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Pandemie und Energiekrise: Jugendliche stärker von Armut betroffen als je zuvor


Die "Perma-Krise" raubt die Jugend

Von Miriam Hollstein

23.11.2022Lesedauer: 3 Min.
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Schulabbrecher: Wer in Armut aufwächst, bricht die Schule eher ohne Abschluss ab als Jugendliche aus wirtschaftlich starken Regionen.
Wer in Armut aufwächst, bricht die Schule eher ohne Abschluss ab als Jugendliche aus wirtschaftlich starken Regionen und Haushalten. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images-bilder)
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Keine Altersgruppe ist mehr von Armut bedroht als die 18- bis 25-Jährigen. Das zeigt ein neuer Jugend-Monitor. Die Pandemie und die Energiekrise verschlimmern die Situation.

Mehr als jeder vierte junge Mensch im Alter von 18 bis 25 Jahren ist in Deutschland armutsgefährdet. Zu diesem alarmierenden Ergebnis kommt der "Monitor Jugendarmut" der Bundesarbeitsgemeinschaft Katholischer Jugendsozialarbeit, der am Mittwoch in Berlin vorgestellt wird. t-online liegt er bereits vor.

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Für den Bericht werden alle zwei Jahre aktuelle Statistiken und Studien ausgewertet, unter anderem vom Statistischen Bundesamt. Und diese zeichnen ein erschreckendes Bild: Ausgerechnet in einer Phase, in der viele junge Menschen vor großen Lebensentscheidungen stehen – dem Schulabschluss, der Frage nach der Ausbildung –, sind sie mit Sorgen um ihre Existenz belastet. Nur Haushalte mit Alleinerziehenden haben ein größeres Armutsrisiko als die 18- bis 25-Jährigen. Selbst bei den unter 18-Jährigen liegt die Bedrohung noch bei 20,8 Prozent.

Als armutsgefährdet gilt in Deutschland, wer weniger als 60 Prozent des sogenannten Medianeinkommens zur Verfügung hat. Anders als das Durchschnittseinkommen ist das Medianeinkommen jene Grenze beim Einkommen, die die Bevölkerung in zwei Hälften teilt: Die eine verdient weniger als das Medianeinkommen, die andere mehr. 2022 lag das Medianeinkommen in Deutschland bei 44.100 Euro brutto.

Die Corona-Pandemie hat die Situation für junge Menschen noch schwerer gemacht: Laut einer vor wenigen Tagen veröffentlichten "Trendstudie Jugend in Deutschland" gaben jeweils 27 Prozent aller Jugendlichen an, durch die Krise hätten sich ihre finanzielle Situation sowie auch ihre schulische und berufliche Perspektive verschlechtert. Weiterer belastender Faktor: die Energiekrise. Die meiste Angst hat die Jugend der Studie zufolge inzwischen vor der Inflation (78 Prozent), gefolgt von einem Krieg in Europa (64 Prozent). Der Klimawandel ist im Sorgenranking auf Platz drei abgerutscht (55 Prozent). Im Sommer hatte er noch auf Platz zwei gelegen, nach der Angst vor einem Krieg in Europa.

Ohne Schulabschluss ist die Chance auf eine Ausbildung gering

Die finanziellen Sorgen sind nicht unberechtigt. Laut Angaben des "Monitor Jugendarmut" ist das Armutsrisiko seit 2020 leicht gestiegen. Der Schlüssel, um der Armutsfalle zu entgehen, ist Bildung. Schon bei einem mittleren Bildungsabschluss ist das Risiko, von Armut bedroht zu sein, um 54 Prozent geringer als bei einer geringen Bildung. 37 Prozent der Erwerbslosen allgemein haben keinen Schulabschluss. Nur 0,1 Prozent der Ausbildungsplätze können auch ohne Schulabschluss angetreten werden.

Doch eine gute Bildung hängt immer noch stark mit der sozialen Herkunft zusammen. Das zeigt der OECD-Bericht "Bildung auf einen Blick 2022": Einerseits verlassen immer mehr junge Menschen mit Hochschulreife die Schule; andererseits steigt auch der Anteil derer wieder, die keinen Abschluss machen oder die Schule abbrechen.

"Gerade wenn junge Menschen aus armen Familien stammen, dann haben sie nicht nur bereits Erfahrungen damit gemacht, von Teilen der Gesellschaft ausgeschlossen zu werden, sondern sie trauen sich auch viel weniger Potenzial zu, einen Weg aus der Armut zu finden", sagt Anna Grebe, Medienwissenschaftlerin und Referentin für Jugendpolitik. Damit aus einer abgebrochenen Ausbildung keine existenzbedrohliche Situation werde, sondern eine Lernerfahrung, sei es wichtig, den jungen Menschen Mut zu machen und gleichzeitig verlässliche Beratungs- und Unterstützungsangebote zu schaffen: "Im Jugendalter passiert in relativ kurzer Lebenszeit sehr viel: Jugendliche sollen sich für ihre berufliche Zukunft finanzieren, sie sollen in allen Aspekten ihres Lebens selbstständig und ökonomisch unabhängig werden und sie sollen ihren Platz in der Gesellschaft finden."

"Homeschooling funktioniert nicht mit dem Prepaid-Handy"

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Katholischer Jugendsozialarbeit fordert eine Grundsicherung für alle jungen Menschen unter 25, auch für die, die sich nicht in einer Ausbildung befinden. Auch müsse speziell für diese Gruppe mehr bezahlbarer Wohnraum geschaffen und eine digitale Teilhabe gewährleistet werden. "Aus unseren Einrichtungen wissen wir, dass neben Schulabschlüssen auch Ausbildungsabschlüsse nicht erreicht werden konnten, weil Homeschooling mit einem Prepaid-Handy eben nicht funktioniert", heißt es im Monitor-Bericht mit Verweis auf die Corona-Zeit. Grundsätzlich müsse das Ziel sein, "jungen Menschen eine Jugend als Jugend gewähren – nicht als Karrierevorbereitung".

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Verwendete Quellen
  • bagkjs.de: Monitor Jugendarmut der Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (ab dem 23. November 2022 abrufbar)
  • Interview mit der Medienwissenschaftlerin und jugendpolitischen Beraterin Anna Grebe
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