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Drohungen gegen Syrien: Donald Trump ist entfesselt und enthemmt

MEINUNGSyrien-Drohungen  

Trump ist entfesselt und enthemmt

Eine Kolumne von Gerhard Spörl

12.04.2018, 19:29 Uhr
Drohungen gegen Syrien: Donald Trump ist entfesselt und enthemmt. Trump: Er ist jetzt ganz er selbst – unbeherrscht und spontan. (Quelle: Evan Vucci/AP/dpa)

Trump: Er ist jetzt ganz er selbst – unbeherrscht und spontan. (Quelle: Evan Vucci/AP/dpa)

Erst drohte Donald Trump einen Militärschlag gegen Syrien an, dann ruderte er zurück – so unkontrolliert wird es weitergehen. Auch, weil jetzt das Buch eines gefährlichen Gegners erscheint.

Was ist los mit Donald Trump? Gar nichts. Er ist so, wie er ist. Er hat sich einiger Leute entledigt, die ihm lästig waren, weil sie ihn daran hindern wollten, das zu sein, was er unnachahmlich ist: er selber. Jetzt stört eigentlich nur noch der Verteidigungsminister, das ist einer dieser Generäle, die ihn spüren lassen, was sie von ihm halten: wenig bis nichts.

Dagegen mag der 45. Präsident der Vereinten Staaten die Neuen um ihn herum. John Bolton, Sicherheitsberater seit Montag, ist schon immer einer wie Trump gewesen: laut und fahrlässig und unbelehrbar. Da haben sich zwei gesucht und gefunden. Der Dritte im Bunde, Mike Pompeo, muss als Außenminister noch bestätigt werden.

Entfesselt und enthemmt ist Trump noch mehr Trump als bisher. Lassen Sie uns sortieren, was in den letzten Tagen los war.

Zuerst wollte er die Soldaten aus Syrien abziehen, die den Kurden helfen. Davon wusste weder im Verteidigungs- noch im Außenministerium irgendwer irgendetwas. Der Präsident ist eben ein Sponti, dem etwas einfällt, dass er sofort verwirklicht haben will. Oder auch nicht. Oder auch später. Ist ja egal. Denn kurz darauf gab es einen der Giftgasangriffe, denen in Syrien immer Kinder und Frauen zum Opfer fallen. Schreckliche Bilder. Schaum vor dem Mund, verdrehte Körper, grauenhafter Tod.

Luftschläge oder leeres Gewäsch?

Gift und Syrien, da war doch was? Barack Obama zog eine rote Linie und keine Konsequenzen nach einem Giftgasangriff. Das hat Trump aufs Schärfste verurteilt. Das wollte er anders machen, besser. Innerhalb von 24 bis 48 Stunden werde er über Luftangriffe entscheiden, sagte er.

Nun weiß ich nicht, was ich mehr befürchten soll: Luftschläge oder leeres Gewäsch. Auf wen sollen amerikanische Tomahawk-Raketen zielen? Auf die Assad-Armee? Gar nicht so einfach. Am Boden sind die iranischen Milizen plus Hisbollah die treibenden Kräfte. In der Luft haben die russischen Flugzeuge die Hoheit, die ansonsten auf Flughäfen herumstehen.

Vermutlich haben Trump die Militärs gesagt: Schwierig, sehr schwierig, Mr. President. Könnte Ärger mit Iran und/oder Russland bedeuten. Der ominöse Satz, den Trump ausstieß, das Verhältnis zu Russland sei schlechter als im Kalten Krieg, deutet darauf hin, dass er wütet, weil schon wieder die Wirklichkeit so unangenehm komplex ist und zu seinem schlichten Gemüt nicht passen will.

Also: lieber leeres Gewäsch.

Trumps Anwalt ist in Bedrängnis

Weiter: Eine Hausdurchsuchung in New York. Bei Michael Cohen, „a good man“, wie The Donald weiß, denn es handelt sich um seinen persönlichen Anwalt, dem er einiges zu verdanken hat. In Kriminalfilmen heißen Leute wie Cohen „The Cleaner“, denn sie kommen vorbei, um den Tatort von Spuren zu befreien, die auf Täter hindeuten könnten.

Cohen hat Trump von der Pornodarstellerin Stormy Daniels befreit, indem er ihr 130.000 Dollar Schweigegeld bezahlte, damit sie nicht über ihr Verhältnis mit Trump plaudert, was sie sich jetzt aber nicht nehmen lässt. Das kann sie, da Trump weder unter seinem Namen noch unter dem Pseudonym, mit der in dem Vertrag erwähnt wird, unterschrieben hat.

Mueller weckt Trumps blanken Zorn

Die Durchsuchung erfolgte auf Hinweise aus der Umgebung des Sonderermittlers Robert Mueller. Das ist dieser asketische Melancholiker, der The Donald schon lange zur Weißglut bringt. Mal will er ihn feuern. Mal freut er sich auf eine Vernehmung im Weißen Haus. Momentan überwiegt der biblische Zorn auf alles, was an Muellers Untersuchung schuld ist: Der Justizminister, der sich für befangen erklärte. Dessen Stellvertreter, der Mueller berief. Das FBI, die Staatsanwälte, das ganze Rechtssystem. 

Auch Trump weiß wohl nicht, was gefährlicher wäre: den Sonderermittler zu feuern oder ihn gewähren zu lassen. Mueller kann so lange bohren, wie er will, und muss sich nicht auf die Russland-Verbindung im Wahlkampf beschränken, sondern kann auch die Geschäfte von Trumps Freunden und die des Trump-Unternehmens selber einbeziehen. Er ist gefährlich, also feuern? Es war der Anfang vom Ende, als Richard Nixon einst einen Sonderermittler feuerte. Es verschlimmerte und beschleunigte die Enthüllungen nur.

Neues Buch – neuer Ärger?

James Comey vor einem Parlamentsausschuss: Der gefeuerte Ex-FBI-Chef veröffentlicht ein Buch. (Quelle: Michael Reynolds/EPA/dpa)James Comey vor einem Parlamentsausschuss: Der gefeuerte Ex-FBI-Chef veröffentlicht ein Buch. (Quelle: Michael Reynolds/EPA/dpa)

Stille Tage sind mit Donald Trump nicht zu erwarten. Am Wochenende kommt das Buch des Ex-FBI-Chefs James Comey heraus. Eine geheime Kommandosache, keiner weiß, was darin steht. Alle werden sich darauf stürzen.

Comey wird durch die Polit-Sendungen am Sonntag paradieren und mit ernster Miene seine Version der Auseinandersetzungen mit dem Präsidenten ausbreiten. Er ist der FBI-Chef, den Trump feuerte, wofür der unterschiedliche Begründungen gab, die sich, wie es seine Art ist, diametral widersprechen. Wird spannend. Bleibt spannend.

Ich sehne mich nach einem stillen Tag.

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