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Die Mafia, das Model und der Ministerpräsident

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Jan Kuciaks letzte Story  

Die Mafia, das Model und der Ministerpräsident

28.02.2018, 06:36 Uhr | jmt, t-online.de

Die Mafia, das Model und der Ministerpräsident. Der slowakische Premier Robert Fico: Warum stellte er eine 27-Jährige ohne politische Erfahrung aber mit Mafia-Verbindungen ein? (Quelle: dpa/epa/Stephanie Lecocq)

Der slowakische Premier Robert Fico: Warum stellte er eine 27-Jährige ohne politische Erfahrung aber mit Mafia-Verbindungen ein? (Quelle: epa/Stephanie Lecocq/dpa)

Der Reporter Jan Kuciak und seine Verlobte wurden in der Slowakei  ermordet. Grund waren vermutlich seine Recherchen: Hier ist seine Geschichte zu Verbindungen der Mafia in die Politik.

Hingerichtet durch Schüsse fand die Polizei den slowakischen Reporter Jan Kuciak und seine Verlobte Marina Kusnirova am Sonntag in einem kleinen Dorf östlich der Hauptstadt Bratislava. Ermittler vermuten: Seine Recherchen wurden dem jungen Mann und seiner Lebensgefährtin zum Verhängnis. Gemeinsam mit anderen Journalisten recherchierte er zur Verbindungen der italienischen Mafia 'Ndrangheta bis in höchste Kreise der slowakischen Politik – namentlich bis zum Ministerpräsidenten Robert Fico.

Die Story ist nun online

Das an Kuciaks Arbeit beteiligte "Organized Crime and Corruption Reporting Project" und seine Redaktion Aktuality.sk haben nun seine unvollendete Story auf Englisch veröffentlicht – auch um weitere beteiligte Reporter zu schützen. Fast zeitgleich ging das örtliche Finanzamt in Kosice in Flammen auf, wo Dokumente gelagert sein sollen, zu denen Kuciak recherchierte – nur ein Zufall? Um die Leichen der beiden Ermordeten war laut Medienberichten Munition drapiert, offenbar, um als Warnung an andere Journalisten verstanden zu werden.

Kuciaks letzte Story beginnt mit einer Frau, von der niemand exakt weiß, wie oder warum sie zu ihrer Arbeit für die slowakische Regierung kam. Die 27-jährige Maria Troskova ist ein ehemaliges Model, die nun als Assistentin für den Ministerpräsidenten Robert Fico arbeitet. Eine offizielle Jobbeschreibung gibt es laut den Recherchen nicht.

Geschäftspartnerin eines Mafiosi

Dafür hatte Troskova in der Vergangenheit offenbar eine enge Geschäftspartnerschaft mit einem mutmaßlichen Mafiosi des kalabresischen Libri-Clans, der heute in der Slowakei lebt und dort laut den Recherchen ein Netzwerk von Agrarbetrieben besitzt. Gemeinsam unterhielten sie ein Unternehmen namens "GIA Management", das in verschiedensten Geschäftsbereichen tätig war.

Dann kam sie in die Politik: über einen zwielichtigen Ex-Politiker, der kürzlich inhaftiert wurde, weil er in den 90er-Jahren einen Geschäftspartner habe umbringen lassen wollen – von Auftragskillern. Es folgte eine weitere kurze Zwischenstation bei dem Abgeordneten Viliam Jasan. Dann wurde die in der Politik kaum erfahrene junge Frau Assistentin des Ministerpräsidenten Robert Fico. Jasan, der laut den Recherchen ebenfalls enge Verbindungen zu dem mutmaßlichen Mafiosi hat, folgte bald als Büroleiter.

Kerzen erinnern an Jan Kuciak und seine Verlobte: Seine letzten Recherchen drehten sich um Mafiaverbindungen in die slowakische Politik. (Quelle: dpa/Jakub Kotian)Kerzen erinnern an Jan Kuciak und seine Verlobte: Seine letzten Recherchen drehten sich um Mafiaverbindungen in die slowakische Politik. (Quelle: Jakub Kotian/dpa)

Während das ehemalige Model und ihr Abgeordneter also Karriere in der Politik machten, ermittelte die italienische Polizei laut den Recherchen gegen den italienischen Geschäftspartner. Die noch laufenden Ermittlungen sollen ihn als möglichen Schmuggler südamerikanischen Kokains für ein Kartell mehrerer Mafia-Familien nach Italien ins Auge gefasst haben. Bereits vor 16 Jahren sollen Ermittler ihn verdächtigt haben, einen Mafiakiller versteckt zu haben. Nach weiteren Anschuldigungen ging er in die Slowakei - die Vorwürfe wurden fallen gelassen.

EU-Gelder an Mafia-Familien

Offenbar erwarb er Land in der Slowakei – und so sollen italienische Mafia-Familien der 'Ndrangheta von EU-Subventionen in höhe von mehr als 8 Millionen Euro profitiert haben. Weitere Zahlungen in ähnlicher Höhe sollen an Betriebe im Energiesektor gegangen sein.

Die Verbindungen des Italieners in die slowakische Politik - und zwar speziell zur sozialdemokratischen Regierungspartei Smer - sollen, das suggerieren zumindest die Berichte, geholfen haben, Strafverfahren gegen ihn selbst sowie nahestehende Verwandte und Geschäftspartner abzuwenden. Die Rede ist von Erpressung, Morddrohungen, Steuerbetrug und anderen Delikten. Die Story blieb unvollendet. Am Sonntag wurden Jan Kuciak und seine Verlobte erschossen.

Verwendete Quellen:

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