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SED-Melodie auf Wahlparty der Grünen zur Landtagswahl in Sachsen: So kam es dazu

"Die Partei" auf Tour  

Wieso auf Wahlpartys eine alte SED-Melodie gesungen wurde

Von Lars Wienand

02.09.2019, 12:58 Uhr
SED-Melodie auf Wahlparty der Grünen zur Landtagswahl in Sachsen: So kam es dazu. Katrin Göring-Eckardt redet, Tom Rodig, Spitzenkandidat von "Die Partei" in Sachsen, singt im Chor mit anderen das "Lied der Partei". Die Satirepartei klapperte nach der Landtagswahl in Sachsen die Wahlpartys der Parteien ab.  (Quelle: Screenshot ARD)

Katrin Göring-Eckardt redet, Tom Rodig, Spitzenkandidat von "Die Partei" in Sachsen, singt im Chor mit anderen das "Lied der Partei". Die Satirepartei klapperte nach der Landtagswahl in Sachsen die Wahlpartys der Parteien ab. (Quelle: Screenshot ARD)

Mitten in der Übertragung von der Grünen-Wahlparty in Dresden ertönte plötzlich eine alte DDR-Melodie: "Die Partei, die Partei, die Partei", die Hymne der SED. Es waren Gäste, die dort sangen – und sie taten es auch auf anderen Parteifeiern.

Mitglieder der Satirepartei "Die Partei" sind am Wahlabend von Wahlparty zu Wahlparty gezogen und haben jeweils das "Lied der Partei" angestimmt. Zur AfD schaffte die Gruppe es nicht, auch wenn das auf dem Plan stand.

Mitten in einem Live-Interview mit der Grünen-Fraktionsvorsitzenden Katrin Göring-Eckardt in der ARD war vernehmlich der Gesang zu hören, den viele Zuschauer sofort mit der SED in Verbindung brachten. Klar zu erkennen war der Refrain "Die Partei, die Partei, die Partei". Für viele TV-Zuschauer hörte sich das an wie eine Lobeshymne auf die Stasi-Partei bei den Grünen. Deren Reaktionen? Keine.

Text ist umgedichtet

Der Text war auch nicht der des Originalliedes, der so lautet: "So, aus Leninschem Geist, wächst, von Stalin geschweißt, die Partei, die Partei, die Partei". Stattdessen wurde gesungen: "So, aus Chlodwigschem Geist, wächst, von Martin geschweißt, die Partei ... ." Seit September 2015 gibt es diese Rock-Version, aufgenommen unter anderem mit Ärzte-Mitglied Bela B. 

Die veränderten Passagen beziehen sich auf Chlodwig Poth, Mitgründer der Satirezeitschrift "Titanic", sowie Martin Sonneborn, ehemaliger "Titanic"-Chefredakteur und Vorsitzender der "Partei", die seit der Europawahl im Mai mit zwei Abgeordneten im Europaparlament vertreten ist.

Ergebnis schockierend, Feierlaune ungebrochen

Diesmal waren es 1,5 Prozent*, die Feierlaune war aber ungebrochen. "Das Wahlergebnis insgesamt ist zwar furchtbar", sagt Max Aschenbach, Vorstand der "Partei" Dresden und Stadtrat. "Es ist schockierend zu sehen, dass 27,5 Prozent der Wähler offenbar weitgehend verloren sind." Aber es sei nicht das Ende der Welt, sondern auch Abschluss einer sehr strapaziösen Zeit nach zwei Wahlterminen. "Da feiert man das Ende dieser Zeit bei allen Parteien. Und wenn man sich total runterziehen lässt, wie soll man dann Widerstand leisten?"

Das Lied stimmte die Gruppe nicht nur bei den Grünen an, wo es die anderen Gäste weitgehend unbeeindruckt oder belustigt aufnahmen. Bei der Wahlparty der CDU Dresden in einer Brauerei wurde die Gruppe noch während der Gesangseinlage hinausgeworfen, wie ein Video dokumentiert. 

"Sie müssen uns schmerzlich lächelnd ertragen"

Von dort ging es zur SPD Sachsen, wo die 20-köpfige Gruppe nach Darstellung von Aschenbach freundlich aufgenommen wurde. "Die SPD überrascht ja auch aktuell nichts mehr." Und weil die "Partei" ja von SPD, Grünen und Linken zu den Guten gerechnet werde, "müssen sie uns schmerzlich lächelnd ertragen". Bier bekamen die "Partei"-Leute auf der SPD-Party aber nur, weil sie sich selbst rote Armbändchen aus Panzertape gebastelt hatten. 

Bei den Linken habe der Spitzenkandidat Rico Gebhardt die Gruppe begrüßt. Ausgerechnet dort wurde das "Partei"-Lied nicht angestimmt, "Alt-Mitglieder, die die Originalfassung hätten singen können, waren aber auch keine mehr da", sagte Aschenbach. Nicht mal jemand, der zur guten Musik hätte tanzen können, bis die "Partei" das übernahm.

Bei der FDP blieb der Eintritt verwehrt. Wegen lauter Rufe "Wir wollen den Zastrow sehen", den in der FDP umstrittenen Spitzenkandidaten Holger Zastrow, habe die Security zunächst die Polizei rufen wollen. Die "Partei" hinterließ gehässige "4,7"-Schriftzüge, "aus Kreide, strafrechtlich nicht relevant!". Außerdem hätten bei der FDP ja auch manche Feierlaune, "weil die dort nun Zastrow loswerden können", so Aschenbach.


Geplant gewesen sei auch ein Besuch bei der AfD, die jedoch auf einem Schiff feierte, dessen Anlegeplatz von der Polizei abgeschirmt war. Zwischen Besuch bei CDU und FDP habe man ihr also von der Brücke aus "ein paar Grußworte" zukommen lassen. Ein ganz normaler Wahlabend bei der "Partei" eben.

*In einer früheren Version hatten wir von 1,6 Prozent geschrieben.

Verwendete Quellen:

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