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Donald Trumps "wichtigste Rede": Ein Festival der Unwahrheiten

Seine "wichtigste Rede"  

Trumps Festival der Unwahrheiten

03.12.2020, 13:51 Uhr
Donald Trump: "Das ist vielleicht meine wichtigste Rede"

US-Präsident Donald Trump hat am Mittwoch seine nach eigenen Angaben "vielleicht wichtigste Rede" gehalten. Darin erneuerte er Vorwürfe des Wahlbetrugs. (Quelle: t-online)

"Vielleicht meine wichtigste Rede": Hier erneuert Donald Trump seine Vorwürfe zum Wahlbetrug und spricht von Beweisen. (Quelle: t-online)


Donald Trump wollte in einer Rede den angeblichen Betrug bei der US-Wahl präsentieren. Doch er lieferte nur vermeintliche Ungereimtheiten. Seine Behauptungen und die Fakten.

Donald Trump gibt nicht auf. Das ist die eine Botschaft, an der es nach seinen 46 Minuten langen Ausführungen keinen Zweifel gibt. Der Präsident hat eine Rede im Weißen Haus aufgezeichnet und sie am Mittwochnachmittag (Ortszeit) in den sozialen Medien veröffentlicht.

Es sind Trumps ausführlichste Äußerungen seit der Wahl vor einem Monat. Es geht darin noch einmal um seine Betrugsvorwürfe bei der Auszählung der Stimmzettel.

Der amtierende US-Präsident beginnt sie mit diesen Worten: "Das ist vielleicht die wichtigste Rede, die ich je gehalten habe." Trump nennt die Wahl eine "totale Katastrophe". Es sei "statistisch unmöglich", dass er verloren habe und er werde nur ein "akkurates Wahlergebnis" akzeptieren.

Auszüge aus der Rede sehen Sie oben im Video oder hier.

Die Rückschläge für Trump

Die Rede ist sein Versuch, wieder in die Offensive zu gehen. Am Dienstag erst hatte der stets zu Trump loyale Justizminister William Barr einräumen müssen, bislang auf keinen groß anlegten Betrug bei der Wahl gestoßen zu sein. Zuvor waren Dutzende Gerichtsverfahren versandet, die Trumps Privatanwalt Rudy Giuliani angestrengt hatte – und mehrere Neuauszählungen in verschiedenen Bundesstaaten hatten nur zur Bestätigung statt zu einer Änderung von Ergebnissen geführt.

Hat Trump nun etwas Neues zu bieten? Nein, der Wahlkämpfer wiederholt bei seinem Auftritt hinter dem Präsidentenpult in erster Linie längst bekannte und zugleich entweder unbelegte oder gar gänzlich widerlegte Anschuldigungen zum Ablauf der Wahl. Seine Rede ist durchzogen von Verzerrungen und Unwahrheiten.

t-online stellt drei zentrale Behauptungen richtig:

Trump sagt ...

... über die Abstimmung in Wisconsin: "Und dann gab es um 3.42 Uhr morgens dies: Es war ein massiver Abwurf an Stimmen. Vor allem für Biden. Fast alles für Biden. Und bis heute fragt sich jeder, woher das kam."

Die Fakten:

Der "Stimmenabwurf" ist längst aufgeklärt. In jenem Moment der Wahlnacht wurde die Auszählung der Briefwahlstimmen in der Hauptstadt Milwaukee beendet und gemeldet. Das dortige Wahlgesetz erlaubte die Auszählung der Stimmen erst am Wahltag selbst, deshalb dauerte sie so lange. Biden lag in Milwaukee vorn, wie auch in anderen Städten und insbesondere bei Briefwahlstimmen, von deren Abgabe Trump seinen Anhängern monatelang abgeraten hatte.

Trump sagt ...

... über Pennsylvania: "In den Bezirken Philadelphia und Allgeheny (zu dem die Metropole Pittsburgh gehört, Anm. d. Red.) wurden große Zahlen an Briefwahlstimmen illegalerweise im Geheimen ausgewertet, ohne dass unsere Wahlbeobachter zugegen waren. (…) Sie wurden aus dem Gebäude geworfen."

Die Fakten:

Laut der Nachrichtenagentur AP kam es nirgendwo in Philadelphia zu Vorfällen, wo Republikaner nicht die Auszählung beobachten konnten. Auseinandersetzungen drehten sich vor allem um die Frage, wie nah sie den Wahlhelfern kommen dürfen. Die Auszählung in Philadelphia wurde per Livestream übertragen. In einem Gerichtsverfahren mussten Trumps Anwälte einräumen, dass die eigene Seite dort sehr wohl Beobachter im Raum hatte.

Interessieren Sie sich für die US-Politik? Washington-Korrespondent Fabian Reinbold schreibt über seine Arbeit im Weißen Haus und seine Eindrücke aus den USA unter Donald Trump einen Newsletter. Hier können Sie die "Post aus Washington" kostenlos abonnieren, die dann einmal pro Woche direkt in Ihrem Postfach landet.

Trump sagt ...

... zur Wahlsoftware des Herstellers Dominion: "Wir haben eine Firma, die sehr verdächtig ist. Sie heißt Dominion. Mit dem Umlegen eines Schalters (…) kann man für Trump einen Knopf drücken und die Stimme fällt an Biden. (…) Wir müssen zum Papier zurückkehren."

Die Fakten:

Im umkämpften Bundesstaat Georgia lieferte auch die erste händische Nachzählung der Stimmzettel ein ganz ähnliches Ergebnis wie das der Scanner von Dominion. Die Server der Firma stehen vor Ort in den Wahllokalen und nicht, wie von Trump behauptet, in Deutschland oder Venezuela. Die für Wahlsicherheit zuständigen Behörden von Trumps eigener Regierung hatten bereits in einem gemeinsamen Statement klargemacht: "Es gibt keine Belege dafür, dass irgendein Wahlsystem Stimmen gelöscht oder verloren oder geändert hat und in sonstiger Weise kompromittiert war."

Tatsächlich ist es bei der Wahl zu vereinzelten Pannen gekommen, doch es gibt noch immer keinen Hinweis auf den von Trump behaupteten Betrug. 

Trump kündigte an, nun nicht länger nur Nachzählungen verlangen zu wollen, sondern eine "forensische" Untersuchung der Briefwahlumschläge, um Unterschriften zu kontrollieren. Er stellte einen Gang vor den Supreme Court in Aussicht. Doch damit wird Trump keinen Erfolg haben, solange er nur längst widerlegte Vorwürfe aufwärmt. 

Verwendete Quellen:

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