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Was war die schlimmste Straftat, die Sie begangen haben?

  • Arno W├Âlk
  • Martin Trotz
Von A. W├Âlk, M. Lueft, M. Trotz, B. Zurm├╝hl

Aktualisiert am 21.09.2019Lesedauer: 4 Min.
"Ich habe mein Leben verkorkst": Was ein ehemaliger Neonazi ├╝ber seine Vergangenheit, Straftaten und sein neues Leben denkt, erz├Ąhlte Maik Scheffler bereits f├╝r das Video-Format "Frag mich" bei t-online.de. (Quelle: t-online)
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Maik Scheffler hat Menschen aufgrund ihrer Herkunft ausgegrenzt, rechtsextremes Gedankengut verbreitet und die NPD in Sachsen angef├╝hrt. Vor vier Jahren stieg er aus der Szene aus ÔÇô und stellte sich nun den Fragen der t-online.de-Leser.

Von heute auf morgen den Kontakt zum ganzen Umfeld abbrechen, umziehen und aus Freunden Feinde werden lassen. An diese Zeit kann sich Maik Scheffler noch gut erinnern. Denn im Jahr 2015 stieg der langj├Ąhrige Neonazi aus der rechtsextremen Szene aus. Das sorgte f├╝r eine gewisse Unruhe in seinem Umfeld.

Denn Scheffler war kein kleiner Fisch, er war sogar mehrere Jahre stellvertretender Vorsitzender der NPD Sachsen. 20 Jahre lang agierte er in der Neonazi-Szene, war bei den "Hammerskins" und gr├╝ndete des Neonazi-Netzwerk "Freies Netz Mitteldeutschland". Mit der Hilfe von "Exit Deutschland" schaffte er den Absprung und begann ein neues Leben. Inzwischen engagiert er sich in vielen Bereichen im Kampf gegen den Rechtsextremismus.

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F├╝r t-online.de nahm er sich Zeit und beantwortete die Fragen, die vorab ├╝ber die Homepage, per E-Mail, Facebook und Instagram zusammenkamen. Hier finden Sie das Ergebnis (ausf├╝hrlich oben im Video zu finden):

"Jeremia52" und "Graue_Eminenz46" fragen: "Welche Gr├╝nde oder Personen f├╝hrten Sie zum rechtsextremistischen Gedankengut?"

Maik Scheffler: Ich bin in einem Jugendclub rekrutiert worden. Wir haben uns viel in Jugendclubs aufgehalten Mitte der 1990er Jahre. Dort haben uns Rechtsextreme von der NPD in Gespr├Ąche verwickelt, uns die ersten B├╝cher und die ersten CDs gegeben. Meine Eltern sind ├╝berhaupt nicht mit Rechtsextremismus in Verbindung gewesen. Die haben meinen Werdegang verfolgt, fanden das nicht toll und haben mir das auch gesagt, aber hatten keinen Einfluss auf mich, weil die Rekrutierer st├Ąrker waren.

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"Skanda" fragt: "Wie kann man Menschen nur nach ihrer Hautfarbe bzw. ethnischen Zugeh├Ârigkeit stereotypisieren?"

Das, was die Rekrutierer machen, nenne ich "apokalyptisches Gerede" oder "ethnische Negativerz├Ąhlungen". Wenn man jeden Tag ├╝ber Dinge, die man nicht kennt, etwas h├Ârt, dann glaubt man das. Als DDR-B├╝rger hat man nicht viel Ber├╝hrung mit Ausl├Ąndern gehabt. Wir hatten keinen, der mit uns auf dem Bolzplatz gespielt hat oder in der Schule neben uns sa├č. Das gab es dort nicht. Das kam alles erst in der BRD dann auf uns zu. Deswegen haben wir alles geglaubt, was uns apokalyptisch dargestellt wurde. Dinge wie, "es werden immer mehr", "meine Zukunft ist in Gefahr" und "die haben eine andere Kultur". Das nimmt man dann auf als junger Mensch und denkt nicht weiter dar├╝ber nach. Es wird ja auch nach und nach und sehr aggressiv in den Kopf hineingebracht.

"Indy2019" und "Jannes5174" fragen: "Wie viele Straftaten haben Sie als Rechtsextremist hinter sich und was war die schlimmste, die Sie begangen haben?"

Das Schlimmste, was ich je getan habe, das wei├č ich erst heute. Denn ich wei├č nicht, wer aufgrund einer von mir verfassten Schrift oder einer Rede eine Straftat begangen hat. Also jemand, der nur noch mich und meine Worte als letzten Funken gebraucht hat, um das Asylheim anzubrennen, dem Linken die Keule ├╝ber den Kopf zu ziehen oder jemanden aus der Nachbarschaft auszugrenzen.

"Gestuet_hoehnwalde" fragt: "Warum kam der Ausstieg erst nach 20 Jahren?"

Warum erst? Ich bin froh, dass ich es nach 20 Jahren ├╝berhaupt geschafft habe. Man lebt in einer Parallelwelt. Es ist eine Welt, in der alles, was man tut, richtig ist. Man schafft sich eine Isolationsblase, in der alle die gleichen Gedanken haben. Keiner kritisiert einen, keiner versucht, einen von etwas anderem zu ├╝berzeugen. Das ist ein Kreislauf, der bei den meisten nicht aufh├Ârt. Da muss ein Schl├╝sselerlebnis passieren. Bei mir wurde die Weltanschauung aufgebrochen und ich musste damit umgehen. Ich bin sehr gl├╝cklich dar├╝ber, wei├č aber, dass das keine Selbstverst├Ąndlichkeit ist.

"Ivar_waisenvogel" fragt: "Bevor Sie selbst ausgestiegen sind: Wie war Ihre eigene Sichtweise auf und Ihr Umgang mit Aussteigern?"

Als Aussteiger ist man eine Persona non grata. Eine Person, mit der man nichts mehr zu tun haben will. Dieser Mensch kann nur ein Spitzel der Polizei, ein Agent des Verfassungsschutzes oder ein charakterlicher Lump sein. Man ist der letzte Lump und wird dem Feind gleichgesetzt. Zu meiner aktiven Zeit sind Aussteiger sofort aus meinem Kopf gel├Âscht worden. Wir hatten zum Beispiel einen in meiner Gegend, bei dem ich wusste, dass er eine Veranstaltung plant. F├╝r uns war das sofort ein Auftrag, auf diese Veranstaltung zu gehen und sie zu sprengen. Ich habe ihn dort gar nicht mehr als meinen ehemaligen Freund oder Kameraden wahrgenommen, sondern als eine fremde Person, gegen die ich agieren musste.

"Sha" fragt: "Ist nicht der beste Weg aus jeglichem Fanatismus, den 'Feind' pers├Ânlich kennen zu lernen?"

Ja, das braucht man, um mit der Ideologie zu brechen. Ich komme aus dem Kampfsportbereich und dort sind nat├╝rlich auch viele mit Migrationshintergrund. Die wissen, wer ich war und die sagen: "Uns interessiert nicht, wer du warst. Uns interessiert, wer du heute bist und wie du zu uns bist. Wir haben selbst Augen im Kopf."

"Gerrit_lange" fragt: "F├╝hlen Sie sich fr├╝her oder heute mental st├Ąrker? Haben Sie viele Freunde durch ihren Ausstieg verloren? Oder eher neue dazugewonnen?"

Ich bin ein total freier Mensch. Ich bin total gechillt, das gab es bei mir fr├╝her gar nicht. Ich bin tats├Ąchlich ein v├Âllig anderer Mensch. Wenn Hass einmal raus ist, kommt solch eine Ruhe ├╝ber einen, die ich jedem nur empfehlen kann, der in irgendwelchen radikalen Szenen unterwegs ist. Die Freunde, die ich heute habe, das sind echte Menschen, die mich anrufen, weil sie mich anrufen wollen. Die m├Âgen mich aufgrund meines Charakters und auch mit meinen Schw├Ąchen. In der rechtsextremen Szene gibt es so etwas nicht. Von daher habe ich einfach nur gewonnen.

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