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Pro & Kontra: Sollte Deutschland eine Impfpflicht für bestimmte Berufe einführen?


"Es droht der Pflege-Supergau"

  • Peter Schink
  • Annika Leister
Von Peter Schink, Annika Leister

16.11.2021Lesedauer: 1 Min.
Interview
Was ist ein Pro & Kontra?

Die subjektive Sicht zweier Autoren auf ein Thema. Niemand muss diese Meinungen übernehmen, aber sie können zum Nachdenken anregen.

Impfung einer Angestellten im Gesundheitsbereich (Symbolbild): Kommt jetzt die Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen?Vergrößern des Bildes
Impfung einer Angestellten im Gesundheitsbereich (Symbolbild): Kommt jetzt die Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen? (Quelle: vmd-images/imago-images-bilder)

SPD, Grüne und FDP diskutieren über eine Impfpflicht für Beschäftigte in bestimmten Berufen. Unsere Autoren streiten: Ist das sinnvoll oder schädlich?

Die neue Ampelregierung hat eine Diskussion über die Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen ausgelöst. "Wir werden eine Impfpflicht brauchen für Einrichtungen, bei Pflegeheimen, bei Kindertagesstätten et cetera. Wir werden das auf den Weg bringen", sagte die grüne Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt am Montag in Berlin. Entschieden hat man allerdings noch nicht.

SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz betonte am Abend bei einer Veranstaltung der "Süddeutschen Zeitung": "Ich finde es richtig, dass wir jetzt eine Diskussion darüber begonnen haben, ob man das machen soll." Eine solche Entscheidung könne auch kurzfristig anstehen. Über die Impfpflicht soll in einem eigenen Verfahren unabhängig vom Infektionsschutzgesetz beraten werden.

In anderen Ländern ist die Impfpflicht für bestimmte Berufe längst Realität. In Deutschland wurde sie von Politikern lange kategorisch ausgeschlossen. Nun diskutieren unsere Autoren wie Menschen im ganzen Land:

Sollte Deutschland eine Impfpflicht für Beschäftigte in bestimmten Berufen einführen?

Pro
Peter SchinkPeter Schinkstellvertretender Chefredakteur

Ja, es geht um den Schutz der Alten und Kranken

Wir sollten es uns nicht zu einfach machen, über die Ungeimpften zu urteilen. Aus Sicht von uns, den Geimpften, liegen die Argumente natürlich auf der Hand: Wer in Pflegeberufen ungeimpft arbeiten will, gefährdet diejenigen, die er eigentlich umsorgen und schützen soll. Wie unverantwortlich, schimpfen wir. Wie können Menschen, denen andere zum Schutz anvertraut sind, diese so gefährden?

Ein kurzer Piks, verschwindend geringe Nebenwirkungen: So einfach ist die Corona-Impfung. Mir persönlich ist schleierhaft, warum wir so lange über die Impfpflicht in Pflegeberufen diskutieren. Masernimpfungen sind bereits seit 2020 verpflichtend. So sollte es auch bei Corona-Impfungen sein. Im Übrigen können schon jetzt nach §23a Infektionsschutzgesetz Arbeitgeber aufgrund des Impfstatus "über die Art und Weise einer Beschäftigung entscheiden". Also auch Pflegekräfte entlassen, die sich nicht impfen lassen.

Schon jetzt also muss die persönliche Freiheit der Pflegekräfte in manchen Fällen zurückstehen, weil die Sicherheit ihrer Schutzbefohlenen schwerer wiegt. So soll, ja so muss das in Pflegeberufen sein.

Doch warum haben Pflegekräfte so viel Angst vor dem Piks? Warum müssen Krankenhäuser fürchten, dass ihnen mit der Impfpflicht noch mehr Personal abhandenkommt? Warum nehmen die Impf-Unwilligen eine Abwehrhaltung ein, in der sie auf ihre "persönliche Freiheit" pochen?

Diejenigen Pflegekräfte, die so argumentieren, versuchen die Debatte auf den Kopf zu stellen. Es geht um den Schutz der Alten und Kranken. Und der sollte für Pflegende immer an erster Stelle stehen. Wer das anders sieht, hat schlicht seinen Beruf nicht verstanden.

Kontra
Annika LeisterAnnika LeisterPolitische Reporterin im Hauptstadtbüro

Nein, das würde zu einer Katastrophe führen

Dann eben mit Gewalt – möglicherweise will die neue Ampelregierung nach diesem Motto Ungeimpfte in Berufen mit häufigen und sensiblen Kontakten zur Spritze drängen. Im Pflegebereich riskiert sie damit, Deutschland von der Krise in die Katastrophe zu führen.

Schon jetzt befinden wir uns in einem extremen Notstand: Im Vergleich zu 2020 können Tausende Intensivbetten nicht mehr belegt werden. Der Grund: Personalmangel. Auch in den Pflegeheimen ist der Fachkräftemangel schon seit Jahren groß, der Stress gewachsen, die Bezahlung schlecht. Das Klatschen zu Beginn der Pandemie war ein Hohn, geändert hat sich wenig Substanzielles.

Unter diesen Bedingungen werden viele Beschäftigte die Frage "Impfen oder Job wechseln?" nicht im Sinne der Ampel beantworten. Viele werden sich wohl aus dem Beruf verabschieden.

In Großbritannien ist die Impfpflicht für Pflegeberufe gerade in Kraft getreten, mehr als 50.000 Beschäftigte in Heimen haben sich der Spritze dennoch verweigert und müssen von ihren Stellen abgezogen werden. In Deutschland rechnet die Deutsche Stiftung Patientenschutz auf Basis dieser Zahlen sogar mit 100.000 Beschäftigten, die ausfallen könnten. 200.000 Menschen stünden demnach ohne Betreuung da. Und wer soll nachrücken?.

Es droht der Pflege-Supergau. Statt Leben zu retten, könnte eine Impfpflicht durch eine weitere Verschlechterung der Betreuung Leben kosten.

Die Ampel muss die Augen öffnen: Deutschland kann sich Ausfälle im Pflegeberuf schlicht nicht leisten. Schluss also mit der moralischen Empörung, her mit alternativen Ideen: Warum Pfleger nicht zu intensiven Aufklärungs-Workshops verpflichten, die mit allen Vorurteilen aufräumen?

Wer hat recht?

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