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Bertelsmann-Studie: Weniger Populismus in Deutschland – trotzdem droht Gefahr

Bertelsmann-Studie  

Weniger Populisten in Deutschland – trotzdem droht Gefahr

03.09.2020, 07:14 Uhr | dpa

Bertelsmann-Studie: Weniger Populismus in Deutschland – trotzdem droht Gefahr. Rechte Demo in Berlin: Der Anteil unpopulistischer Wähler ist seither um die Hälfte angestiegen. Gleichzeitig sehen die Forscher die Gefahr, dass die in die Defensive geratenen, verbliebenen Populisten sich stärker radikalisieren könnten.  (Quelle: imago images/IPON)

Rechte Demo in Berlin: Der Anteil unpopulistischer Wähler ist seither um die Hälfte angestiegen. Gleichzeitig sehen die Forscher die Gefahr, dass die in die Defensive geratenen, verbliebenen Populisten sich stärker radikalisieren könnten. (Quelle: IPON/imago images)

Gegen die da oben und für die Stimme des Volkes: Populistische Einstellungen sind in Deutschland stark rückläufig. Rechtspopulisten könnten dadurch allerdings noch extremer werden, warnen Forscher.

Immer weniger Deutsche sind einer aktuellen Studie zufolge empfänglich für populistische Ideen. So gilt nach einer repräsentativen Umfrage für das "Populismusbarometer 2020" von Bertelsmann-Stiftung und Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung nur noch jeder fünfte Wahlberechtigte als populistisch eingestellt, zwei Jahre zuvor war es noch jeder dritte. Auch der Anteil unpopulistischer Wähler ist seither um die Hälfte angestiegen. Gleichzeitig sehen die Forscher die Gefahr, dass die in die Defensive geratenen, verbliebenen Populisten sich stärker radikalisieren könnten.

Als "populistisch eingestellt" im Sinne der Studie gilt, wer acht typisch populistischen Aussagen über das Funktionieren von Staat und Gesellschaft zugestimmt hat. Dazu gehören Sätze wie "Die Parteien wollen nur die Stimmen der Wähler, ihre Ansichten interessieren sie nicht" und "Was man in der Politik "Kompromiss" nennt, ist in Wirklichkeit nichts Anderes als ein Verrat an den eigenen Ideen". Befragt wurden im Juni etwa 10 000 repräsentativ ausgesuchte Wahlberechtigte.

Wandel setzte schon vor Corona ein 

Der antipopulistische Wandel im Meinungsklima habe bereits deutlich vor der Corona-Pandemie eingesetzt, betonen die Forscher. So habe die populistische Welle Ende 2018 ihren Höhepunkt erreicht und sei dann "erdrutschartig" abgeschwellt. "Das gestiegene Vertrauen in die Regierungsarbeit im Verlauf der Corona-Krise hat diese Trendumkehr stabilisiert und leicht verstärkt, aber nicht ausgelöst", sagte Studienautor Robert Vehrkamp von der Bertelsmann-Stiftung. Treiber sei vor allem ein deutlich verbessertes, die Wähler mit ihren Themen und Ansichten stärker einbeziehendes Regierungshandeln, erklärte Vehrkamp.

Außerdem habe die politische Mitte auf das aufgeheizte populistische Meinungsklima im Zuge der Migrationskrise seit 2015 und rund um die Bundestagswahl 2017 mit einer erfolgreichen Gegenmobilisierung reagiert. Im Jahr vor der Bundestagswahl zeige sich die deutsche Bevölkerung nun deutlich widerstandsfähiger gegenüber populistischen Parolen. Bei kommenden Wahlen könnten demnach aus Sicht der Meinungsforscher vor allem die Unionsparteien von einem Rückstrom von bürgerlichen Wählern von der AfD profitieren sowie die Grünen als grundsätzlich antipopulistische Partei.

In die Defensive geraten drohe der verbleibende rechtspopulistische Rand radikaler zu werden als bislang, warnen die Autoren. Das betreffe das insbesondere die AfD, die sich zu einer zunehmend von rechtsextremen Einstellungen geprägten Wählerpartei entwickele, heißt es in der Studie. Die Umfrageergebnisse zeigten demnach deutlich, dass eine Mehrheit von 56 Prozent der AfD-Anhänger rechtsextrem eingestellt sei. Auch populistische Einstellungen finden sich unter AfD-Anhängern weiterhin überproportional häufig.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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