gerufen, weil sie seit Donnerstag nichts mehr von ihrer Tochter gehört hatte. Eine Polizeistreife sei daraufhin zu dem Haus in der Ortschaft Velka Maca nahe der westslowakischen Stadt Galanta gefahren, in dem das Paar wohnte. Dort fand sie die beiden Toten. Vermutliche Tatzeit und Tathergang würden erst noch ermittelt, erklärte der sichtlich geschockte Gaspar vor Journalisten.

Ministerpräsident Robert Fico sprach von einem "beispiellosen Angriff auf die Pressefreiheit und die Demokratie in der Slowakei", sollte die Tat wirklich mit den Berichten von Kuciak zu tun haben. Polizeipräsident Gaspar versprach, alle verfügbaren Kräfte einzusetzen, um den oder die vorerst unbekannten Täter auszuforschen. "Die Slowakei hat noch nie einen solch beispiellosen Angriff auf einen Journalisten erlebt", fügte er hinzu.

Innenminister Robert Kalinak mit slowakischen Polizisten: Er hat immer wieder heftige Kritik an Investigativjournalisten geübt. (Quelle: dpa/EPA/CSABA KRIZSAN)Innenminister Robert Kalinak mit slowakischen Polizisten: Er hat immer wieder heftige Kritik an Investigativjournalisten geübt. (Quelle: EPA/CSABA KRIZSAN/dpa)

Aufdeckungsjournalisten im Visier

Innenminister Kalinak ließ eine Belohnung von einer Million Euro für Hinweise auf den oder die Täter ausschreiben. Doch gerade er und auch Polizeipräsident Gaspar hatten in der Vergangenheit wiederholt Investigativjournalisten öffentlich attackiert. Kalinak wird von den Medien seit längerem vorgeworfen, mutmaßliche Steuerbetrüger zu schützen. Der Minister wies bisher alle Vorwürfe zurück.

Der Medienkonzern Axel Springer, zu dem Kuciaks Nachrichtenportal gehörte, erklärte in einer Stellungnahme: "Wir sind entsetzt und fassungslos über die Nachricht, dass Jan Kuciak und seine Lebensgefährtin offenbar Opfer eines grausamen Attentats geworden sind. Auch wenn die Hintergründe noch nicht vollständig aufgeklärt sind, liegt der Verdacht nahe, dass das Verbrechen im Zusammenhang mit einer laufenden Recherche unseres Kollegen steht."

Kuciak sei seit 2015 Redakteur des Newsportals "Aktuality.sk" gewesen, welches zu Ringier Axel Springer Slovakia gehört. "Sollte das Attentat ein Versuch sein, einen unabhängigen Verlag wie Ringier Axel Springer Slovakia davon abzuhalten, Missstände aufzudecken, werden wir dies zum Anlass nehmen, unseren journalistischen Auftrag noch gewissenhafter und konsequenter auszuüben."

Verwendete Quellen:

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