Sie sind hier: Home > Politik >

Wie geht es weiter mit Bitcoin? - Ein Szenario

...

MEINUNGAlles Spekulation  

Zukunftsszenario: Wie geht es weiter mit dem Bitcoin?

20.12.2017, 15:41 Uhr | Michael Seemann, str, t-online.de

Wie geht es weiter mit Bitcoin? - Ein Szenario. Bitcoin-Münzen: Platzt die Blase? (Quelle: imago)

Bitcoin-Münzen: Platzt die Blase? (Quelle: imago)

Der Bitcoin-Kurs fällt und steigt in rasantem Tempo. "Alles reine Spekulation!", rufen die Kritiker. Na, wenn das so ist: t-online.de wirft zum Jahresende einen Blick in die Zukunft der Kryptowährung. 

Kurssprünge und -stürze von mehreren tausend Euro an einem Tag, Quasi-Millionäre, die verzweifelt auf der Müllkippe nach ihrer verschwundenen Festplatte graben und Börsenpapiere, die eine unkontrollierte Währung adeln: Der Hype um die Kryptowährung Bitcoin fasziniert und verunsichert Viele. Und viele Skeptiker fragen sich: Folgt auf die Goldgräber-Stimmung bei den Kryptowährungen nun der große Crash? 

Dass es sich um eine Spekulationsblase handelt, bezweifelt eigentlich niemand. Mit konkreten Vorhersagen halten sich die Experten dennoch zurück.

Auch der Blogger Michael Seemann weiß nicht, wann die Blase platzt. Trotzdem hat der Netztheoretiker und Autor des Buchs "Das neue Spiel" für t-online.de ein Zukunftsszenario entworfen, das hilft, die Kryptowährung und die Folgen des Bitcoin-Minings besser zu verstehen.

Folgen Sie einfach dem Zeitstrahl, indem sie nach unten scrollen und erfahren Sie, was bisher geschah und wohin der digitale Turbo-Kapitalismus führen könnte. Aber das ist natürlich reine Spekulation. 

2009

Ein geheimnisvoller Programmierer namens Satoshi Nakamoto veröffentlicht eine Software, die virtuelles Geld möglich machen soll. Der Trick dahinter: Eine Datenbank, die alle Transaktionen von allen Nutzern speichert und die jeder Nutzer des Systems auf seinem Computer gespeichert hat: die sogenannte Blockchain.

Was ist die Blockchain?
Immer wenn eine Überweisung passiert, muss sie von genug anderen Nutzern des Systems bestätigt werden. Eine erfolgte Überweisung wird dann auf allen Computern aller Nutzer in der Blockchain abgespeichert. So ist das System dezentral, kommt also ohne eine Bank aus und es ist nur sehr schwer manipulierbar. Schließlich müsste man dafür rund die Hälfte der Bitcoinnutzer zum Mitmachen bewegen.

2010

Die erste wirkliche Bitcoin-Transaktion erfolgt: der Kauf einer Pizza für 10.000 Bitcoins.

2011

Der Bitcoin-Preis steigt über einen Dollar und von dort immer weiter.

Darum steigt der Wert:
Bitcoins werden „geschürft“ (Englisch: Mining) - das bedeutet, dass Computer zur Verifikation von Überweisungen komplizierte Rechenaufgaben lösen müssen und dafür mit neuen Bitcoins belohnt werden. Die Rechenaufgaben werden immer komplizierter, je mehr Computer mitmachen. Zusätzlich gibt es nur ein begrenztes Kontingent an Bitcoins, das überhaupt „geschürft“ werden kann. Diese künstliche Knappheit lässt den Preis für einen BTC (Bitcoin) immer weiter steigen.

2013

Der BTC erreicht 250 US-Dollar. Dann fällt er auf unter 70 Dollar. Dann steigt der Kurs wieder auf bis zu 1.000 Dollar – und bricht erneut zusammen.

Von der Währung zum Spekulationsobjekt
Der Wert des Bitcoin ist extrem volatil, das heißt, er springt schnell und häufig auf und ab. Das macht ihn ungeeignet als Währung, denn als solche erforderte er eine gewisse Stabilität. Man will nicht morgens Brötchen kaufen, essen und am Ende des Tages feststellen, dass die gleichen Brötchen jetzt den Wert eines Monatsgehalts gehabt hätten. Bitcoins werden immer mehr zum Spekulationsobjekt.

2016

Der BTC steht bei über 600 US-Dollar. Mehr als 58 Prozent der Bitcoins werden mittlerweile in China „geschürft“, weil dort Energiekosten so niedrig sind.

So kommt der Stromverbrauch zustande
Da die mathematischen Probleme zum Minen immer schwieriger werden, braucht es immer mehr Rechenleistung, um sie zu lösen und damit auch immer mehr Energie. Mittlerweile werden ganze Rechenzentren gebaut, um Bitcoins herzustellen. Das Mining konzentriert sich an Orten, an denen die Energiekosten am geringsten sind.

2017

Der BTC überschreitet den Wert von 17.000 US-Dollar. Gleichzeitig mehren sich kritische Stimmen. Die nötige Energie für die Durchführung einer einzigen Bitcoin-Transaktion erreicht den Wochen-Energiebedarf eines Einfamilienhauses. Insgesamt verbraucht das Bitcoinsystem mehr Energie als ganz Marokko. Im gleichen Jahr beginnt der Handel an den etablierten Börsen mit offiziellen Bitcoin-Wertpapieren.

Da sind wir also nun. Von hier an ist alles reine Spekulation.

2020

Der BTC bei 36.000 US-Dollar. China und mehrere europäische Länder kündigen an, die Klimaziele von Paris nicht einhalten zu können. Eine Studie findet heraus, dass Bitcoin einer der Hauptgründe dafür ist. Das Bitcoinsystem verbraucht ein Drittel des weltweiten Energiebedarfs. Radikale Umweltschützer verüben Anschläge auf Bitcoin-Rechenzentren.

2022

Der BTC steht bei 130.000 US-Dollar, während die Energiekosten des Systems den weltweiten Stromverbrauch des Jahres 2017 erreichen. Bitcoin-Miner bauen aber mittlerweile eigene Atom-, Öl und Kohlekraftwerke auf Offshore-Plattformen in der südchinesischen See und im Atlantik.

2024

Der BTC erreicht 300.000 US-Dollar und wirkt wie ein Kapitalstaubsauger. Jeder investiert nur noch in Bitcoins, die alle anderen Anlageformen wie Sparbücher wirken lassen. Nur Energieunternehmen und die Hersteller spezialisierter Bitcoin-Hardware versprechen noch ähnlich lukrative Renditen. Der Klimawandel verschärft sich derweil und der Temperaturanstieg sprengt alle bisherigen „Worst Case“-Szenarien der Wissenschaftler.

2025

Der Bitcoin überschreitet die 500.000 Dollar-Marke. Die Finanzwelt ist außer Rand und Band. Familien verkaufen ihr Hab und Gut und nehmen Kredite auf, um beim Bitcoin-Hype dabei zu sein. Der Meeresspiegel ist bereits über einen Meter gestiegen. Teile von Manhattan stehen unter Wasser. Die Wall Street muss umziehen. Dort handeln sowieso kaum noch Menschen: Schlaue Algorithmen regulieren jetzt fast vollständig das Geschäft mit Wertpapieren aller Art.

Algorithmen übernehmen den Finanzmarkt
Schon heute, wird ein Großteil der Werte an der Börse automatisiert gehandelt. Das sogenannte High Frequency Trading machte 2016 bereits knapp 50 Prozent des US-Eigenkapitalhandels aus.

3.5.2027 - 12:34 Uhr EST

Kurz vor Durchbrechen der 700.000 Dollar-Marke passiert etwas Ungewöhnliches. Eine der Künstlichen Intelligenzen an der New Yorker Börse fängt auf einmal an, im großen Stil Bitcoins zu verkaufen, mehrere andere KIs folgen mit etwas Abstand. Innerhalb von zwei Stunden fällt der Bitcoin-Kurs um 23 Prozent. Die Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer. Nach sechs Stunden hat der Kurs bereits um über 40 Prozent nachgegeben. Die Welt schaut gebannt zu, wie Bitcoins weiter abstürzen: minus 65, minus 70, minus 80 Prozent. Einige Bitcoin-Börsen ziehen in Panik den Stecker.

3.5.2027 - 14:56 EST

KI-Forscher und Finanzexperten vernehmen die Künstlichen Intelligenzen, um herauszufinden, was sie zu ihren Massenverkäufen bewegte.

Wie Künstliche Intelligenzen „ticken“
Künstliche Intelligenzen kann man nicht mehr wie normale Programme nach Fehlern durchsuchen, denn ihre Entscheidungsroutinen sind nicht einprogrammiert, sondern erlernt. Vielmehr müssen sie wie in einer Psychoanalyse befragt werden.

5.5.2027 - 07:34 Uhr EST

Der BTC steht bei 34,32 US-Dollar – Tendenz fallend. Die Künstliche Intelligenz spricht endlich: In einer Analyse des Quellcodes der Bitcoin-Software fand sie demnach eine Sicherheitslücke in der Verschlüsselung, mit der sich beliebig viele gültige Bitcoins am System vorbei hätten erzeugen lassen. Die Lücke war derart komplex, dass ein Mensch sie nie gefunden hätte. Eine kurze Berechnung ergab aber, dass das Ausnutzen der Lücke mehr Kosten verursacht hätte, als der schnelle Ausverkauf aller Bitcoin-Werte. Irritiert vom Handeln der KI begannen die anderen KIs nach Gründen zu suchen, bis sie endlich selbst auf die Sicherheitslücke stießen. Eine Kettenreaktion setzte ein.

Das Worst Case-Szenario für Bitcoin
Nichts fürchten Bitcoin-Anhänger mehr, als dass eines Tages das kryptographische Verfahren hinter der Blockchain geknackt werden könnte. Das Vertrauen in die angeblich fälschungssichere Währung wäre dahin. Bisher gilt die Blockchain als sicher, doch die Wahrscheinlichkeit, dass eine Sicherheitslücke entdeckt wird, steigt mit der Zeit. Denn auch die Technologien zur Entschlüsselung von Kryptoverfahren entwickeln sich weiter.

2028

Die weltweite Wirtschaftskrise stürzt die Welt ins Chaos. Kriege und Hungersnöte brechen aus, viele Menschen sterben.

2035

Die Lage beruhigt sich, nachdem die meisten Regierungen in einem gemeinsamen Akt Kryptowährungen verbieten. Alle Kraftwerke, die auf fossilen Energien basieren, werden geschlossen. Dennoch bleiben genug freie Kapazitäten, um alle Menschen mit kostenloser Energie zu versorgen. Das nächste Kapitel der Menschheitsgeschichte beginnt - ohne die Notwendigkeit von Geld.

Über den Autor

Michael Seemann ist Netztheoretiker, Blogger und Autor des Buches "Das neue Spiel". Auf Twitter postet er unter @mspro. Er lebt in Berlin. 

Grafik/Umsetzung:

Benjamin Springstrow/Cem Özer/Thinkstock

Liebe Leserinnen und Leser,

in Kürze werden wir unsere Community grundlegend neu gestalten. Wir wollen den Kontakt zu Ihnen vertiefen. Die Redaktion wird im Kommentarbereich aktiver sein, sodass Sie auch mit Redakteuren diskutieren können. Ab dem 29. Mai werden die bisherigen Community-Funktionen nicht mehr zur Verfügung stehen. Nach einer Pause von wenigen Tagen freuen wir uns darauf, Sie in unserer neuen Community begrüßen zu dürfen. Einen Überblick über die neuen Funktionen erhalten Sie hier. Leider wird es nicht möglich sein, alte Accounts und Kommentare zu übernehmen. Alle bisherigen Daten werden gelöscht.

Das Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
EntertainTV nur 5,- € mtl. für MagentaZuhause Kunden
jetzt EntertainTV dazubuchen bei der Telekom
Klingelbonprix.detchibo.deCECILStreet OneLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Erotik
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • Erotic Lounge
  • giga.de
  • desired.de
  • kino.de
  • Statista
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Entertain
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • Magenta SmartHome
  • Telekom Sport
  • Freemail
  • Telekom Mail
  • Sicherheitspaket
  • Vertragsverlängerung Festnetz
  • Vertragsverlängerung Mobilfunk
  • Hilfe
© Ströer Digital Publishing GmbH 2018