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Großbritannien: Boris Johnson verschärft Corona-Regeln

Boris Johnson schlägt Alarm  

"Wir müssen handeln, um Leben zu retten"

12.10.2020, 18:44 Uhr | rtr, dpa, MaM

Großbritannien: Boris Johnson verschärft Corona-Regeln . Boris Johnson: Er verkündete neue Maßnahmen im Kampf gegen das Virus. (Quelle: AP/dpa/Toby Melville/Pool Photo)

Boris Johnson: Er verkündete neue Maßnahmen im Kampf gegen das Virus. (Quelle: Toby Melville/Pool Photo/AP/dpa)

In Großbritannien war die Zahl an Neuinfektionen zuletzt rasant angestiegen. Premierminister Boris Johnson verkündete nun, wie ein dreistufiges Alarmsystem das Land vor dem totalen Lockdown bewahren soll. 

Großbritanniens Premierminister Boris Johnson verschärft im Kampf gegen die Corona-Pandemie in Teilen des Landes die Beschränkungen. Um die Zahl der Neuinfektionen in den Griff zu bekommen, sollen ab Mittwoch strengere Regeln gelten, sagte der Premierminister am Montag im Londoner Parlament. "Wir müssen handeln, um Leben zu retten", sagte Johnson, der wegen des Umgangs mit der Pandemie in der Kritik steht.

Mit einem dreistufigen Alarmsystem will Johnson die rapide steigenden Corona-Fallzahlen in England unter Kontrolle bringen. Je nach Risikograd – mittel, hoch oder sehr hoch – sollen verschärfte Maßnahmen gelten. Die Abgeordneten müssen am Dienstag noch zustimmen. "Die kommenden Wochen und Monate werden schwierig", gab Johnson zu. Einen Lockdown wie im Frühjahr will der Regierungschef um jeden Preis verhindern – Schulen, Universitäten und Geschäfte sollen diesmal geöffnet bleiben.

Treffen an der frischen Luft bleiben erlaubt

Johnsons neues System soll die bisherigen Regeln vereinfachen und nachvollziehbarer machen. In der Region rund um die nordenglische Stadt Liverpool, für die der Premier die höchste Risikostufe erklärte, müssen Pubs und Fitnessstudios bis auf Weiteres schließen. Außerdem dürfen sich Angehörige verschiedener Haushalte in diesen Regionen nicht mehr miteinander treffen, weder drinnen noch draußen. In Städten und Gemeinden mit der zweithöchsten Warnstufe gilt dieses Verbot in Innenräumen ebenfalls, allerdings sind noch sogenannte "Support Bubbles", also kleine Unterstützungsgruppen, und Treffen an der frischen Luft erlaubt.

Barviertel in London: Bars und Kneipen dürfen in der untersten Risiko-Kategorie bis 22 Uhr geöffnet haben. (Quelle: imago images/VX Pictures.com)Barviertel in London: Bars und Kneipen dürfen in der untersten Risiko-Kategorie bis 22 Uhr geöffnet haben. (Quelle: VX Pictures.com/imago images)

In der untersten Warnstufe gelten die gleichen Regeln wie bislang für ganz England: Pubs und Restaurants müssen um 22 Uhr schließen, außerdem sind sechs Personen bei Treffen das Maximum. Wales, Nordirland und Schottland haben eigene, oft noch schärfere Maßnahmen. So setzt Schottland derzeit etwa auf eine gut zweiwöchige Phase, in der die Gastronomie abends weitgehend schließen muss.

Mehr Covid-19-Patienten als im März

Insbesondere der Norden Großbritanniens ist derzeit wieder massiv von der Ausbreitung des Coronavirus betroffen. Während sich im Spätsommer vor allem jüngere Menschen infizierten, nehmen die Fallzahlen nun auch bei Älteren wieder zu – und damit auch die schweren Verläufe.

Stephen Powis, nationaler Gesundheitsberater: Er ist skeptisch hinsichtlich der Pläne Boris Johnsons. (Quelle: imago images/I images)Stephen Powis, nationaler Gesundheitsberater: Er ist skeptisch hinsichtlich der Pläne Boris Johnsons. (Quelle: I images/imago images)

Aktuell werden sogar mehr Patienten mit Covid-19 im Krankenhaus behandelt als im Frühjahr. "Wir haben jetzt mehr Patienten mit Covid-19 in den Krankenhäusern als kurz vor dem Beginn des kompletten Lockdowns am 23. März", sagte der nationale Gesundheitsberater Stephen Powis am Montag. Oppositionsführer Keir Starmer sagte, er sei "zutiefst skeptisch, dass die Regierung einen Plan habe, das Virus wieder unter Kontrolle zu bringen". Etliche Maßnahmen der vergangenen Wochen hätten nicht die gewünschte Wirkung gezeigt.

Großbritannien mit seinen knapp 67 Millionen Einwohnern ist das am schwersten von der Pandemie getroffene Land in Europa: Der Statistikbehörde zufolge gibt es etwa 58.000 Todesfälle, bei denen Covid-19 auf dem Totenschein erwähnt wurde. Die Zahl der Neuinfektionen stieg binnen 24 Stunden um 1.100 an und lag am Montag bei 13.972.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagenturen dpa, Reuters

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