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Hanau-Ermittler glichen DNA des TĂ€ter-Vaters mit Spuren ab

  • Jonas Mueller-Töwe
Von Jonas Mueller-Töwe

Aktualisiert am 19.02.2021Lesedauer: 3 Min.
Polizei in direkter NĂ€he des Wohnhauses von Hans-Gerd R.: Monate nach dem Anschlag ging er gegen die Entnahme seiner Blutprobe vor.
Polizei in direkter NĂ€he des Wohnhauses von Hans-Gerd R.: Monate nach dem Anschlag ging er gegen die Entnahme seiner Blutprobe vor. (Quelle: imago-images-bilder)
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Der Vater des AttentÀters von Hanau teilte das Weltbild seines Sohnes und war am letzten Tatort. Offiziell wurde nie gegen ihn ermittelt. Laut Informationen von t-online ist das aber nur ein Teil der Wahrheit.

Kurz nach dem rassistischen Anschlag in Hanau mit zehn Toten vor einem Jahr geriet der Vater des AttentÀters ins Visier der Ermittler. Nach Informationen von t-online ordnete der Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof auf Antrag des Generalbundesanwalts bei Hans-Gerd R. eine Blutprobe an. Das so mittels molekulargenetischer Untersuchung gewonnene DNA-Identifizierungsmuster sollte mit anderen sichergestellten DNA-Spuren abgeglichen werden. Der Auftrag dazu ging wenig spÀter an einen SachverstÀndigen des Bundeskriminalamts.

Polizei fĂŒhrte R. vom Tatort ab

Der Generalbundesanwalt hatte herausfinden wollen, ob der TĂ€ter bei seinem rassistischen Anschlag UnterstĂŒtzung erhielt. Sein Vater war damals von der Polizei aus dem gemeinsamen Wohnhaus gebracht worden, wo sein Sohn und seine Frau tot gefunden wurden. Anschließend wurde er psychiatrisch behandelt und verhört. Der heute 73-JĂ€hrige galt dabei stets als Zeuge in einem Ermittlungsverfahren gegen unbekannt.

Zum Ergebnis des DNA-Spurenabgleichs wollte sich ein Sprecher der Bundesanwaltschaft nicht Ă€ußern. Gegen den Vater ergaben sich demnach "keine zureichenden tatsĂ€chlichen Anhaltspunkte fĂŒr strafbares Verhalten". Deswegen sei auch nie gegen ihn ermittelt worden. Trotzdem könnte der Abgleich der DNA-Spuren – der laut einem Beschlussdokument des Bundesgerichtshofs wohl gegen den erklĂ€rten Willen des Mannes erfolgte – öffentlich ein neues Licht auf seine Rolle fĂŒr die Tat werfen.

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Ein gemeinsames Weltbild

Denn ebenso wie sein Sohn war auch R. senior in den Jahren zuvor mit aggressiven Beschwerden und Anzeigen auffĂ€llig geworden. Der hatte ihn schließlich mehrfach in seinem wirren Schreiben erwĂ€hnt, mit dem er seine Tat zu rechtfertigen versuchte. Es ging dabei um eine von Verfolgungswahn geprĂ€gte Verschwörungstheorie mit rassistischem Tenor.

Der mutmaßliche TĂ€ter Tobias R. und sein Schreiben an den Generalbundesanwalt: Schon Monate vor der Tat schickte er es an einen Kontakt in Österreich. Es ging auch der Behörde zu.
Der mutmaßliche TĂ€ter Tobias R. und sein Schreiben an den Generalbundesanwalt: Schon Monate vor der Tat schickte er es an einen Kontakt in Österreich. Es ging auch der Behörde zu. (Quelle: t-online.de)

Dem Weltbild seines Sohnes steht R. noch heute offenbar nĂ€her, als bislang bekannt war. Erst kĂŒrzlich geriet er in die Schlagzeilen: Der "Spiegel" berichtete, er habe in seiner Vernehmung Ă€hnliche Wahnvorstellungen geĂ€ußert wie sein Sohn. Er behauptete demnach, sein Sohn sei das Opfer einer weltweit agierenden Geheimdienstorganisation geworden. "Agenten hĂ€tten seinen Sohn im Wald getötet und seine Leiche im Haus der Familie abgelegt. WĂ€hrenddessen habe ein als sein Sohn verkleideter Agent die neun Morde begangen", schrieb der "Spiegel".

Wirre Schreiben und Anzeigen

Das knĂŒpft direkt an die Gedankenwelt des AttentĂ€ters an, der sich von einer Geheimorganisation ĂŒberwacht und gesteuert wĂ€hnte, zeitgleich aber rassistische Motive fĂŒr den Anschlag nannte. Recherchen von t-online hatten am Tag nach dem Anschlag ergeben, dass der AttentĂ€ter weite Teile seines Schreibens Monate zuvor an den Generalbundesanwalt schickte. Laut "Spiegel" verfassten Vater und Sohn sogar bereits 2004 gemeinsam eine entsprechende Anzeige in Offenbach.

Seit dem Anschlag habe der Vater nun wieder zahlreiche Anzeigen und Beschwerden mit rassistischem Inhalt gestellt – unter anderem nenne er die Opfer "TĂ€ter" und fordere, die GedenkstĂ€tten zu entfernen, da er darin "Volksverhetzung" sehe. Er wolle Tatwaffen und Munition seines Sohnes zurĂŒck und verlange, dass dessen Internetseite wieder freigeschaltet werde. Dort hatte der AttentĂ€ter seine wirren Schreiben veröffentlicht.

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Eine seiner Anzeigen brachte den Vater des AttentÀters nun allerdings selbst in Schwierigkeiten. Die Staatsanwaltschaft Hanau bestÀtigte entsprechende Medienberichte, ohne den Namen R. zu nennen: Demnach habe ein 73-JÀhriger in einer Anzeige Hinterbliebene der Anschlagsopfer als "wilde Fremde" bezeichnet. Daraufhin habe sie Ermittlungen aufgenommen, die GeschÀdigten hÀtten Strafantrag gestellt. Mittlerweile ist Anklage erhoben. Weitere Ermittlungen gegen R. aufgrund des Anschlags sind hingegen unwahrscheinlich. Laut Bundesanwaltschaft sind alle notwendigen Ermittlungsschritte bereits erfolgt.

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