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Er schrumpft und schrumpft und schrumpft

Eine Kolumne von Fabian Reinbold, Washington

Aktualisiert am 04.12.2020Lesedauer: 4 Min.
Donald Trump am kleinen Tisch im Weißen Haus (Ende November): Der PrĂ€sident muss um Aufmerksamkeit kĂ€mpfen.
Donald Trump am kleinen Tisch im Weißen Haus (Ende November): Der PrĂ€sident muss um Aufmerksamkeit kĂ€mpfen. (Quelle: Erin Scott/Reuters-bilder)
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Donald Trump zieht unbeirrt gegen die US-Wahl ins Feld. Doch der Mann, der seine PrÀsidentschaft als Show inszeniert, hat ein neuartiges Problem: Das Publikum wendet sich ab.

Es ist nun ein Monat seit der US-Wahlnacht vergangen und in Washington standen die 30 Tage ganz im Zeichen der Anpassungsstörung des Donald Trump.


Vier Jahre PrÀsident Trump: Seine Amtszeit in Bildern

Immer wieder streitet Trump seit dem das Wahlergebnis ab. Mit mehreren Klagen versucht er die angeblich "gestohlene Wahl" zurĂŒckzugewinnen – bislang erfolglos.
Das AuszĂ€hlen der Stimmen dauerte lange. Und wĂ€hrend sich abzeichnete, dass Joe Biden die PrĂ€sidentschaftswahl gewinnen wĂŒrde, fuhr Trump auf den Golfplatz. Am 7. November erfuhr er dort dann von seiner Niederlage. Mit 46,9 Prozent verliert er gegen seinen Konkurrenten Joe Biden die US-Wahl.
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Weil das zarte Ego des Wahlverlierers bloß keinen Schaden nehmen soll, wurden in der Hauptstadt das Anerkennen des Ergebnisses, der Prozess der MachtĂŒbergabe, ja gar manche StaatsgeschĂ€fte ausgebremst. Das Resultat: Nicht nur der PrĂ€sident selbst, sondern auch Hauptstadt und Nation hĂ€ngen seit einem Monat in einem seltsamen Schwebezustand fest – und ich tue das irgendwie auch.

Und doch vollzieht sich dahinter eine große Entwicklung, die bedeutsam ist. Wer genauer hinschaut, sieht, wie Trumps Macht beginnt zusammenzuschrumpfen.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Donald Trump ist natĂŒrlich noch PrĂ€sident – und kann auch als lahme Ente auf den letzten Metern noch sehr viel bewegen bzw. anstellen, wenn er will.

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Doch seine Macht speist sich nicht nur aus dem Amt, sondern auch aus der Aufmerksamkeit, die er stets binden konnte wie kein anderer. Und diese zweite Quelle der Macht versiegt gerade von Tag zu Tag etwas mehr. Das gilt nicht in der Parallelwelt seiner JĂŒnger, die im Angesicht eines vermeintlichen Wahlbetrugs noch nĂ€her an ihn heranrĂŒcken. Ich spreche von seiner Beachtung in der breiten Öffentlichkeit.

Es begann, kurz nachdem Bidens Sieg am 7. November ausgerufen wurde. Der nĂ€chste PrĂ€sident rĂŒckte ins Zentrum, der schlechte Verlierer Tag fĂŒr Tag weiter in den Hinterkopf. Die Tweets bekamen weniger Aufmerksamkeit, das Treiben Trumps rutschte weiter nach hinten in den Abendnachrichten. Hinzu kam eine Corona-Eskalation, zu der sich der amtierende PrĂ€sident einfach nicht Ă€ußern will.

Trump ist noch allgegenwĂ€rtig, aber nicht mehr so mĂ€chtig. Ich habe in diesem Monat oft den Eindruck, ich sehe dabei zu, wie der ĂŒberlebensgroße Donald Trump schrumpft und schrumpft und schrumpft.

Jeder hat seine eigene Art, mit dieser neuen RealitĂ€t umzugehen. FĂŒr die Medien, die sich nicht nur vier, sondern fĂŒnfeinhalb Jahre um ihn drehten, ist das eine Herausforderung.

Stephen Colbert, der giftigste der großen amerikanischen Late-Night-Komiker, verfolgt einen skurrilen Ansatz: Er spricht immer noch pausenlos ĂŒber Trump, nennt diesen aber nicht mehr beim Namen. LĂ€sst er in seinem Monolog Zeitungsberichte einblenden, wird dort in den Ausschnitten aus dem Nachnamen des PrĂ€sidenten einfach T****.

Ich merke es auch an mir selbst: Als ich das letzte Mal im Weiße Haus war, erschrak ich fast ein wenig, als vor der TĂŒr zum West Wing plötzlich ein Marinesoldat stand. Dieser bezieht dort immer dann Position, wenn der PrĂ€sident im Oval Office ist. Ach, dachte ich, kommt er doch noch ins BĂŒro!

Denn Trump ist seit einem Monat im Weißen Haus abgetaucht. Kaum Termine, keine Reisen, bis auf eine Kranzniederlegung und einige Runden Golf. Der Commander-in-chief befehligt derzeit vor allem Fernbedienung und Telefon. Rund um den West Wing ist es spĂŒrbar leerer als sonst.

Als ich den Komplex gerade wieder verlassen hatte, veröffentlichte Trump ĂŒberraschend ein Video, in dem er sich 46 Minuten lang ĂŒber den vermeintlichen Wahlbetrug auslĂ€sst.

ZurĂŒck am Schreibtisch schaute ich mir das Werk an, das mit dem Satz begann, es sei seine "vielleicht wichtigste Rede", doch schnell klar machte, dass der PrĂ€sident erneut nur die immer gleichen unbelegten oder lĂ€ngst widerlegten VorwĂŒrfe wiederkĂ€ut, die ich schon von Rudy Giuliani und Co. mehrfach gehört habe. Ich hatte Schwierigkeiten, die Dreiviertelstunde an Trump-Verzerrungen durchzuhalten.

Ich bin natĂŒrlich trotzdem drangeblieben, das ist mein Job, und habe seinen Behauptungen die Fakten gegenĂŒbergestellt. (Falls Sie Bedarf haben, bitte hier entlang.) Interessant war, dass CNN keine Szene des ausfĂŒhrlichsten Auftritts des PrĂ€sidenten seit der Wahl zeigte – das hĂ€tte sich der Sender noch vor Kurzem wohl nicht getraut. Die Rede tauchte am Donnerstag dann auch nicht auf den Titelseiten der großen BlĂ€tter auf. Trump, der Aufmerksamkeitsmagnet, verliert an Kraft.

Das Wechselspiel von Trump und Medien beschrĂ€nkt sich, wenn es um die ErzĂ€hlung von einem vermeintlichen großen Wahlbetrug geht, jetzt oft darauf, dass der PrĂ€sident Videoclips der Nischensender OAN und Newsmax verbreitet, die seine Fantasien weiterstricken.

Interessieren Sie sich fĂŒr die US-Politik? Washington-Korrespondent Fabian Reinbold schreibt ĂŒber seine Arbeit im Weißen Haus und seine EindrĂŒcke aus den USA unter Donald Trump einen Newsletter. Hier können Sie die "Post aus Washington" kostenlos abonnieren, die dann einmal pro Woche direkt in Ihrem Postfach landet.

NatĂŒrlich: Noch immer starren die Amerikaner und die Weltöffentlichkeit auf seine Tweets und Auftritte, hier mit Horror, dort mit Ekstase, aber auf fast allen Seiten mit einer gewissen Faszination. Doch die Dringlichkeit nimmt ab. Corona tobt, ein neuer PrĂ€sident ist gewĂ€hlt, doch wĂ€hrend ich beim Schreiben einmal durch Trumps Tweets scrolle, entdecke ich nur Botschaften zum vermeintlichen Wahlbetrug. Diese Show ist etwas daneben.

Dass der PrĂ€sident mit allen Mitteln die Wahl stehlen will, ist gar nicht mehr die grĂ¶ĂŸte Geschichte in Washington. Das klingt zwar verrĂŒckt, aber ich glaube, das ist auch gut so.

Donald Trump wird auch die letzten knapp 50 Tage seiner PrĂ€sidentschaft nutzen, um zu sabotieren und Grenzen auszutesten. Er könnte sein Umfeld begnadigen – und womöglich sich selbst. Er wird Joe Biden noch ein paar Steine in den Weg legen, ihm vielleicht die Show am Tag der AmtseinfĂŒhrung stehlen wollen, indem er eine Kandidatur fĂŒr 2024 ankĂŒndigt – die Sucht nach Aufmerksamkeit wird gerade nach dem nun beginnenden Entzug wohl voll durchschlagen.

NatĂŒrlich werden wir weiter darauf schauen, was der PrĂ€sident macht. Es ist aber in Ordnung, wenn wir weniger darauf schauen, was er sagt.

Das war aus meiner Sicht stets der grĂ¶ĂŸte Fehler in der Berichterstattung ĂŒber Trump: Dass die Öffentlichkeit auf jede Provokation Donald Trumps angesprungen ist. Dass viel mehr darauf geguckt wurde, was er sagt, und weniger darauf, was er macht.

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Schon der erste Monat nach der Wahl zeigt, dass auf ihn eine neue Herausforderung wartet und auf uns eine Chance: Trump ernst zu nehmen, ohne jedes abgekartete Spielchen mitzumachen, wie das MĂ€rchen von der gestohlenen Wahl.

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