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Merkel zu Eltern: "MĂĽsste mich drei Stunden um Ihre Kinder kĂĽmmern"

  • Lars Wienand
Von Lars Wienand

Aktualisiert am 04.02.2021Lesedauer: 3 Min.
Kanzlerin Merkel beim BĂĽrgerdialog mit Eltern: Es ging um die Situation von Familien mit Kindern, darunter auch Familien mit alleinerziehendem Elternteil.
Kanzlerin Merkel beim BĂĽrgerdialog mit Eltern: Es ging um die Situation von Familien mit Kindern, auch Familien mit alleinerziehendem Elternteil. (Quelle: John Macdougall/AFP-Pool/dpa-bilder)
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Die beim Thema Lockdown strenge Bundeskanzlerin trifft auf diejenigen, die die Folgen permanent am meisten spüren: Angela Merkel warb bei Eltern um Verständnis – und machte ein Versprechen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat im direkten Gespräch mit 14 Elternteilen viel Verständnis für deren Situation gezeigt, aber keine schnelle Rückkehr zur Normalität in Aussicht gestellt. Väter und Mütter mit ganz unterschiedlichem Hintergrund hatten der Kanzlerin bei einem digitalen Bürgerdialog ihre Situation geschildert. Und die sagte: "Eigentlich müsste ich zu jedem von Ihnen nach Hause kommen und mich drei Stunden um Ihre Kinder kümmern, damit Sie auch mal Sport machen können oder Zeit für etwas anderes haben."


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Die Kanzlerin versprach den Familien, dass Schulen und Kitas beim Lockern an erster Stelle stehen werden. "Wir haben aus dem vergangenen Jahr gelernt." Merkel blieb aber auch bei ihrer Linie, nicht zu früh zu lockern: "Ich gehöre zu den Strengen", sagte sie. "Sonst geht das ewig." Jeder Tag sei eine große Belastung und jeder Tag zähle, sagte Merkel. "Aber mein Ziel ist, dass wir nicht noch mal auf- und dann wieder zumachen. Wir müssen die Fälle so weit runterbekommen. Lieber drei Tage länger und dann eine berechenbare Zeit." Man müsse darauf setzen, dass es die letzten Wochen im Lockdown sind.

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Vater: "Corona-Krise macht Hamsterrad kleiner und schneller"

In der Runde ging es meist um die psychische Belastung: "Die Corona-Krise macht das Hamsterrad kleiner und schneller", sagte Lars Jakobs, verwitweter Vater von Kindern im Alter von 5 und 7. "Man wird dann auch noch stigmatisiert, wenn man mit den Kindern unterwegs ist", klagte die zweifache Mutter Eva-Maria Vogt.

Eltern schilderten aber auch konkrete Probleme. Vogt berichtete von den hohen zusätzlichen Kosten und davon, den Familienbonus von 150 Euro dann auch noch mit dem unterhaltszahlenden Vater teilen zu müssen. "75 Euro sind nichts." Merkel kündigte an, darüber mit Familienministerin Franziska Giffey zu sprechen.

Merkel winkt zur Begrüßung: Die Bundeskanzlerin traf sich zum Videogespräch mit Eltern. Die Gesprächspartner hatten Deutscher Familienverband, Verband alleinerziehender Mütter und Väter, Verband kinderreicher Familien sowie Caritas und Diakonie vermittelt.
Merkel winkt zur Begrüßung: Die Bundeskanzlerin traf sich zum Videogespräch mit Eltern. Die Gesprächspartner hatten Deutscher Familienverband, Verband alleinerziehender Mütter und Väter, Verband kinderreicher Familien sowie Caritas und Diakonie vermittelt. (Quelle: Screenshot)

Osama Idrees, Vater von vier Kindern aus Rastatt, vor vier Jahren als Migrant nach Deutschland gekommen und als Möbelschreiner tätig, berichtete, er habe zwei Laptops gekauft, könne aber für das jüngste Kind nicht auch noch ein Tablet anschaffen. "Vielleicht finden wir eine Lösung", sagte Merkel.

Doch oft kann sie wenig tun: Jihan Kodre, die in Wattenscheid mit Migranten arbeitet, berichtete den Tränen nahe von den Problemen von Eltern, die ihre Kinder gar nicht unterstützen können. "Manche sind Analphabeten." Es werde auch zu wenig Geld für Angebote und Projekte ausgegeben, meinte Vater Rene Lampe. "Ich habe den Wink verstanden", antwortete die Kanzlerin.

Vorschlag einer Mutter: Bildungsgutscheine

Sie nahm auch den Vorschlag von Mutter Antonia Nolte auf, Bildungsgutscheine auszugeben, damit Kindern geholfen werden kann, Stoff aufzuholen. Die Politikerin fragte aber auch zurück: "Glauben Sie denn, dass die Kinder nach dieser anstrengenden Zeit bereit wären?" Mutter Antonia Nolte aus Berlin: "Ich würde schon sagen, dass sie das mitmachen müssen."

Merkel sagte auch: "Selbst wenn wieder alles normal ist, ist es eben nicht wieder normal, weil jeder sein Päckchen aus dieser Zeit zu tragen hat." Sommercamps seien vielleicht wieder eine Idee, es könne an Pädagogikstudenten appelliert werden, zu unterstützen.

Merkel fand nach dem Gespräch mit den Eltern auch einen Vorschlag bedenkenswert: "Vielleicht sollten wir nach all den Gipfeln auch mal einen Familiengipfel machen."

Das nicht ganz ernst gemeinte Angebot, die Kinder der Eltern zu betreuen, kassierte die Kanzlerin aber wieder ein: "Das dĂĽrfte ich ja auch gar nicht: Sie haben ja alle schon eine Kontaktperson pro Haushalt. Es ist beeindruckend, wie verantwortungsvoll Sie damit umgehen."

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Von Miriam Hollstein
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