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Ist das der neue Job des Ex-"Bild"-Chefs?

  • Lars Wienand
Von Lars Wienand

21.01.2022Lesedauer: 5 Min.
Gefeuerter Bild-Chef und Bild-Fan: Julian Reichelt ist in Gespr├Ąchen mit dem IT-Milliard├Ąr Frank Gotthardt, dem in Koblenz regionale Fernsehsender geh├Âren.
Gefeuerter Bild-Chef und Bild-Fan: Julian Reichelt ist in Gespr├Ąchen mit dem IT-Milliard├Ąr Frank Gotthardt, dem in Koblenz regionale Fernsehsender geh├Âren. (Quelle: Eduard Bopp, Sven Simon/imago-images-bilder)
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Julian Reichelt k├Ânnte einen neuen Job haben: Nach t-online-Informationen f├╝hrt der ehemalige Bild-Chefredakteur Gespr├Ąche mit dem milliardenschweren Besitzer zweier TV-Sender in Rheinland-Pfalz.

Der K├╝chenchef empfiehlt an diesem Mittwochabend Wildschwein. Und das passt ja gut zum Anlass im noblen Restaurant: Der Gastgeber, Milliard├Ąr Frank Gotthardt, tr├Ąumt davon, die Landschaft umzupfl├╝gen und Staub aufzuwirbeln. Und sein nicht minder prominenter Gast kann das: Ex-Bild-Chef Julian Reichelt.

Bahnt sich hier im eher beschaulichen Koblenz also die ganz gro├če Zusammenarbeit an? Recherchen von t-online und dem Branchenportal "Medieninsider" sprechen daf├╝r. Reichelt dementiert nicht, erkl├Ąrt nur: "Bitte haben Sie Verst├Ąndnis daf├╝r, dass ich mich zu privaten Treffen grunds├Ątzlich nicht ├Ąu├čere." Gotthardt lie├č in der gleichen Minute eine fast gleichlautende Nachricht ├╝bermitteln.

Der gefeuerte Chefredakteur der Boulevardzeitung k├Ânnte aber Schl├╝sselfigur sein f├╝r den Unternehmer, der sich f├╝r seinen verlustbringenden Regionalsender mehr Aufmerksamkeit w├╝nscht und entsprechend wohl auch krawalliges Spektakel erwartet.

Hotel geh├Ârt Milliard├Ąr Gotthardt

Reichelt hatte, als er nach Koblenz fuhr, aus dem Zug noch ein Foto eines Snickers getwittert und mit dem Snack-Foto gleich die gro├čen Corona-Fragen aufgeworfen.

Am Mittwochabend a├č er dann deutlich gediegener: mit Blick auf die Mosel im "F├Ąhrhaus am Stausee". Die Nobel-Herberge geh├Ârt praktischerweise Gotthardt, er hat sie sehr aufwendig umbauen lassen. Die Zimmer entstanden vorher probeweise im Keller eines Komplexes, in dem nun seine Sender sitzen.

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Geheimes Treffen: In einem separaten Raum des Nobelrestaurants sprach Milliard├Ąr Frank Gotthardt (wei├čes Hemd, links) in kleiner Runde mit Julian Reichelt. Reichelt sa├č zentral, ist verdeckt durch den Herrn im gelben Oberteil.
Geheimes Treffen: In einem separaten Raum des Nobelrestaurants sprach Milliard├Ąr Frank Gotthardt (wei├čes Hemd, links) in kleiner Runde mit Julian Reichelt. Reichelt sa├č zentral, ist verdeckt durch den Herrn im gelben Oberteil. (Quelle: Lars Wienand)

Gotthardt macht keine halben Sachen: Der 71-J├Ąhrige ist IT-Pionier, den ersten Computer hat er 1979 f├╝r 130.000 D-Mark gekauft, wie er in einem Interview erz├Ąhlte. Er baute das weltweit f├╝hrende E-Health-Unternehmen CompuGroup Medical (CGM) auf, das 6.000 Mitarbeiter besch├Ąftigt und an der B├Ârse 3,3 Milliarden Euro wert ist.

Gotthardt ist daneben Ehrenvorsitzender des Wirtschaftsrats der CDU Rheinland-Pfalz* und im Bundesvorstand der Organisation. Und er tut, was Milliard├Ąre so machen: Seine Oldtimer-Sammlung ist ansehnlich, der Eishockey-Club "K├Âlner Haie" geh├Ârt ihm fast allein.

Verluste bei den Sendern

Was ihm allerdings keine Freude bereitet, sind seine Fernsehsender. TV-Mittelrhein und WWTV firmieren unter dem Dach der DRF Deutschland Fernsehen Produktions GmbH & Co. KG, deren Gesellschafter Gotthards GT Medien GmbH ist. Aus Meetings mit der Redaktion ist von ihm die fast mantraartige Forderung ├╝berliefert, die Sender sollten jeden Tag eine neue Sau durchs Dorf treiben. Und, da wird es wirklich interessant: "Wir m├╝ssen werden wie die Bild-Zeitung!"

Das TV-Projekt ist nach Gotthardts eigenen Worten in einem Interview defizit├Ąr. Die Aufmerksamkeit f├╝r die Sender ist nicht sehr hoch, wenn dort das Heimspiel des Handball-Oberligisten HV Vallendar angek├╝ndigt wird. Der Finanzier hatte zwischendurch mal deutlich gr├Â├čer gedacht und ein bundesweites Programm gestartet: DRF1 Deutsches Regionalfernsehen mit Beitr├Ągen diverser Regionalsender, zu empfangen ├╝ber Satellit.

Beteiligte sagen aber, das Spektakul├Ąrste daran war r├╝ckblickend der Sendestart, als Verantwortliche am Brandenburger Tor einen roten Knopf dr├╝ckten. Inzwischen sendet DRF1 nicht mehr.

Um nun doch noch einmal durchzustarten, k├Ânnte Eishockey-Fan Reichelt der richtige Mann sein. Denn sein gro├čes Projekt war es, mit "Bild-TV" das Boulevardblatt auf Bewegtbild-Medium zu trimmen. Und wie Boulevard und Aufmerksamkeit gehen, wei├č Reichelt nachgewiesenerma├čen auch.

Reichelt nicht bei "Servus-TV"

Zun├Ąchst wurde ihm nachgesagt, vielleicht beim ├Âsterreichischen Sender "Servus-TV" des Red-Bull-Milliard├Ąrs Dietrich Mateschitz einzusteigen. Reichelt erkl├Ąrte aber gerade im Sender selbst, dort nicht anzuheuern. Aber er "arbeite derzeit an etwas Neuem und spreche da mit sehr vielen, sehr spannenden jungen Kolleginnen und Kollegen".

Das Branchenportal ÔÇ×MedieninsiderÔÇť hat Informationen, dass der Investor gefunden ist, beide Seiten wollten aber noch nicht an die ├ľffentlichkeit. Die Information dort: Ein schwerreicher Unternehmer mit guten CDU-Verbindungen steckt hinter dem Reichelt-Projekt.

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Das passt auf Gotthardt. Von ihm ist auch bekannt, dass er nach Journalisten und Strategen f├╝r seine Sender fahnden l├Ąsst. Mitarbeiter anderer Medien sind bereits angesprochen worden. Das Redaktionsteam seiner TV-Sender ist in den vergangenen drei Jahren auch deutlich zusammengeschrumpft: von rund 50 Mitarbeiter auf rund zehn.

Er selbst antwortete auf eine Anfrage von t-online nicht, daf├╝r Patrick Prangenberg, erst seit Dezember neben Gotthardt Gesch├Ąftsf├╝hrer der Sender-Gesellschaften. Prangenberg war bei dem Treffen im Restaurant nicht dabei. Er teilte mit, Reichelt zwar dem Namen nach zu kennen, aber: "Wir hatten nie eine pers├Ânliche Begegnung, einen gemeinsamen schriftlichen Kontakt oder ein pers├Ânliches Treffen oder Telefonat." Ihm sei auch nichts vom Abendessen bekannt.

Bei den beiden Sendern WWTV und TV-Mittelrhein sei keine Ver├Ąnderung des Programmschemas in unseren Programmen vorgesehen. "Sie w├Ąre auch im Vorfeld bei der zust├Ąndigen Landesmedienanstalt zu beantragen und bedarf einer Genehmigung." Die Personalsuche in der Region kommentiert Prangenberg nicht. Er erkl├Ąrt lediglich, der Personalabbau sei durch eingebrochene Werbeerl├Âse in der Pandemie verursacht.

Sender zeigten China-TV

Bundesweit ist die Sendergruppe bislang mit eher zweifelhaften Aktionen aufgefallen: Ab 2019 etwa liefen vor den wichtigen Regionalnachrichten um 18 Uhr eine Viertelstunde Wohlf├╝hlbilder, die teils aus dem chinesischen Staatsfernsehen kamen. W├Ąhrend in der ersten Corona-Welle Bilder von eingesperrten Menschen in verrammelten Wohnungen in Wuhan um die Welt gingen, flimmerten bei TV Mittelrhein und WWTV tanzende Chinesen in farbenpr├Ąchtiger Kleidung ├╝ber den Sender.

Als die Kritik lauter wurde, wurde die Produktion in Windeseile gestoppt und die Kooperation mit der Guang Hua Media (Deutschland) GmbH umgehend beendet. Denn China-Propaganda passt nicht zum Vorsitzenden des Wirtschaftsrats der CDU in Rheinland-Pfalz. Gotthardt gilt zudem politisch als sehr konservativ.

Platz f├╝r einen erneuten Aufbruch hat Gotthardt geschaffen. Seine GT Media GmbH bezog im vergangenen Jahr neue R├Ąume. Sie residiert nun im dreist├Âckigen fr├╝heren Verlagsgeb├Ąude der "Rhein-Zeitung" in der Nachbarschaft der CompuGroup Medical.

Die Vorgeschichte: Bei seinem stetig wachsenden Konzern hat Gotthardt Ende 2020 den Vorstandsvorsitz abgegeben und wollte seinen Abschied auch r├Ąumlich deutlich machen. Der Mehrheitsaktion├Ąr, dessen Verm├Âgen das "Manager-Magazin" zuletzt auf 1,4 Milliarden Euro sch├Ątzte, steht "nur" noch an der Spitze des Verwaltungsrates. Somit bleibt mehr Zeit f├╝r andere Projekte.

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Im B├╝ro des Zeitungsverlegers

Sein papierloses B├╝ro hat der geb├╝rtige Siegerl├Ąnder dort, wo fr├╝her der Verleger der Rhein-Zeitung das Haus dirigierte. Zur gro├čen Medienmacht fehlen Gotthard nun aber eben noch schlagkr├Ąftige Journalisten. Und Reichelt ist nach seinem Rauswurf bei Springer in arrivierten Medien wohl kaum vermittelbar. Ihm war nach Recherchen des Ippen-Investigativteams und der "New York Times" Machtmissbrauch im Umgang mit Kolleginnen vorgeworfen worden.

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Das Ende der Zusammenarbeit mit Reichelt hatte Springer im Oktober so begr├╝ndet: ÔÇ×Als Folge von Presserecherchen hatte das Unternehmen in den letzten Tagen neue Erkenntnisse ├╝ber das aktuelle Verhalten von Julian Reichelt gewonnen. Diesen Informationen ist das Unternehmen nachgegangen. Dabei hat der Vorstand erfahren, dass Julian Reichelt auch nach Abschluss des Compliance-Verfahrens im Fr├╝hjahr 2021 Privates und Berufliches nicht klar getrennt und dem Vorstand dar├╝ber die Unwahrheit gesagt hat.ÔÇť

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*Wir hatten an dieser Stelle geschrieben, Gotthardt sei Vorsitzender. Den Vorsitz hat er aber im Sommer 2021 abgegeben und ist Ehrenvorsitzender.

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