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Corona-Krise: Keine einheitlichen Schul-Regeln – Abitur findet statt

Länder streiten über Corona-Kurs  

Keine einheitlichen Schul-Regeln – Abiturprüfungen finden statt

08.04.2021, 20:12 Uhr | dpa, t-online

Corona-Krise: Keine einheitlichen Schul-Regeln – Abitur findet statt. Abiturprüfungen in Baden-Württemberg in Mai 2020: Ähnliche Bilder könnte es dieses Jahr erneut geben. (Quelle: dpa/Felix Kästle)

Abiturprüfungen in Baden-Württemberg in Mai 2020: Ähnliche Bilder könnte es dieses Jahr erneut geben. (Quelle: Felix Kästle/dpa)

Über Stunden berieten die Kultusminister die Corona-Lage. Schnell war klar: Für Schüler und Lehrkräfte gelten in den kommenden Wochen unterschiedliche Regeln. Nur beim Abitur gibt es Einigkeit.

Ungeachtet aller Aufrufe für eine einheitliche Linie für Deutschlands Schulen in der dritten Corona-Welle gehen die Länder getrennte Wege. Die Kultusminister berieten am Donnerstag die Corona-Lage und andere Themen, die Tagung dauerte mehrere Stunden bis in den Abend. Insgesamt legten sich die Kultusminister grundsätzlich auf einen Öffnungskurs fest, in den Details gibt es jedoch erhebliche Unterschiede. Bundesweit einheitlich geregelt wird einzig, dass die Abiturienten in Deutschland ihre Prüfungen in diesem Jahr trotz Corona-Pandemie ablegen sollen. Ansonsten breitet sich erneut ein Flickenteppich an Regeln aus.

"Als Kultusministerinnen und Kultusminister sehen wir es als unsere Aufgabe, Kindern und Jugendlichen eine Stimme zu geben und uns dafür einzusetzen, ihnen – soweit es geht – ihre Lebenswelt zurückzugeben", beschlossen die Minister nach stundenlangen Beratungen. Die Länder wollen begleitet durch eine umfassende Test- und Impfstrategie so viel Präsenzunterricht wie möglich anbieten, "im modifizierten Regelbetrieb oder im Wechselmodell". Vor allem Abschlussklassen hätten Vorrang beim Präsenzunterricht.

NRW setzt wieder auf Distanzunterricht

In Nordrhein-Westfalen wird beispielsweise mit Ausnahme der Abschlussklassen ab Montag Distanzunterricht für alle anderen Schüler stattfinden, wie Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) bekanntgab. Für die Schüler der Abschlussklassen soll es in Nordrhein-Westfalen auch nach den Osterferien Präsenzunterricht in den Klassenräumen geben. Für die übrigen Jahrgänge gelte der Distanzunterricht vorerst nur eine Woche lang bis zum 16. April.

Gebauer sagte, Mediziner hätten im Rahmen der Kultusministerkonferenz bestätigt, dass das Infektionsgeschehen bei Kinder und Jugendlichen zunehme. "Die Schulen sind keine Treiber der Pandemie", sagte Gebauer zugleich. Laut Lageberichten des Robert Koch-Instituts der vergangenen Wochen spielen die Schulen eine wachsende Rolle bei der Viruszirkulation in Deutschland. Auch in den Kitas infizierten sich viele Minderjährige mit der britischen Corona-Variante.

Berlin führt Testpflicht ein

Wie es zuvor bereits für NRW angekündigt wurde, führt nun auch Berlin eine Testpflicht für Schüler ein. Ab dem 19. April sollen zwei Corona-Tests pro Woche verpflichtend sein, wie die Senatsverwaltung für Bildung mitteilte. Die Tests sollen dann unter Aufsicht in der Schule durchgeführt werden. Wechselunterricht in Lerngruppen mit halber Klassengröße soll die Regeln sein. Die Jahrgangsstufen 7 bis 9 bleiben erstmal ausgenommen und sollen ab dem 19. April folgen, wenn die Abiturienten keinen Unterricht mehr in der Schule haben, sondern nur noch zu den Prüfungen kommen müssen.

Auch in Baden-Württemberg kündigte die Landesregierung eine neue Teststrategie an. Lehrkräfte und Schüler und auch Hausmeister dürfen nach dem Willen des Kultusministeriums ab dem 19. April ohne negativen Corona-Test nicht mehr am Unterricht teilnehmen oder das Gelände betreten, wenn es mehr als 100 Corona-Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner an drei aufeinanderfolgenden Tagen gibt. Wer in der Woche ab 12. April in die Schulen zurückkehrt, kann sich noch freiwillig testen lassen. Allerdings gibt es Präsenzunterricht in der Woche nach den Osterferien zunächst nur für Schüler der Abschlussklassen – im Wechselbetrieb. Für Schüler der Klassen 1 bis 7 wird nur eine Notbetreuung angeboten.

Schule in Mecklenburg-Vorpommern bereits gestartet

In Mecklenburg-Vorpommern hat der Unterricht nach zehntägiger Osterpause bereits begonnen. Dabei kehrten in weiten Teilen des Landes die Schüler der Klassen eins bis sechs sowie der Abschlussklassen zum Präsenzunterricht in ihre Schulen zurück. Die Schüler der anderen Klassenstufen werden abwechselnd in der Schule und zu Hause unterrichtet. Eine Ausnahme bildet der Landkreis Ludwigslust-Parchim: Dort wurde wegen der zuletzt hohen Corona-Infektionszahlen der Präsenzunterricht bis zum Wochenende ausgesetzt.

Brandenburg schickt ältere Schüler oberhalb der Grundschule erst einmal wieder in den Fernunterricht. In Bayern schalten Schulen in der Regel ab einem Inzidenzwert von 100 in einer Stadt oder einem Landkreis wieder von Präsenz- auf Fernunterricht um. Hamburg tut das erst, wenn der Wert an drei aufeinanderfolgenden Tagen bei über 200 liegt. Sachsen verabschiedet sich nach der Osterpause ganz von der Kopplung an den Inzidenzwert und hält Schulen und Kitas unabhängig davon offen.

Spahn dringt auf konsequentes Testen

In Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz war bereits wieder Unterricht, auch im Saarland begann er am Donnerstag. Hamburg hatte keine Osterferien, und in Hessen und Schleswig-Holstein dauern die Ferien noch bis Ende kommender Woche. Das Gespräch der Kultusminister sollte auch der Vorbereitung des nächsten Corona-Krisengipfels der Ministerpräsidenten der Länder mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der kommenden Woche dienen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte im WDR5-"Morgenecho", es sei wichtig, "in den Schulen sehr konsequent mindestens zweimal die Woche zu testen". "Man hätte jetzt aus meiner Sicht die Ostertage gut nutzen können, jetzt in der Verlängerung Schulen und Kitas in Notbetreuung zu bringen."

Der Beamtenbund dbb forderte einheitlich klare Regeln. "Wenn die Schulen in der dritten Welle geöffnet sein sollen, müssen die Lehrkräfte auch geimpft und die Schülerinnen und Schüler getestet werden", sagte der dbb-Vorsitzende Ulrich Silberbach der Deutschen Presse-Agentur. "Wer nicht getestet werden kann oder will, muss vom Präsenzunterricht ausgeschlossen werden. Andernfalls setzen wir alle Beteiligen einem zu großen Risiko aus, und die Infektionszahlen drohen nach den Osterferien zu explodieren."

Die KMK hatte sich in diesem Jahr mehrfach für möglichst offene Schulen ausgesprochen. Zuletzt hatten die Schulminister am 18. März gefordert, Schulen müssten im Vergleich zu allen anderen Lebensbereichen am längsten geöffnet bleiben.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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