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Wieler: "Im Moment reicht die Impfquote noch nicht aus"

Von afp, dpa, rtr, lw

Aktualisiert am 12.05.2021Lesedauer: 3 Min.
Gesundheitsminister Jens Spahn (r) und RKI-Chef Lothar Wieler (l): Sie informieren über die aktuelle Corona-Lage.
Gesundheitsminister Jens Spahn (r) und RKI-Chef Lothar Wieler (l): Sie informieren über die aktuelle Corona-Lage. (Quelle: imago-images-bilder)
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Die Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie scheinen zu fruchten. Immer mehr Menschen werden geimpft, die Infektionszahlen fallen. Gesundheitsminister Spahn und RKI-Chef Wieler mahnen dennoch zur Vorsicht.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat trotz der Entspannung der Corona-Lage zu weiterer Vorsicht gemahnt. Mit sinkenden Infektionszahlen und auf den Intensivstationen gehe "alles in die richtige Richtung", sagte der CDU-Politiker am Mittwoch in Berlin. Es gelte nun aber, sehr aufzupassen, dass Zuversicht nicht zu Übermut werde und es kein Zuviel an Kontakten und Lockerungen gebe.

Es werde sich erst in den nächsten Wochen entscheiden, ob die Lage auch im Sommer insgesamt besser sei. Auf allen politischen Ebenen sei daher die Bereitschaft nötig, im Fall steigender Infektionen schnell auch wieder Beschränkungen einzuführen und nicht lange zu warten.

"Diese Pandemie ist ja nicht vorbei"

Wie Spahn sagte, beschloss das Kabinett erstmals bundeseinheitliche Regeln für Einreisen nach Deutschland, nachdem es bisher Verordnungen der Länder gab. Demnach sollen unter anderem für vollständig Geimpfte und Genesene Testpflichten und Quarantänevorgaben wegfallen – es sei denn man kommt aus einem Gebiet mit ansteckenderen Virus-Varianten.

Der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, äußerte sich zufrieden zur Entwicklung des Infektionsgeschehens. Die Inzidenz der Neuinfektionen sinke derzeit in allen Bundesländern und allen Altersgruppen. Allerdings gebe es weiter Anlass zur Vorsicht. "Bei aller Zuversicht dürfen wir bitte eines nicht vergessen: Diese Pandemie ist ja nicht vorbei", sagte Wieler. Es erkrankten nun vor allem die Jüngeren, darunter viele Schülerinnen und Schüler sowie junge Erwachsene. Und es gebe noch immer rund 1.000 Todesfälle pro Woche. "Die Situation ist weiter ernst."

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"Jeder wird dieses Virus erleben"

Spahn und Wieler warben eindringlich für eine Impfung. "Jeder wird dieses Virus erleben", sagte Spahn. Entweder komme die Immunität durch eine Impfung oder durch eine Erkrankung. Eine Impfung sei der bessere Weg, mahnen der Minister und auch Wieler. Zuvor hatte bereits der Berliner Virologe Christian Drosten geäußert, dass sich jeder infiziere, der sich nicht impfen lasse. Wieler betonte: "Im Moment reicht die Impfquote noch nicht aus", um eine Herdenimmunität von über 80 Prozent zu erreichen. Es werde noch einige Zeit dauern, bis ein ausreichender Anteil der Bevölkerung geimpft sei. Wieler forderte insbesondere Zurückhaltung bei den nächsten Öffnungsschritten. "Wenn wir zu früh öffnen, würde sich das Virus wieder verbreiten."

Mit Blick auf Corona-Impfungen bei Kindern und Jugendlichen sagte Gesundheitsminister Spahn, es gelte weiterhin, dass die Impfung, sobald sie in Deutschland zugelassen sei, auch für junge Menschen nicht verpflichtend sei. Es sei immer eine individuelle Entscheides des Zuimpfenden. Er bekomme viele Nachfragen von Eltern, die sich eine Impfung wünschten, etwa für Kinder, die Asthma hätten. Das Projekt sei miteinander zu stemmen, "wenn es gut vorbereitet ist". Die Länder sollten sich jetzt schon Gedanken machen. Er sei optimistisch, dass dies gelingen kann.

300 Millionen Euro für Forschung an Corona-Medikamenten

Die Bundesforschungsministerin Anja Karliczek kündigte derweil ein neues Förderprogramm zur Entwicklung von Covid-19-Medikamenten in Höhe von 300 Millionen Euro an. Damit werde die klinische Entwicklung bis zur Zulassung neuer Arzneimittel gefördert, sagte die CDU-Politikerin. Dies sei notwendig für eine spätere Zulassung. Die Entwicklung dieser Medikamente sei "äußerst kostenintensiv" und könne von den beteiligten Unternehmen oft nicht alleine getragen werden.

Mit der gemeinsamen Förderung von Forschungs- und Gesundheitsministerium sollten Herstellungskapazitäten am Standort Deutschland "aufgebaut und ausgeweitet" werden. Man könne nicht davon ausgehen, dass es nur eine "Wunderpille" geben werde, es bräuchte verschiedene Ansätze, so Karliczek.

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz nähert sich bei sinkenden Fallzahlen nun der Schwelle von 100. Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner lag laut RKI am Mittwoch bei 107,8 (Vortag: 115,4; Vorwoche: 132,8). Die Schwelle von 100 ist in der sogenannten Bundesnotbremse für besonders hohes Infektionsgeschehen genannt – wird sie in einer Region für mehrere Tage über- oder unterschritten, müssen schärfere Maßnahmen greifen oder können wieder ausgesetzt werden.

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