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Nawalny-Ärztin vor Straflager festgenommen

Von rtr, afp, dpa
Aktualisiert am 06.04.2021Lesedauer: 3 Min.
Anastassija Wassiljewa: Die Vorsitzende der Allianz der Ärzte und Ärztin von Kremelgegner Nawalny wurde vor dem Straflager festgenommen.
Anastassija Wassiljewa: Die Vorsitzende der Allianz der Ärzte und Ärztin von Kremelgegner Nawalny wurde vor dem Straflager festgenommen. (Quelle: Pavel Golovkin/ap-bilder)
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Der Gesundheitszustand von Kreml-Kritiker Alexej Nawalny verschlechtert sich wohl immer weiter. Dennoch werden Ärzte und Unterstützer nicht zu ihm vorgelassen. Einige von ihnen wurden am Dienstag in Gewahrsam genommen.

Mehrere Unterstützer des russischen Oppositionellen Alexej Nawalny sind am Dienstag vor dem Straflager östlich von Moskau festgenommen worden, in dem der erkrankte Kreml-Kritiker inhaftiert ist. Die Nawalny-Anhänger, darunter auch Ärzte, hatten Zugang zu dem 44-Jährigen gefordert, der sich weiter im Hungerstreik befindet und innerhalb einer Woche fünf Kilogramm Körpergewicht verloren haben soll.

Unter den Festgenommenen war auch Nawalnys persönliche Ärztin Anastasia Wasiljewa, wie eine AFP-Journalistin berichtete. Sie hatte zusammen mit weiteren Ärzten gefordert, Informationen über den Gesundheitszustand des im Straflager von Pokrow inhaftierten Nawalny zu erlangen.

Sie sei "besorgt" und wolle verstehen, "was im Lager Pokrow vor sich geht", erklärte Wasiljewa vor der Strafkolonie. Sie warf den Behörden vor, Nawalnys Rechte zu verletzen, indem sie sich weigerten, ihn angemessen zu behandeln. Sie habe Angst um Nawalnys Gesundheit und forderte seine Verlegung in ein ordentliches Krankenhaus. Die junge Frau ist auch Vorsitzende der Ärzteallianz, einer Vereinigung, die der Opposition nahe steht und den Behörden ein Dorn im Auge ist. Am Abend durfte sie nach Moskau zurückkehren. Unklar blieb, ob sie offiziell freigelassen wurde.

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Polizei nimmt mindestens neun Unterstützer fest

Nach Darstellung der Gewerkschaft Allianz der Ärzte wurden Wassiljewa und weitere Mitglieder festgenommen und in Gefangenentransporter gesteckt. Die Gewerkschaft kritisierte, dass Nawalny keine angemessene medizinische Hilfe erhalte. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte Kremlchef Wladimir Putin auf, seinen Gegner nicht sterben zu lassen.

Die Polizei in der Region Wladimir erklärte, dass neun Menschen wegen Störung der "öffentlichen Ordnung" festgenommen worden seien. Es hätten sich rund 45 Menschen versammelt, darunter etwa 30 Journalisten und Blogger. Unter den Festgenommenen befand sich auch ein CNN-Journalist, der nach eigenen Angaben später wieder freigelassen wurde.

Nawalnys Frau Julia erklärte im Online-Dienst Instagram, sie habe einen Brief vom Leiter der Pokrow-Strafkolonie erhalten. In diesem stand demnach, dass die Gefängnisbeamten den Pass Nawalnys nicht hätten und ihn deshalb auch nicht in ein Krankenhaus bringen könnten.

Berichte: Mithäftlinge an Tuberkulose erkrankt

Der Kreml dementiert, dass Nawalny keine Hilfe erhalte, und weist internationale Forderungen nach einer sofortigen Freilassung des 44-Jährigen zurück. "Wenn es sich wirklich um eine Krankheit handelt, dann wird auf dem entsprechenden, vorgesehenen Niveau eine Behandlung sichergestellt", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der Staatsagentur Tass zufolge.

Neben Rücken- und Beinschmerzen leidet Nawalny nach eigenen Angaben inzwischen auch an Fieber und Husten. Drei Mithäftlinge seien wegen Tuberkulose in ein Krankenhaus eingewiesen worden. Einem Zeitungsbericht zufolge wurde Nawalny auf eine Krankenstation verlegt und auf das Coronavirus getestet.

Alexej Nawalny: Der Kremlgegner ist im russischen Straflager in den Hungerstreik getreten.
Alexej Nawalny: Der Kremlgegner ist im russischen Straflager in den Hungerstreik getreten. (Quelle: Itar-Tass/imago-images-bilder)

Nawalny will Hungerstreik fortsetzen

Der Kreml-Kritiker hatte angekündigt, trotz seines schlechten Gesundheitszustandes seinen Hunger-Streik fortsetzen zu wollen. Diesen hatte er aus Protest gegen mangelhafte medizinische Betreuung begonnen. Er wirft dem Strafvollzug Foltermethoden vor. Die russische Staatspropaganda hatte das Straflager hingegen zuletzt mit einem Sanatorium, einem Ferienlager und einem Hotel verglichen.

Am Dienstag hatte die russische Polizei wegen der angekündigten Proteste die Sicherheitsvorkehrungen rund um die Haftanstalt verstärkt. Unter anderem wurde die Zufahrtstraße gesperrt und vor dem Gefängnistor ein Kontrollposten aufgestellt.

Polizisten bewachen einen Eingang des Straflagers IK-2: Unterstützer von Nawalny haben Proteste angekündigt.
Polizisten bewachen einen Eingang des Straflagers IK-2: Unterstützer von Nawalny haben Proteste angekündigt. (Quelle: Pavel Golovkin/ap-bilder)

Nawalny ist einer der prominentesten Kritiker des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Er hatte 2020 einen Giftanschlag in Russland überlebt und war in Deutschland ärztlich behandelt worden. Bei der Rückkehr in seine Heimat im Januar wurde er festgenommen und zu mehr als zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Dies wurde international scharf kritisiert, die EU und die USA haben zusätzliche Sanktionen gegen Russland verhängt. Nawalny macht Putin persönlich für den Giftanschlag verantwortlich. Putin und die Regierung weisen eine Beteiligung zurück.

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