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Corona-Lockerungen: Ärzte fordern neue Bewertung von Inzidenz-Werten

Genereller Inzidenzwert helfe nicht  

Ärzte fordern neue Bewertung von Corona-Zahlen

22.02.2021, 02:26 Uhr | dpa, rtr

Corona-Lockerungen: Ärzte fordern neue Bewertung von Inzidenz-Werten. Ein 89-jähriger Mann wird in Essen gegen Corona geimpft. Viele Ärzte fordern ein Umdenken bei den Corona-Strategie und mehr realistische Maßnahmen.  (Quelle: imago images/Ralph Lueger)

Ein 89-jähriger Mann wird in Essen gegen Corona geimpft. Viele Ärzte fordern ein Umdenken bei den Corona-Strategie und mehr realistische Maßnahmen. (Quelle: Ralph Lueger/imago images)

Amtsärzte sehen den Inzidenzwert nicht mehr als wichtigsten Faktor bei Corona-Lockerungen. Der Weltärztebund warnt vor einem steigenden R-Wert. Und Gesundheitsexperte Lauterbach will schneller impfen.

Berlins Amtsärzte fordern nach einem Medienbericht einhellig, Lockerungen nicht mehr an generelle Inzidenzwerte zu knüpfen. Es sei "nicht zielführend, Eindämmungsmaßnahmen an Inzidenzen von 20/35/50" zu koppeln, heißt es dem "Tagesspiegel" (Montag) zufolge in einer Stellungnahme aller zwölf Amtsärzte für die Senatskanzlei. Stattdessen schlagen die Mediziner demnach "intensive Maßnahmen der Infektionsprävention" für Alte und Kranke und gleichzeitig eine Abmilderung der Maßnahmen für andere Gruppen wie Schulkinder vor.

"Diese Inzidenzen bilden nicht das wirkliche Infektionsgeschehen ab", schreiben demnach die Amtsärzte. Die Inzidenzen seien von Testkapazitäten und dem Testwillen der Menschen abhängig. "Dadurch kommt es zu Schwankungen, die nicht die infektiologische Lage widerspiegeln", zitiert das Blatt die Ärzte. Notwendig sei eine nach Altersgruppen ausgerichtete Inzidenzanalyse als "Frühwarnsystem". Aus dem Kreis der Amtsärzte hieß es laut "Tagesspiegel", es sei ein "großer Unterschied", ob bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von 50 Menschen über 80 durchgeimpft und alle Infizierten symptomfreie Kinder seien – oder ob vor allem Risikogruppen betroffen seien. Danach müsse man die politischen Maßnahmen ausrichten.

Weltärztebund-Chef gegen Lockerungen

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, warnt angesichts steigender Infektionszahlen vor Lockerungen. "Wer in Zeiten steigender R-Werte über Lockerungen spricht, handelt absolut unverantwortlich", sagt der Mediziner den Zeitungen der "Funke Mediengruppe" (Montagausgaben) laut einem Vorab-Bericht. Denn bei jeder Öffnung gebe es einen deutlichen Anstieg der Zahlen. "Der Inzidenzwert zeigt, wo wir aktuell stehen. Der R-Wert zeigt, wohin wir gerade gehen. Bei einem Wert klar über 1,0 droht wieder exponentielles Wachstum – und genau das ist jetzt der Fall." Das Robert Koch-Institut (RKI) hatte den bundesweiten Sieben-Tage-R-Wert am Sonntagnachmittag mit 1,10 angeben, er lag damit zum dritten Mal in Folge über der kritischen Marke von 1,0. Auch die Sieben-Tage-Inzidenz kletterte wieder auf über 60 Fälle pro 100.000 Einwohner.

Lauterbach fordert schnelleres Impfen

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hofft auf eine Beschleunigung bei den Impfungen. Auf Twitter schrieb er, dass die EU die älteste Bevölkerung habe und "sich dieses Impftempo nicht lange in beginnender 3. Welle leisten" könne. Auch weil die B.1.1.7.-Mutante tödlicher sei.  "Ein Gamechanger kann nur ein pragmatisches Vorziehen erster Dosis sein, weil Todesfälle und Krankenhausfälle massiv sänken." 

Lauterbach möchte massiv in die Anschaffung von Schnelltests zum Selbsttesten für Schüler investieren. Sonst würden die Schulen zu Hotspots der Mutationsausbrüche. Und blieben nicht lange offen.

Verwendete Quellen:
  • Karl Lauterbach auf Twitter 
  • Nachrichtenagenturen Reuters und dpa

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