• Home
  • Politik
  • Deutschland
  • Umstrittene Corona-Studie: Prof. Wiesendanger, Wuhan und die Biowaffen


Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Symbolbild fĂŒr einen TextRegierung rĂ€t zu Notstrom-AggregatenSymbolbild fĂŒr einen TextNeuer Corona-Ausbruch in WuhanSymbolbild fĂŒr ein VideoDeutsche fliehen vor Feuer an Costa BravaSymbolbild fĂŒr einen TextWilliam Cohn ist totSymbolbild fĂŒr einen TextHanni HĂŒsch verlĂ€sst die ARDSymbolbild fĂŒr einen TextMissglĂŒcktes Überholmanöver: Biker totSymbolbild fĂŒr einen TextNagelsmann kĂ€mpft fĂŒr Spieler-TransferSymbolbild fĂŒr einen TextWeniger Rentenpunkte fĂŒr NVA-Soldaten?Symbolbild fĂŒr ein VideoGrĂ¶ĂŸter WĂ€rmespeicher DeutschlandsSymbolbild fĂŒr ein VideoPfeilschwanzkrebse wegen Blut gejagtSymbolbild fĂŒr einen TextKind lĂ€uft auf Straße – schwer verletztSymbolbild fĂŒr einen Watson TeaserNeymar klopft bei Premier-League-Klub anSymbolbild fĂŒr einen TextErdbeersaison auf dem Hof - jetzt spielen

Der Physikprofessor, Wuhan und die Biowaffen

  • Lars Wienand
Von Lars Wienand

Aktualisiert am 20.02.2021Lesedauer: 5 Min.
Roland Wiesendanger: Der Professor hat ein Papier vorgelegt, in dem er die These vertritt, dass das Coronavirus wahrscheinlich duch einen Laborunfall in die Welt gelangt ist.
Roland Wiesendanger: Der Professor hat ein Papier vorgelegt, in dem er die These vertritt, dass das Coronavirus wahrscheinlich durch einen Laborunfall in die Welt gelangt ist. (Quelle: UniversitÀt Hamburg/Sebastian Engel)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo

Ein Physikprofessor macht Schlagzeilen mit der These, dass das Coronavirus durch einen Laborunfall in die Welt kam. Wieso es jetzt heftige Kritik gibt – und wo er eine Diskussion anstoßen könnte.

Am Tag danach liest der Physikprofessor Roland Wiesendanger den Journalisten Mails vor: "Hier dankt mir jemand fĂŒr 'Mut, Respekt, Aufrichtigkeit und Liebe zu den Menschen' – mit drei Ausrufezeichen, da schreibt jemand: 'Sie geben uns Hoffnung, Sie leben die Wahrheit!'" Wiesendanger, ein renommierter Nanowissenschaftler, wird seit Donnerstag in der Öffentlichkeit verrissen fĂŒr einen unwissenschaftlichen Text mit einer These, die sich vielleicht nie beweisen oder ausschließen lassen wird: Das Coronavirus ist durch einen Laborunfall in Wuhan in die Welt gelangt. Dass das sonst kaum ein Wissenschaftler vertritt, erklĂ€rt er damit, dass es "Maulkörbe" gibt.

Wenn man mit ihm spricht und ihm glaubt, geht es aber eigentlich um eine grundsĂ€tzlichere Frage: DĂŒrfen Wissenschaftler an Viren experimentieren, um die Erreger durch VerĂ€nderungen mĂ€chtiger zu machen? "Gain of Function" nennt sich das Viren-Tuning, das Killerviren hervorbringen kann. Es soll die Welt besser auf derartige Bedrohungen vorbereiten, sagen BefĂŒrworter. Atom- und Chemiewaffen richteten örtlich begrenzt SchĂ€den an, ein Virus könne zur Biowaffe mit globalen Folgen werden, sagt Wiesenanger.

Virologen-Debatte als SchlĂŒsselerlebnis

Die Vorstellung treibt ihn offenbar um, seit es 2013 Streit um derartige Forschung gab. "Es war fĂŒr mich ein SchlĂŒsselerlebnis", sagt er. Die renommierte "Foundation of Vaccine Research" widersprach in einem Brief der EuropĂ€ischen Virologen-Vereinigung und wandte sich gegen "Gain-of-Function"-Versuche am H5N1-Virus in den Niederlanden. Physiker Wiesendanger hat diesen Brief in voller LĂ€nger in seine Veröffentlichung eingebaut. Weil er das mit mehreren Publikationen gemacht hat, Ă€tzte auf Twitter eine Nutzerin, sein Werk sei "optisch nah an einem zusammengeklebten Erpresserbrief mit großzĂŒgigem Textmarkereinsatz".

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
Putin hinter Gittern
Wladimir Putin ist im Westen isoliert.


Im Hochsicherheitslabor von Wuhan wurde aber tatsĂ€chlich in der Vergangenheit damit experimentiert, wie die Eigenschaft von Coronaviren von FledermĂ€usen verĂ€ndert werden kann; zudem ist ein Teil der Labordaten gelöscht. Nur: Keiner der renommierten Wissenschaftler, die in der Vergangenheit als Mahner vor Viren-Tuning aufgefallen sind, erhebt jetzt VorwĂŒrfe Richtung Wuhan wegen eines möglichen Unfalls. Wiesendanger rĂ€umt das ein und sagt: "Da mĂŒssen Sie die involvierten Personen fragen, warum sie diese Frage nicht stellen".

Er unterstellt in seiner Studie, dass es in Wuhan mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem Laborunfall gekommen ist. "Studie" steht zwar darĂŒber, davon spricht er stĂ€ndig, und die UniversitĂ€t Hamburg hat sie per Pressemitteilung so beworben, aber das ist aus Sicht vieler Wissenschaftler Etikettenschwindel. Wiesendanger selbst rĂ€umt ein: "Es ist nicht im Sinne einer wissenschaftlichen Publikation zu sehen, es zielt nicht auf ein wissenschaftliches Fachpublikum, sondern soll der Information einer breiten Öffentlichkeit in Deutschland dienen." Er will, dass ĂŒber das Thema geredet wird.

Stolz auf Uni-PrĂ€sident wegen UnterstĂŒtzung

Dabei war ihm klar, dass heftige Kritik kommen wird. Das schiebt er aber auf das "hochbrisante Thema". Seine Hochschule habe ihn "motiviert, als Wissenschaftler mit Verantwortung fĂŒr die Gesellschaft den Diskussionsbeitrag zu leisten." Er sei stolz auf den PrĂ€sidenten, "der sich hinter mich gestellt hat. Sonst wĂ€re das Thema vielleicht nicht aufgekommen." Nun ist es aufgekommen, sein Papier wurde am ersten Tag in sechsstelliger GrĂ¶ĂŸe abgerufen, sagt er.

Vorher habe er einige Medienvertreter angeschrieben, ohne eine RĂŒckmeldung zu bekommen, "und meine Studie war auch schon einige Tage online, aber unbeachtet – bis zur Pressemitteilung". Das erzĂ€hlt er auf die Frage nach einem "Maulkorb" fĂŒr Wissenschaftler.

Der Physiker war offenbar nicht auf grĂ¶ĂŸere WiderstĂ€nde gestoßen, obwohl er viele Stellen eingebunden hatte. Zur "interdisziplinĂ€ren kritischen wissenschaftlichen Diskussion" habe er die Studie vorab an das HochschulprĂ€sidium, die Hamburger Wissenschaftsbehörde und an die Akademie der Wissenschaften verteilt.

An die Coronavirus Structural Task Force, die an der UniversitĂ€t Hamburg zum Coronaviorus forscht, offenbar nicht. Die Wissenschaftler wurden ĂŒberrascht und urteilten am Freitag: "Was als Einladung zur Debatte daherkommt, ist eine ziemlich chaotische und tendenziöse Internetrecherche, die in keiner Weise der guten wissenschaftlichen Praxis entspricht."

Empfohlener externer Inhalt
Twitter

Wir benötigen Ihre Einwilligung, um den von unserer Redaktion eingebundenen Twitter-Inhalt anzuzeigen. Sie können diesen (und damit auch alle weiteren Twitter-Inhalte auf t-online.de) mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder deaktivieren.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen ĂŒbermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Wenig UnterstĂŒtzer in der Öffentlichkeit

Wiesendanger berichtete davon, an der Akademie der Wissenschaften am 22. Januar einen Vortrag gehalten zu haben. "Es kamen sehr positive, aufmunternde RĂŒckmeldungen, die meisten Kollegen und Kolleginnen waren auch schockiert." Schockiert wegen der Tragweite, meint er. Nicht, weil er vielleicht eine einsame wissenschaftliche Position vertritt.

Das weist er auch zurĂŒck: "Ich kann Ihnen versichern, dass ich damit nicht der einsame Wissenschaftler bin." Es gebe ein Netzwerk, das ihn bestĂ€rke. "Aber man kann Kollegen ja nicht dazu drĂ€ngen, sich öffentlich zu Ă€ußern, mögliche Reaktionen muss man dann auch allein aushalten können." Er könne sich nur auf öffentliche Dokumente stĂŒtzen.

Bannon-UnterstĂŒtzung fĂŒr eine "Kronzeugin"

So liefert er auch einen sehr dĂŒnnen Beleg fĂŒr die Aussage, dass "nicht wenige Wissenschaftler (...) von einer koordinierten IrrefĂŒhrung der breiten Öffentlichkeit bei der Frage nach dem Ursprung der Coronavirus-Pandemie sprechen": Bei der Quelle fĂŒr die zentrale These erscheint ein Warnhinweis, dass die Studie vielen RĂŒckmeldungen zufolge einer wissenschaftlichen ÜberprĂŒfung nicht standhĂ€lt, und dazu eine Studie von drei unbekannten Wissenschaftlern und der Virologin Li-Meng Yan*. Von Yan hat sich ihr frĂŒheres Institut in Hongkong distanziert, gefördert wurde sie von einem Exil-Chinesen und von Steve Bannon.

Aus dieser Richtung kommt auch ein Beleg, "dass es in Wissenschaftlerkreisen seit einigen Monaten erhebliche Zweifel bezĂŒglich des Wahrheitsgehalts" eines Textes bei "Nature" gibt. An der angegebenen Quelle beginnt ein promovierter frĂŒherer US-Offizier einen Text so: "Die Kommunistische Partei Chinas, einige mit China sympathisierende westliche Wissenschaftler und die unterwĂŒrfigen Medien haben enorme Anstrengungen unternommen, um die Öffentlichkeit davon zu ĂŒberzeugen..."

Aufmerksamkeit fĂŒr Petition

Das ist polemisch, nicht wissenschaftlich. Wiesendanger unternimmt noch einen weiteren Versuch, breite Beteiligung der Wissenschaft zu zeigen. Er bindet einen neun Seiten langen offenen Brief ein, in dem nach eigenen Angaben Wissenschaftler fordern, dass jeder Mensch die Wahrheit ĂŒber den Ursprung der Covid-19-Pandemie erfĂ€hrt. 871 Unterzeichner hat die Petition nach zwei Monaten, das sind wenige. "Ich habe diesen Brief auch eingebaut, um ihm zu Aufmerksamkeit zu verhelfen." Der Initiator hat die UnterstĂŒtzung aus Deutschland umgehend registriert.

Empfohlener externer Inhalt
Twitter

Wir benötigen Ihre Einwilligung, um den von unserer Redaktion eingebundenen Twitter-Inhalt anzuzeigen. Sie können diesen (und damit auch alle weiteren Twitter-Inhalte auf t-online.de) mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder deaktivieren.

Er enthĂ€lt 50 zum Teil sehr detaillierte Fragen zu Ungereimtheiten in der chinesischen Informationspolitik. Gefragt wird dort aber auch, wieso China die auf dem Markt verkauften Tierarten verheimlicht, wĂ€hrend Wiesendanger sich an dieser Stelle der vorherrschenden Meinung anschließt, dass es dort keine FledermĂ€use gab. Wenn keine FledermĂ€use im Spiel sind, stĂŒtzt es die Theorie eines Laborunfalls.

Loading...
Loading...
Loading...

Dass Corona-Leugner eine Publikation feiern, die genau das vertritt und nahelegt, dass das Virus kĂŒnstlich sein könnte, ist fĂŒr ihn "ein Widerspruch in sich": Mit einem kĂŒnstlichen Virus ist ja eine noch höhere Gefahr verbunden." Es lasse sich schlechter vorhersagen, wie es sich weiter entwickele.

Gesperrtes Institut – oder doch nur Ferien?

Bruder teilt Auffassung
Zwei BrĂŒder, eine Meinung: Harald Wiesendanger hat laut Roland Wiesendanger aus den Medien erfahren, dass der Hamburger Professor eine Studie zu dem Thema machte. Dazu publiziert auch Harald Wiesendanger. Roland Wiesendanger: "Er kommt zu dem gleichen Ergebnis wie ich, aber es gab keine Zusammenarbeit." Der Psychologe und Publizist Wiesendanger, auch Autor von BĂŒchern zu Geisterheilung, spricht allerdings auch von "Plandemie", die von "Profiteuren" beliebig verlĂ€ngert werden könne.

Wiesendanger sagt, ob er wirklich seine wissenschaftliche Reputation aufs Spiel setze, werde man sehen, wenn sich die aktuelle Aufregung gelegt hat. Er hoffe auf eine Sachdiskussion ĂŒber die Gefahren vom Experimentieren mit Viren. "Wenn die Gefahren von Gain-of-Function-Forschung breit diskutiert werden, bin ich zufrieden. Mir ist es dann auch egal, ob mein Papier als verbrannt gilt und deshalb nicht herangezogen wird." Und dankbare Mails mit drei Ausrufezeichen wird er sicher auch weiterhin bekommen.

*Wir hatten an dieser Stelle zunĂ€chst von Li-Meng Yang geschrieben. Die Wissenschaftlerin heißt Li-Meng Yan.

Ein Absatz zu Handydaten am Institut in Wuhan im Oktober ist gelöscht, weil Angaben sich auf verschiedene ZeitrĂ€ume bezogen. Ein Zeitraum, in dem am Institut nach einer Auswertung keine Handydaten festgestellt wurden, lag nicht in einer Ferienwoche, wie wir zunĂ€chst geschrieben hatten. Die Aussagekraft der Erhebung ist fragwĂŒrdig.

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Neueste Artikel
Von Miriam Hollstein
Ein Gastbeitrag von Hermann Gröhe (CDU)
ChinaCoronavirusDeutschlandNiederlandeTwitter
Aktuelles zu den Parteien

Politik international




t-online - Nachrichten fĂŒr Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlÀngerung FestnetzVertragsverlÀngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website