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Held oder Nazi-Kollaborateur? Das ist über Stepan Bandera bekannt

Von dpa
Aktualisiert am 01.07.2022Lesedauer: 2 Min.
Stepan Bandera: Auch in der Ukraine ist der nationalistische Politiker umstritten. (Archivfoto)
Stepan Bandera: Auch in der Ukraine ist der nationalistische Politiker umstritten. (Archivfoto) (Quelle: imago-images-bilder)
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Seit der ukrainische Botschafter behauptete, der Nationalist war "kein Massenmörder", herrscht helle Aufregung. Hat Andrij Melnyk recht?

Sein Name ist plötzlich in aller Munde – und sorgt für viel Aufregung. "Bandera war kein Massenmörder von Juden und Polen", hatte der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, zuletzt in einem Interview mit dem Journalisten Tilo Jung erklärt. Seitdem steht der Botschafter stark in der Kritik. Nicht nur aus Polen wurden Melnyks Aussagen als "inakzeptabel" kritisiert. Auch das Außenministerium in Kiew ging auf Distanz zu dem Botschafter. Doch wer genau ist Stepan Bandera?

Stepan Bandera ist in der Ukraine eine – allerdings nicht unumstrittene – Symbolfigur des Strebens nach einem eigenen Staat in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. Er wurde 1909 als Sohn eines griechisch-katholischen Priesters in Ostgalizien, der östlichsten Provinz der Habsburger Monarchie, geboren. Schon seine Kindheit war geprägt vom Streben ethnischer Ukrainer nach einem eigenständigen Staat – auch nach dem Ersten Weltkrieg, als anderswo Nationalstaaten neu entstanden, lebten etwa 80 Prozent von ihnen in der sowjetischen Ukraine und etwa 20 Prozent in Polen.

Stepan Bandera: Auch in der Ukraine ist der nationalistische Politiker umstritten. (Archivfoto)
Stepan Bandera: Auch in der Ukraine ist der nationalistische Politiker umstritten. (Archivfoto) (Quelle: imago-images-bilder)
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Bandera engagierte sich früh in der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) und stieg rasch zu einem ihrer Anführer auf. Nach Darstellung des Historikers Grzegorz Rossolinski-Liebe organisierte er mehrere Attentate. Wegen seiner Mitverantwortung am Tod des polnischen Innenministers Bronislaw Pieracki landete er für Jahre im Gefängnis. Die zu lebenslanger Haft umgewandelte Todesstrafe stärkte seinen Ruhm als Märtyrer der ukrainischen Sache noch weiter.

Brüder starben in Auschwitz

Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs fand Bandera, der aus dem polnischen Gefängnis ausgebrochen war, Verbündete in den deutschen Nationalsozialisten. Seine radikale OUN-Fraktion war laut Rossolinski-Liebe maßgeblich an antijüdischen Ausschreitungen beteiligt. Eine Unterstützung für eine unabhängige Ukraine fand der Ultra-Nationalist Bandera bei den Nazis aber nicht: Er wurde verhaftet und bis Herbst 1944 als Sonderhäftling in Berlin und im Konzentrationslager Sachsenhausen festgehalten. An den ethnisch motivierten Vertreibungen und der Ermordung Zehntausender polnischer Zivilisten im Westen der Ukraine war er deshalb 1943 nicht persönlich beteiligt – er wird aber für die Taten nationalistischer Partisanen mitverantwortlich gemacht. In der Westukraine sollen rund 800.000 Juden ermordet.

Bandera überlebte die Haftzeit in Sachsenhausen – einige seiner Mitstreiter, darunter seine Brüder, wurden dagegen nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Nach dem Krieg soll Bandera im Kontakt mit westlichen Geheimdiensten von Deutschland aus weiter für eine Unabhängigkeit der Ukraine von der Sowjetunion gekämpft haben. 1959 wurde er in München von einem Agenten des sowjetischen Geheimdienstes KGB ermordet.

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Von Liesa Wölm
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