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Ressa und Muratow nehmen Friedensnobelpreis entgegen

Von dpa
Aktualisiert am 10.12.2021Lesedauer: 3 Min.
Maria Ressa und Dmitri Muratow w├Ąhrend der Verleihung des Friedensnobelpreises im Rathaus von Oslo.
Maria Ressa und Dmitri Muratow w├Ąhrend der Verleihung des Friedensnobelpreises im Rathaus von Oslo. (Quelle: Alexander Zemlianichenko/AP/dpa./dpa)
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Oslo (dpa) - Die Journalisten Maria Ressa und Dmitri Muratow sind mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. Die 58-J├Ąhrige von den Philippinen und der 60 Jahre alte Russe nahmen den renommiertesten politischen Preis der Erde auf einer Zeremonie im Rathaus von Oslo entgegen.

Dabei richteten sie eindringliche Appelle an die Welt, Journalisten besser zu sch├╝tzen und gemeinsam f├╝r die Pressefreiheit einzustehen. Sie erinnerten an zahlreiche Kollegen, die in verschiedenen Teilen der Welt wegen ihrer Arbeit verfolgt und inhaftiert werden oder gar get├Âtet wurden.

"Journalismus in Russland geht durch ein dunkles Tal", sagte Muratow in seiner Nobelrede. Mehr als 100 Journalisten, Medien, Menschenrechtler und Nichtregierungsorganisationen seien j├╝ngst als "ausl├Ąndische Agenten" eingestuft worden, was in Russland "Feinde des Volkes" bedeute. Viele seiner Kollegen h├Ątten ihre Jobs verloren, manche das jeweilige Land verlassen m├╝ssen.

"Gegengift gegen Tyrannei"

Die Auszeichnung mit dem Friedensnobelpreis gelte dem wahren Journalismus. "Dieser Preis ist f├╝r meine Kollegen von "Nowaja Gaseta", die ihr Leben verloren haben", sagte Muratow, ehe er ihre Namen verlas. "Dieser Preis ist auch f├╝r die Kollegen, die am Leben sind, die professionelle Gemeinschaft, die ihre berufliche Pflicht erf├╝llt." Journalisten h├Ątten die klare Mission, zwischen Fakten und Fiktion zu unterscheiden. "Wir sind die Voraussetzung f├╝r Fortschritt. Wir sind das Gegengift gegen Tyrannei."

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Ressa rief dazu auf, sich mit geschlossenen Augen eine w├╝nschenswerte Welt voller Frieden, Vertrauen und Mitgef├╝hl vorzustellen und daf├╝r gemeinsam zu k├Ąmpfen. "Die Zerst├Ârung ist schon geschehen. Jetzt ist es Zeit zu bauen - um die Welt zu erschaffen, die wir wollen."

Sie kritisierte nicht nur das Vorgehen der philippinischen Regierung von Pr├Ąsident Rodrigo Duterte, sondern auch das von Internetkonzernen wie Facebook. Diesen warf sie vor, mit der Verbreitung von L├╝gen und Hass Profit zu machen. Der Angriff auf das US-Kapitol am 6. Januar zeige: "Was in den sozialen Medien passiert, bleibt nicht in den sozialen Medien. Online-Gewalt ist Gewalt in der echten Welt."

Das norwegische Nobelkomitee hatte das Geheimnis um die diesj├Ąhrigen Friedensnobelpreistr├Ąger Anfang Oktober gel├╝ftet. Ressa und Muratow bekommen die Auszeichnung "f├╝r ihre Bem├╝hungen um die Wahrung der Meinungsfreiheit, die eine Voraussetzung f├╝r Demokratie und dauerhaften Frieden ist". Die mehrfach ausgezeichnete Maria Ressa ist Chefredakteurin des Online-Nachrichtenportals Rappler, sie gilt als ausgesprochene Duterte-Kritikerin. Dmitri Muratow ist Chefredakteur der kremlkritischen Zeitung "Nowaja Gaseta".

Beide seien aufgrund ihrer Arbeit zum Ziel von Spott, Schikane, Drohungen und Gewalt geworden, sagte die Nobelkomitee-Vorsitzende Berit Reiss-Andersen. Mit dem diesj├Ąhrigen Preis wolle das Komitee die Bedeutung der freien Meinungs├Ąu├čerung und freien Presse im Kampf gegen destruktive Entwicklungen in Gesellschaften unterstreichen.

"Maria Ressa und Dmitri Muratow sind Teilnehmer in einem Krieg, in dem das geschriebene Wort die Waffe ist, in dem die Wahrheit ihr Ziel ist und jede Aufdeckung von Machtmissbrauch ihr Sieg ist", sagte Reiss-Andersen. "Wir m├╝ssen an ihrer Seite stehen und jeden Journalisten in jedem Teil der Welt unterst├╝tzen, der f├╝r die gleichen Ziele arbeitet. Damit verteidigen wir die Meinungsfreiheit und die Demokratie - und geben dem Frieden eine Chance."

Ressa und Muratow sind in diesem Jahr die einzigen Nobelpreistr├Ąger, die ihre goldenen Nobelmedaillen und -diplome zumindest vor einem kleineren Publikum vor Ort in Skandinavien in Empfang nehmen konnten. Alle anderen wurden nicht wie ├╝blich in Stockholm, sondern vorab in ihren Heimatl├Ąndern geehrt, darunter auch die deutschen Forscher Klaus Hasselmann (Physik) und Benjamin List (Chemie). Ihnen sollte am Freitagnachmittag bei einer weiteren Zeremonie in Stockholm zumindest aus der Ferne Tribut gezollt werden.

Im Vorjahr konnte keiner der Geehrten seinen Nobelpreis in Skandinavien entgegennehmen. Der damalige Friedensnobelpreistr├Ąger, das Weltern├Ąhrungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP), holte diesen Besuch in Oslo nun nach: WFP-Chef David Beasley wies in seiner Rede darauf hin, dass 811 Millionen Menschen in der Welt heute Hunger leiden m├╝ssten. Dahinter steckten Konflikte, der Klimawandel und die Pandemie. Im Namen der 20.000 Mitarbeiter der Organisation sagte er: "Zusammen glauben wir, dass Essen der Pfad zum Frieden ist."

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