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So sieht es jetzt in Polens Sperrzone aus

Von dpa
Aktualisiert am 23.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Zaun an der polnisch-belarussischen Grenze: Erstmal bekommen Journalisten einen Eindruck vom Grenzgebiet.
Zaun an der polnisch-belarussischen Grenze: Erstmal bekommen Journalisten einen Eindruck vom Grenzgebiet. (Quelle: Jakub Kaminski/imago-images-bilder)
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Unz├Ąhlige Migranten wollten ├╝ber Belarus in die EU einreisen. An der polnischen Grenze wurden sie aufgehalten. Lange war unklar wie es in der Sperrzone aussieht. Nun bekommen Journalisten Zugang.

Hinter dem Dorf Usnarz Gorny im Osten Polens f├╝hrt der Feldweg einen Hang hinunter. Der Grenzsch├╝tzer nimmt den Fu├č vom Gaspedal. Dann rumpelt der Jeep durch tiefe Spurrillen, die Milit├Ąrlaster in den einst aufgeweichten und jetzt steinhart gefrorenen Boden gefahren haben. Unten stehen Soldaten im eiskalten Wind Wache. In der Wintersonne glitzert das, was alle hier nur "Konzertina" nennen: ein provisorischer Stacheldrahtverhau, den Polen an der EU-Au├čengrenze zu Belarus errichtet hat. Er soll Migranten abhalten, die von Polens Nachbarland aus in den Westen wollen.


Exklusive Fotos aus dem polnischen Grenzgebiet

Der Grenz├╝bergang Ku┼║nica in Polen: Polnische Kr├Ąfte sichern das Gebiet.
Auch Wasserwerfer werden zur Grenze beordert.
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"In der kommenden Woche beginnen wir mit dem Bau einer permanenten Barriere", sagt Major Katarzyna Zdanowicz, Sprecherin des polnischen Grenzschutzes. Nach den Pl├Ąnen der Regierung in Warschau soll dann ein 5,5 Meter hoher Zaun an der Grenze entstehen ÔÇô umgerechnet 366 Millionen Euro will Polen f├╝r das Bauwerk ausgeben.

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Grenzgebiet militarisiert

Seit Monaten versuchen Tausende Migranten, aus Belarus ├╝ber die EU-Au├čengrenzen nach Polen und ins Baltikum zu gelangen. Die EU beschuldigt den belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko, gezielt Menschen aus Krisengebieten eingeflogen zu haben, um sie in die EU zu schleusen.

Polen hat das Grenzgebiet komplett abgeriegelt und militarisiert. Rund 15.000 Soldaten sind hier im Einsatz, dazu Tausende Grenzer und Polizisten. Ein drei Kilometer breiter Streifen entlang der Grenze ist seit September Sperrzone, Zutritt f├╝r Ortsfremde verboten. Erst seit kurzem gew├Ąhrt der Grenzschutz Journalisten einen kontrollierten Einblick ÔÇô mit organisierten Touren. Das Misstrauen ist gro├č, die Nervosit├Ąt auch: "Sofort einen Schritt zur├╝ck!", br├╝llt ein Soldat einen Kameramann an, als dieser den Abstand von 15 Metern zum Grenzzaun nicht einh├Ąlt. Die Uniformierten tragen Sturmhauben, keiner der Maskenm├Ąnner darf seinen Namen nennen oder sich ├Ąu├čern.

Sie gingen wie sie kamen

Auch das Dorf Usnarz Gorny liegt in der Sperrzone. Direkt hinter dem Stacheldraht sind auf der belarussischen Seite zerfetzte Zelte zu sehen. Reste eines verlassenen Lagers von Migranten, die im Herbst hier wochenlang festsa├čen. "Wir wissen, dass die belarussischen Sicherheitskr├Ąfte ihnen den Aufenthalt organisiert und sie hier festgehalten haben. Und genauso, wie sie man sie hierhergebracht hat, so hat man sie in einer bestimmten Nacht dann auch wieder mitgenommen", sagt Katarzyna Zdanowicz.

Stacheldraht an der polnischen Grenze: Bald so mit dem Bau einer permanenten Barriere begonnen werden.
Stacheldraht an der polnischen Grenze: Bald so mit dem Bau einer permanenten Barriere begonnen werden. (Quelle: Jakub Kaminski/imago-images-bilder)

Auf einem Feld in Sichtweite der Grenze steht ein Milit├Ąrjeep mit Lautsprechern auf dem Dach. "Die polnische Grenze ist geschlossen. Dies ist das Ende eurer Reise. Geht zur├╝ck nach Minsk", dr├Âhnt es auf Englisch, Franz├Âsisch und in anderen Sprachen. In dem Wald auf der belarussischen Seite ist niemand zu sehen, der es h├Âren k├Ânnte.

Die Krise ist noch nicht vorbei

Mittlerweile seien es zwar nicht mehr mehrere Hunderte, sondern mehrere Dutzend Menschen jede Nacht, die versuchen w├╝rden, die Grenze illegal zu ├╝berqueren, sagt Zdanowicz. Doch der Druck halte an. "Neuerdings werden die Menschen auch in sehr schwer zug├Ąngliches Gel├Ąnde gef├╝hrt und dort ├╝ber die Grenze hin├╝bergesto├čen." Die belarussische Seite denke sich st├Ąndig neue Methoden aus.

Auch polnische Hilfsorganisationen best├Ątigen: Die Krise ist noch nicht vorbei. "In den ersten drei Januarwochen haben uns 345 Menschen im Grenzgebiet um humanit├Ąre, medizinische oder rechtliche Hilfe gebeten", sagt Monika Matus vom Aktionsb├╝ndnis "Gruppe Grenze". Was sich genau in der Sperrzone abspielt, ist jedoch f├╝r die Helfer schwer einzusch├Ątzen: Trotz vieler internationaler Appelle ÔÇô auch von Bundesau├čenministerin Annalena Baerbock ÔÇô l├Ąsst Polen keine Hilfsorganisationen ins Sperrgebiet. Und die Grenzsch├╝tzer machen keinen Hehl daraus, dass sie das Gros der Migranten wieder nach Belarus abschieben.

Bev├Âlkerung ist gespalten

In dem Dorf Minkowce stehen Ziehbrunnen neben bunten Holzh├Ąuschen, die einzige Stra├če l├Ąuft direkt auf den Grenzzaun zu. Die Dorfbewohner sind meist ├Ąltere Leute. Nur wenige haben Lust, vor den Grenzsch├╝tzern und Soldaten mit Journalisten zu reden. "Das ist super, dass die Soldaten hier sind. Man muss mit allen Kr├Ąften das sch├╝tzen, was wir haben", sagt der 66-j├Ąhrige Rentner Jozef. Die Soldaten und Grenzer w├╝rden schlie├člich nicht nur Polen vor den Migranten und Lukaschenkos Provokationen sch├╝tzen, sondern die gesamte EU und die Nato-L├Ąnder.

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Nicht alle in den 183 Ortschaften in der Sperrzone sind so begeistert. "Ich f├╝hle mich nicht mehr wie bei mir zu Hause, sondern wie auf einem Truppen├╝bungsplatz", klagt eine Bewohnerin des Dorfs Nowe Masiewo in der N├Ąhe des Bielowieza-Nationalparks. Tag und Nacht rollten Milit├Ąrlaster durchs Dorf, Helikopter und Drohnen w├╝rden ├╝ber die D├Ącher knattern, die Kinder h├Ątten Angst, im Wald Soldaten zu treffen, sagt die 27-j├Ąhrige am Telefon. Ihren Namen will sie nicht gedruckt sehen. "Ich habe Angst vor der Reaktion der Nachbarn."

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