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Debatte um Sexismus: Als ein #Aufschrei durch Deutschland ging

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Debatte über Alltagssexismus  

Als vor fünf Jahren ein "#Aufschrei" durch Deutschland ging

23.01.2018, 23:16 Uhr | Julia Naue, dpa

Debatte um Sexismus: Als ein #Aufschrei durch Deutschland ging. Anti-Sexismus-Demo in Hamburg: #Aufschrei ist in der Genderdebatte so etwas wie die ältere Schwester von #MeToo. (Quelle: dpa/Christian Charisius)

Anti-Sexismus-Demo in Hamburg: #Aufschrei ist in der Genderdebatte so etwas wie die ältere Schwester von #MeToo. (Quelle: Christian Charisius/dpa)

In diesen Monaten wird immer wieder über Sexismus diskutiert. Doch in Deutschland rückte das Thema schon einmal in den Fokus: Der Hashtag #Aufschrei stieß vor fünf Jahren eine Debatte an, die bis heute wirkt.

Es war mitten in der Nacht, vor genau fünf Jahren. Damals schrieb Medienberaterin Anne Wizorek auf Twitter: "wir sollten diese erfahrungen unter einem hashtag sammeln. ich schlage #aufschrei vor." Sie antwortete auf einen Tweet der Autorin Nicole von Horst, die über eine Erfahrung mit sexueller Belästigung schrieb. Die #Aufschrei-Debatte war geboren und warf ein Schlaglicht auf Alltagssexismus und sexuelle Belästigung.

"Ich habe damals gesehen, was Nicole von Horst geschrieben hat und wollte meine Erfahrungen mit sexuellen Übergriffen auch teilen", sagt Wizorek rückblickend. Die Entscheidung für einen Hashtag sei ganz pragmatisch gewesen. Sie hatte sich an einem Hashtag aus Großbritannien orientiert – #shoutingback (deutsch: zurückschreien) – und wollte einen deutschen Begriff, erzählt sie.

Mit Brüderle fing es an

Dass von Horst und andere damals im Netz ihre Erfahrungen teilten, kam nicht von ungefähr. Am 24. Januar 2013 veröffentlichte das Magazin "Stern" ein Porträt der Journalistin Laura Himmelreich über den FDP-Politiker Rainer Brüderle. Der Text mit dem Titel "Der Herrenwitz" begann mit den Worten: "Für mich ist es nicht immer angenehm, 29 Jahre alt zu sein, eine Frau und Politikjournalistin. Das liegt an Männern wie Rainer Brüderle, der neuen, nun ja, Lichtgestalt der FDP." Im Text ging es um anzügliche Bemerkungen und unangemessenes Verhalten des Politikers. Kurz zuvor hatte Annett Meiritz im "Spiegel" über Frauenfeindlichkeit in der Piratenpartei geschrieben.

Ein Signal damals – für viele Frauen. Die Piraten haben sich mittlerweile selbst zerlegt, Rainer Brüderle gilt schon lange nicht mehr als "Lichtgestalt der FDP". Was blieb, war der #Aufschrei und die fortwährende Debatte über Sexismus – heute so präsent wie wohl selten zuvor mit einem neuen Hashtag: #MeToo – ich auch.
FDP-Politiker Rainer Brüderle: Eine Autorin warf ihm anzügliche Bemerkungen und unangemessenes Verhalten vor. (Quelle: dpa/Stephanie Pilick)FDP-Politiker Rainer Brüderle: Eine Autorin warf ihm anzügliche Bemerkungen und unangemessenes Verhalten vor. (Quelle: Stephanie Pilick/dpa)

"Im Berufsleben anders behandelt als Männer"

"#Aufschrei wurde damals von dem Gefühl getragen, das junge Frauen hatten, nachdem sie ins Berufsleben gestartet sind", erklärt Himmelreich, heute Chefin der deutschen Onlineausgabe des Magazins "Vice". Die Frauen, die die Debatte angestoßen hätten, seien alle Ende 20, Anfang 30 gewesen – und in dem Gefühl aufgewachsen, gleichberechtigt zu sein. "Und dann kamen sie ins Berufsleben und stellten fest: Ich werde hier anders behandelt als Männer. Und ich finde es unangenehm."

Der #Aufschrei ist in der Genderdebatte so etwas wie die ältere Schwester von #MeToo, wenn auch viel kleiner. Denn damals ging der Aufschrei hauptsächlich durch Deutschland, #MeToo kam in seiner jetzigen Form aus Hollywood und ist mittlerweile riesig. Aktivistin Wizorek sieht das auch darin begründet, dass das Thema eine große Aufmerksamkeit bekommt, weil bekannte US-Schauspielerinnen den Hashtag nutzten. Viele von ihnen erhoben schwere Anschuldigungen gegen den Filmproduzenten Harvey Weinstein. Der bestreitet die Vorwürfe sexueller Übergriffe bis hin zu Vergewaltigung.

#MeToo ist in Deutschland angekommen

Auch in Deutschland hat #MeToo mittlerweile ein Gesicht: Dieter Wedel. Der Regisseur war am Montag als Intendant der Hersfelder Festspiele zurückgetreten. Damit ist Wedel der erste deutsche Star, für den sich ernsthafte Konsequenzen aus der #MeToo-Debatte ergeben. Im "Zeit-Magazin" hatten zuvor mehrere Schauspielerinnen schwere Anschuldigungen bis hin zu erzwungenem Sex gegen Wedel erhoben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun gegen ihn wegen einer möglicherweise nicht verjährten Sexualstraftat. Wedel bestreitet die Vorwürfe.

Es gibt auch Kritik an der Debatte. Manche sprechen von einer Hexenjagd. Warum kommen die erst jetzt damit – sprechen 20 Jahre später über ihre angeblichen Erfahrungen, fragen andere Skeptiker mit Blick auf die Filmindustrie. "Wer das den Frauen vorwirft, versteht nicht, in welchen Nöten viele in der Filmbranche stecken", sagt Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. "Das klebt an ihnen, wenn sie sexuelle Belästigung zum Thema machen." Auf Rollen seien sie weiterhin angewiesen – eine sehr schwierige Situation. Generell sei sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ein großes Problem – denn viele Betroffene hätten Angst, wüssten oft gar nicht, an wen sie sich wenden sollen.

"Diskussionen sensibilisieren und klären auf"

In den vergangen fünf Jahren ist zwar viel passiert. Sexismus gibt es aber immer noch – das zeigt die aktuelle Debatte. Doch: "Jede Form von Diskriminierung, die in der Öffentlichkeit diskutiert wird, sensibilisiert und klärt auf", sagt Lüders. Und sie sieht erfreuliche Entwicklungen wie etwa die Verschärfungen im Sexualstrafrecht – auch wenn sich nicht festmachen ließe, ob das nun auf die #Aufschrei-Debatte zurückzuführen zu sei.

Auch Himmelreich betont: "Damals haben wir in allen Talkshows darüber gesprochen: Haben wir überhaupt ein Sexismus-Problem?" Heute sei es absoluter Konsens, dass es ein Problem gebe. "Ich freue mich für jede Frau, die es in einer unangenehmen Situation schafft, den richtigen Spruch zur richtigen Zeit zu bringen", sagt sie. Sie würde aber lieber in einer Welt leben, in der Frauen das gar nicht nötig hätten.

Quelle:
- dpa

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