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Abgeordnete Giorgina Kazungu-Haß spricht nach Fast-Rauswurf bald vor Bahn-Mitarbeitern

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Alltagsrassismus  

Abgeordnete spricht nach Fast-Rauswurf bald vor Zugbegleitern

Von Lars Wienand

07.06.2018, 19:26 Uhr
Abgeordnete Giorgina Kazungu-Haß spricht nach Fast-Rauswurf bald vor Bahn-Mitarbeitern. Wird jetzt zu einem Gespräch mit Bahn-Mitarbeitern fahren: Giorgina Kazungu-Haß. (Quelle: dpa)

Wird jetzt zu einem Gespräch mit Bahn-Mitarbeitern fahren: Giorgina Kazungu-Haß. (Quelle: dpa)

Das Ärgernis in der Ersten Klasse für die afrodeutsche SPD-Abgeordnete Giorgina Kazungu-Haß nimmt ein gutes Ende: Sie wird jetzt vor und mit Mitarbeitern der Deutschen Bahn sprechen – und freut sich darauf.

Die Deutsche Bahn hat sich bei der rheinland-pfälzischen Landtagsabgeordneten Giorgina Kazungu-Haß für deren Erlebnis in einem Regionalexpress entschuldigt – und die SPD-Politikerin mit afrikanischen Wurzeln eingeladen, vor Bahnmitarbeitern über Diskriminierungserfahrungen zu sprechen. Der Bahn-Regionalverantwortliche für den Bereich Mitte, Frank Klingenhöfer, hat dazu am Donnerstag mit Kazungu-Haß telefoniert.

Termin und Ort für das Gespräch stehen noch nicht fest, Kazungu-Haß sprach aber gegenüber t-online.de von einem "guten Gespräch" und findet den Vorschlag gut: "Kooperation statt Konfrontation, wir können dabei alle lernen und gewinnen."

Bei einer Fortbildung oder einer Personalversammlung werde sie die Möglichkeit haben, mit den Mitarbeitern zu sprechen. Und die sollen ihr auch sagen können, wie wenig Respekt sie manchmal erleben: "Die haben ja auch einen Job, der unbenommen schwieriger geworden ist. Ich will auch deren Sorgen und Erfahrungen hören."

Vermitteln, wie demütigend Situation sein kann

Genau so will sie den Bahnmitarbeiter vermitteln, wie eine Betroffene selbst Diskriminierung erlebt: "Wenn man nicht selbst in der Situation ist, kann man sich nicht vorstellen, wie unfassbar demütigend das sein kann. Und die Bahnmitarbeiter sind in dem Moment in einer Machtposition." Sie gehe davon aus, dass bei dem Termin bei der Bahn viele Mitarbeiter dabei sein werden, die direkt im Kontakt mit den Reisenden stehen. 

Kazungu-Haß, die einen kenianischen Vater und eine deutsche Mutter hat und in Koblenz geboren wurde, hatte ein Erlebnis bei einer Bahnfahrt am Sonntag öffentlich gemacht. Als Abgeordnete hat sie eine Netzkarte für die Erste Klasse, ihre Kinder und ihr pfälzischer Mann, der einen dunkleren Hauttyp hat, hatten Karten für die Erste Klasse gekauft.

Bei einer Kontrolle im Regionalexpress hatte die Familie nach Schilderung der Politikerin aber nicht einmal die Möglichkeit, ihre Tickets zu zeigen. Stattdessen habe der Schaffner ihr in betont langsamer und deutlicher Sprache erklärt, dass sie dort nicht sitzen dürfe. Kazungu-Haß erklärte, der Mann habe zunächst auch keine Widerworte hören wollen, bis sie den Abgeordnetenausweis zeigte. Dann habe er um Verständnis geworben, er "erlebe so viel mit solchen Leuten."

Zugbegleiter laut Bahn in 20 Jahren nie aufgefallen

Die Bahn hat inzwischen auch mit dem Zugbegleiter gesprochen: Er habe zu keinem Zeitpunkt die Familie unangemessen behandeln oder gar rassistisch beleidigen wollen. Er bedauere die "bei der Fahrkartenkontrolle auf beiden Seiten entstandenen Missverständnisse aufrichtig und entschuldigt sich für sein möglicherweise unbedachtes Handeln". Mehr könne sie nicht verlangen, sagt Kazungu-Haß dazu, "ich glaube, für ihn war das auch genug Stress."

Ein Bahn-Sprecher sagte, der DB-Mitarbeiter sei bereits seit 20 Jahren im Dienst und nie durch fremdenfeindliches Verhalten aufgefallen. Im Team mit DB-Kundenbetreuern aus rund 30 Nationen und vier Erdteilen arbeite er ohne Konflikte zusammen und absolviere auch regelmäßige Schulungen zum richtigen Umgang mit migrantischen Fahrgästen.

Kazungu-Haß hatte dem Mann auch nie unterstellt, bewusst rassistisch gehandelt zu haben. "Wir müssen generell offen über Diskriminierung reden können ohne irgendwelche Reflexe." Sie hatte gesagt, jeder stecke Mitmenschen in Schubladen. "Da muss man sich auch erst einmal nicht schämen. Nur wenn man nicht bereit ist, sich das bewusst zu machen."

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