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Saudi Arabien: Ende des Fahrverbots für Frauen

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Ende des Fahrverbots  

Saudische Frauen fiebern neuer Freiheit entgegen

08.03.2018, 13:14 Uhr | Aya Batrawy, AP

Saudi Arabien: Ende des Fahrverbots für Frauen. Saudi-arabische Frauen am Steuer: Das Fahrverbot soll bald aufgehoben werden. (Quelle: dpa/Waseem Obeida)

Saudi-arabische Frauen am Steuer: Das Fahrverbot soll bald aufgehoben werden. (Quelle: Waseem Obeida/dpa)

In wenigen Monaten ist es so weit: Die saudi-arabische Regierung will das Fahrverbot für Frauen endgültig aufheben. Kurse zur Vorbereitung auf die Führerscheinprüfung haben Hochkonjunktur. Autokonzerne wittern das große Geschäft.

Fatima Salem kichert schüchtern, als sie an der Reihe ist. Auf einem Parkplatz voller Pfeile und Plastikkegel soll sie zum ersten Mal in ihrem Leben einen Wagen lenken. Genau wie Millionen andere Frauen in Saudi-Arabien möchte die 30-jährige Studentin eine Fahrerlaubnis beantragen, wenn dies ab Juni möglich sein wird. Aber zunächst muss sie lernen, wie das Ganze überhaupt funktioniert. "Ich bin schon ein wenig nervös", sagt sie.

Francesca Pardini, eine ehemalige Rennfahrerin aus Italien, ist derzeit als Ausbilderin in dem muslimischen Land. Sie bemüht sich, ihre Schülerin zu beruhigen – erinnert sie daran, den Gurt anzulegen und dann in den Rückspiegel zu schauen. Während sie schließlich auf der Teststrecke ihre Runden drehen, muss Pardini einige Male kurz ins Lenkrad greifen. Als Salem vor einem Stoppschild ruckartig auf die Bremse tritt, werden beide kräftig durchgeschüttelt.

Harte Strafen für Autofahrerinnen

Im Prinzip handelt es sich um eine ganz normale Fahrstunde. Doch da sich der Parkplatz in Saudi-Arabien befindet, ist es gleichzeitig Teil einer Revolution. Denn bisher war das Steuern eines Autos für saudi-arabische Frauen tabu. Diejenigen, die es im Laufe der vergangenen Jahre trotzdem taten, mussten harte Strafen fürchten. Dutzende saßen deswegen sogar im Gefängnis.

Umso überraschender war im September die Ankündigung von König Salman, das Fahrverbot bereits 2018 aufzuheben. Die gesetzlich festgelegte Diskriminierung ist damit zwar noch lange nicht beendet – auch weiterhin dürfen Frauen in Saudi-Arabien nur mit Erlaubnis eines männlichen Verwandten etwa ins Ausland reisen oder heiraten. Aber für den Alltag der Betroffenen bedeutet die Lockerung eine erhebliche Erleichterung.

Weitere Erlaubnisse für Frauen

Für viele Familien ist das bisherige Verbot nicht zuletzt eine finanzielle Belastung. Wer es sich leisten kann, stellt einen eigenen Fahrer ein, meist ein Gastarbeiter aus Südasien, der rund um die Uhr zur Verfügung steht. Andere nutzen Taxis oder ähnliche Mitfahrdienste. Die meisten Frauen sind aber selbst bei einfachsten Besorgungen ganz auf den Ehemann oder einen Sohn angewiesen. Einer regelmäßigen Arbeit nachzugehen, ist für sie schon deswegen oft sehr schwierig.

Gegen den Widerstand von konservativen Kreisen setzt sich der 32-jährige Kronprinz Mohammed bin Salman seit einiger Zeit für eine Modernisierung der Gesellschaft ein. Frauen sollen künftig nicht nur Autos steuern dürfen, sondern auch Zutritt zu Sportveranstaltungen in Stadien erhalten. Noch in diesem Monat können zudem nach mehr als drei Jahrzehnten wieder Kinos eröffnen. Und schon bald sollen in Saudi-Arabien auch Musikkonzerte wieder erlaubt werden.

Ruf des Landes verbessern

Mit den Reformen will der Kronprinz den internationalen Ruf des Landes verbessern und auf diese Art mehr ausländische Investoren anlocken. Gleichzeitig geht es aber auch darum, das Potenzial der weiblichen Arbeitskräfte besser zu nutzen und den heimischen Konsum zu fördern. Hintergrund ist vor allem der niedrige Ölpreis, der den Staat zu Einsparungen zwingt – die Zeiten, in denen die Regierung ihren Bürgern eine Art kostenlose Rundumversorgung bieten konnte, scheinen auch in Saudi-Arabien vorbei zu sein.

Auf die neuen Zeiten bereiten sich einige Dutzend junge Frauen auf dem Campus der Universität Effat in der Stadt Dschidda vor. In Kooperation mit dem US-Autohersteller Ford werden hier in diesen Tagen die Grundlagen des Fahrens gelehrt. Die meisten Teilnehmerinnen sitzen im Rahmen dieser "Schnupperstunden" zum ersten Mal überhaupt am Steuer. Vollwertige Fahrkurse sollen landesweit angeboten werden, sobald die Regierung die entsprechenden Richtlinien präsentiert hat.

Autohersteller wittern Chance

"Ich fühlte mich fehl am Platz", sagt Sara Ghuth. "Normalerweise sitze ich immer hinten oder auf der rechten Seite." Sie sei aber entschlossen, schon bald einen Führerschein zu machen, betont die 18-Jährige. "Ich will Auto fahren. Ich will unabhängig sein." Die Fahrlehrerin Pardini ist mit ihren Schützlingen sehr zufrieden. Die Frauen seien sehr aufgeschlossen und wissbegierig, sagt die von Ford engagierte Italienerin.

Für Unternehmen wie Ford ist die Aufhebung des Fahrverbots eine große Chance. Sie können in Saudi-Arabien plötzlich auf Millionen neue Kunden hoffen. Nach Angaben der Ford-Sprecherin Crystal Worthem sind die Frauen im Land zwar zum Teil bereits die Besitzerinnen der Fahrzeuge, mit denen sie sich chauffieren lassen. "Es sind schon immer auch Frauen in unseren Autohäusern gewesen", sagt sie. "Aber jetzt werden die Frauen aktiv, um für sich selbst etwas zu kaufen." Ab dem Sommer rechne das Unternehmen in Saudi-Arabien daher "definitiv" mit höheren Umsätzen.

Frauen freuen sich auf das Fahren

Die 23-jährige Amal al-Dschihani wird nach eigenen Angaben zunächst einen Gebrauchtwagen ihres Vaters bekommen. "Meine Mutter sieht das Ganze noch skeptisch. Sie meint, es sei gefährlich und dass sie uns erst fahren lassen würde, wenn wir verheiratet sind", sagt die Studentin und lacht. "Mein Vater erwidert dann aber, sie werde sich schon entspannen, wenn sie sehe, dass alle anderen auch am Steuer säßen."

Joanna al-Fattani ist bisher auf Mitfahrdienste angewiesen, um zur Universität zu kommen. Sie könne es gar nicht erwarten, bis das Fahrverbot aufgehoben werde, sagt sie. Sie freue sich auf die Freiheit. "Das war eine solch wichtige Ankündigung. Alle haben darauf gewartet", betont die 19-Jährige. "Jetzt ist genau die richtige Zeit, um das umzusetzen."

Verwendete Quellen:
  • AP

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