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Nach Hanau-Anschlag: Angeh├Ârige kritisieren Beh├Ârden

Von dpa
Aktualisiert am 21.01.2022Lesedauer: 2 Min.
Angeh├Ârige der Opfer kritisieren, dass sie nach der Tat keinen Ansprechpartner gehabt haben.
Angeh├Ârige der Opfer kritisieren, dass sie nach der Tat keinen Ansprechpartner gehabt haben. (Quelle: Christophe Gateau/dpa./dpa)
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Wiesbaden (dpa) - Im Untersuchungsausschuss zum Terroranschlag von Hanau haben weitere Angeh├Ârige der Opfer die Arbeit der Beh├Ârden teils heftig kritisiert.

Die Polizei sei an dem Tatabend v├Âllig ├╝berfordert gewesen, mit ihrem "genervten, ├Ąngstlichen und zum Teil sogar aggressiven Verhalten" h├Ątten die Beamten die Situation f├╝r die Angeh├Ârigen noch schlimmer gemacht, sagte Cetin G├╝ltekin, dessen Bruder erschossen worden war, am Freitag im hessischen Landtag. "Es muss doch einen Plan geben, wie man mit den Menschen vor Ort in einer solchen Situation umgeht." Es habe keinen Ansprechpartner, keine Informationen, geschweige denn tr├Âstliche Worte gegeben.

Das zust├Ąndige Polizeipr├Ąsidium hatte im vergangenen Jahr angegeben, es sei am Tatabend ein Informationszentrum f├╝r die Angeh├Ârigen eingerichtet worden. Auch f├╝nf Seelsorger seien vor Ort gewesen. Sobald gesicherte Informationen ├╝ber die Opfer vorgelegen h├Ątten, sei den Angeh├Ârigen die Todesnachricht ├╝berbracht worden. An der Identifizierung sei mit Hochdruck gearbeitet worden.

Bei dem Anschlag in Hanau hatte der 43-j├Ąhrige Deutsche Tobias R. am 19. Februar 2020 neun Menschen aus rassistischen Motiven ermordet. Danach t├Âtete er nach Erkenntnissen der Ermittler seine Mutter und nahm sich selbst das Leben.

Fehlende Empathie und lachende Polizisten

G├╝ltekin monierte fehlende Empathie von Polizisten und Seelsorgern. So h├Ątten diese in dem Informationszentrum vor den Augen der Angeh├Ârigen gelacht. Erst nach vier Tagen h├Ątten die Angeh├Ârigen den Aufenthaltsort der Leiche erfahren. Diese lange Dauer sei "unverzeihlich". Schwer zu schaffen mache ihm auch, dass sie die Leiche seines Bruders erst nach der Obduktion gesehen h├Ątten. Auf den Anblick habe sie keiner vorbereitet. "Es dauerte zwei Tage bis zur Obduktion, in dieser Zeit h├Ątten wir uns doch von ihm verabschieden k├Ânnen. Warum hat uns das niemand angeboten?"

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Serpil Unvar berichtete als weitere Angeh├Ârige, es belaste sie sehr, dass sie von ihrem Sohn Ferhat nicht habe Abschied nehmen k├Ânnen. Erst Monate nach der Tat habe sie von der Obduktion erfahren - das habe sie geschockt. Schlimm sei f├╝r sie, dass die Polizisten am Tatort nicht nach ihrem Sohn geschaut h├Ątten. Einer sei mehrfach ├╝ber seinen K├Ârper gestiegen, ohne sich ├╝ber den Zustand zu vergewissern.

Die Hanauer Staatsanwaltschaft hat bereits die Einleitung eines Strafverfahrens gegen den Polizisten wegen unterlassener Hilfeleistung abgelehnt. Das Mordopfer sei innerhalb einer Minute nach der Schussabgabe gestorben, eine Reanimation h├Ątte keinen Erfolg gehabt, so die Beh├Ârde.

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