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Tübingen: Modellprojekt zieht die Reißleine – "Es kommen einfach zu viele"

Modellprojekt auf der Kippe  

Tübingen zieht die Reißleine: "Es kommen einfach zu viele"

31.03.2021, 17:21 Uhr | dpa

Tübingen: Modellprojekt zieht die Reißleine  – "Es kommen einfach zu viele". Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer: Bis Ostermontag müssen Besucher von auswärts draußen bleiben. (Quelle: imago images/Thomas Dinges/Eibner-Pressefoto)

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer: Bis Ostermontag müssen Besucher von auswärts draußen bleiben. (Quelle: Thomas Dinges/Eibner-Pressefoto/imago images)

Mit einem negativen Corona-Testergebnis kann man in Tübingen shoppen und Museen und Theater besuchen. Das lockt viele Besucher an. Oberbürgermeister Boris Palmer zieht die Notbremse. 

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) zieht erneut die Reißleine: Wegen des großen Zustroms von auswärtigen Gästen in seine Stadt und steigender Corona-Zahlen beschränkt er den Zutritt zur Stadt für Menschen, die nicht im Landkreis Tübingen wohnen oder in der Stadt Tübingen arbeiten. Sie erhalten bereits ab Donnerstag (1. April) keine Tagestickets mehr an den Teststationen.

Die Regelung gilt allerdings nur bis Ostermontag. Ursprünglich sollte die Osterregelung des Modellprojekts "Öffnen mit Sicherheit" ab Karfreitag gelten. "Es kommen momentan einfach zu viele Personen von auswärts in die Stadt", sagte Palmer am Mittwoch. Dadurch verliere der Modellversuch an Aussagekraft.

Angesichts stetig steigender Infektionszahlen ist eine Fortsetzung des Tübinger Corona-Modellprojekts bis Mitte April ohnehin noch offen. "Sollte Tübingen weiterhin steigende Inzidenzen haben und stabil auf die 100 zugehen beziehungsweise diese Marke pro 100.000 Einwohner sogar überschreiten, muss geprüft werden, inwieweit das Projekt ausgesetzt werden muss", teilte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Mittwoch in Stuttgart mit. Vor diesem Hintergrund und auch aufgrund der steigenden Infektionszahlen mitten in der dritten Pandemiewelle denke das Ministerium momentan auch nicht an die Ausweisung weiterer Modellprojekte. 

Die Sieben-Tage-Inzidenz in der Stadt legte nach Angaben des baden-württembergischen Gesundheitsministeriums auch am Mittwoch stark zu. Sie stieg auf 89,6 Fälle je 100.000 Einwohner binnen einer Woche zu. Am Vortag hatte der Wert noch bei 78,7 gelegen. Seit vergangenen Freitag hat sich die Inzidenz in der Stadt Tübingen damit mehr als verdoppelt. Zum Vergleich: Am 18. März betrug sie noch 19,7. Zuerst hatte das "Schwäbische Tagblatt" über den neuen Wert berichtet. Landesweit lag die Inzidenz bei 129,8. 

Palmer: Auswärtige Gäste zerstören den Versuch

Modellprojekte wie in Tübingen sollten nach Auskunft des Berliner Virologen Christian Drosten eine gute wissenschaftliche Begleitung haben. Das Ziel, Menschen zu motivieren, sich testen zu lassen und etwa einkaufen zu gehen, sei vorerst gut. Das sollte man punktuell durchaus mal ausprobieren. Wichtig sei, vorher Erfolgskriterien zu definieren, wie etwa eine Zahl der Krankenhausaufnamen, der Todesfälle nach drei Wochen oder der Wirtschaftsleistung. "Also ich denke, man sollte sich eine ganze Zahl von solchen Erfolgskriterien hinlegen, bevor man diesen Modellversuch macht, um dann irgendwann in der Nachbewertung zu sagen: Das war erfolgreich." Wichtig seien auch Abbruchkriterien und eine Vergleichsstadt ohne Modellprojekt.

Der Tübinger Modellversuch richtet sich laut Palmer in erster Linie an die Bewohner der Stadt und des Landkreises Tübingen. "Wir möchten mit dem Modellversuch zeigen, wie sich häufiges Testen auswirkt. Zu viele auswärtige Gäste zerstören das Tübinger Infektionsgeschehen und damit den Versuch", sagte Palmer. Er warb um Verständnis. "Alle, die aus anderen Landkreisen kommen, weite Anfahrten in Kauf nehmen und vielleicht vorher noch nie in Tübingen waren, bitte ich, den Besuch auf den Sommer zu verschieben."

Palmer: "Das gilt auch für Verwandte, Bekannte und Freunde"

Die Regelung bezeichnete Palmer als "ganz einfach". "Wer sich ohnehin regelmäßig in der Stadt bewegt, kann auch über die Osterfeiertage ein Tagesticket bekommen. Das sind Menschen, die hier wohnen oder arbeiten. Wer nur zu Besuch ist, gehört nicht dazu und bekommt kein Ticket. Das gilt auch für Verwandte, Bekannte und Freunde." Jede Ausnahme würde Tür und Tor öffnen, deshalb werde damit erst gar nicht angefangen.

Am 26. März hatte das Land dem Antrag zugestimmt, den Modellversuch bis zum 18. April zu verlängern und die Ticketausgabe an Auswärtige zu begrenzen und über Ostern auszusetzen. Seit dem 16. März können sich Menschen in Tübingen an mehreren Stationen kostenlos testen lassen, mit der Bescheinigung des Ergebnisses können sie dann in Läden, zum Friseur oder auch in Theater und Museen. Die Stadt sieht den Erfolg des Versuchs allerdings seit einiger Zeit durch eine wachsende Zahl an Tagesgästen gefährdet.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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