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Anklage stellt Putins Russland unter Mordverdacht

  • Jonas Mueller-Töwe
Von Jonas Mueller-Töwe

Aktualisiert am 18.06.2020Lesedauer: 3 Min.
Der VerdĂ€chtige, "Vadim Sokolov": Er reiste unter falscher IdentitĂ€t und soll den Auftragsmord in Berlin fĂŒr die russische Regierung ausgefĂŒhrt haben.
Der VerdĂ€chtige, "Vadim Sokolov": Er reiste unter falscher IdentitĂ€t und soll den Auftragsmord in Berlin fĂŒr die russische Regierung ausgefĂŒhrt haben. (Quelle: Reuters/Polizei Berlin)
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Nach dem Mord an einem Georgier im Berliner Tiergarten hat die Bundesanwaltschaft Anklage erhoben. Ein Killer soll im Auftrag des russischen Staats das Attentat ausgefĂŒhrt haben.

Die oberste deutsche Anklagebehörde geht bei dem tödlichen Attentat auf einen Georgier im Berliner Tiergarten von einem Auftragsmord der russischen Regierung aus. Das sagte eine Sprecherin des Generalbundesanwalts t-online.de. Es sei Anklage erhoben worden. Demnach hĂ€tten staatliche Stellen der Zentralregierung der Russischen Föderation den Auftrag zum Mord erteilt, der am 23. August 2019 ausgefĂŒhrt wurde.

Anklage geht von politischem Motiv aus

Hintergrund der Tat sei die Gegnerschaft des Opfers Tornike K. zum russischen Zentralstaat, zu den Autonomen Teilrepubliken Tschetschenien und Inguschetien sowie zu der pro-russischen Regierung Georgiens. Der 40-JĂ€hrige habe unter anderem im zweiten Tschetschenienkrieg in den Jahren 2000 bis 2004 als AnfĂŒhrer einer tschetschenischen Miliz gegen Russland gekĂ€mpft. Russische Behörden stuften ihn als Terroristen ein.

Der Angeschuldigte habe den staatlichen Tötungsauftrag angenommen – entweder weil er sich eine finanzielle Entlohnung erhofft oder er das Motiv seiner Auftraggeber geteilt habe. t-online.de berichtete frĂŒhzeitig ĂŒber die Ermittlungen und den Verdacht gegen den russischen Staat. Die Bundesanwaltschaft hatte zahlreiche Details bereits publik gemacht. Nun geht die Behörde mit einer Schilderung des Ablaufs wieder an die Öffentlichkeit.

Demnach sei der Beschuldigte Vadim K. – der unter dem Alias "Vadim Sokolov" auftrat – zur DurchfĂŒhrung des Auftrags am 17. August zunĂ€chst von Moskau nach Paris geflogen, von dort aus am 20. August weiter nach Warschau, wo er ein Hotel bezogen habe. Am Morgen des 22. August sei er dann nach Berlin gereist, wo er frĂŒhestens am Mittag eintraf. Einen Tag spĂ€ter habe er den Auftragsmord ausgefĂŒhrt.

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"Zwei weitere SchĂŒsse auf den Kopf"

"In der Berliner Parkanlage 'Kleiner Tiergarten' nĂ€herte er sich Tornike K. auf einem Fahrrad von hinten", heißt es in der Pressemitteilung wörtlich. "Als er das arg- und wehrlose Opfer erreicht hatte, feuerte er mit einer mitgefĂŒhrten Pistole des Typs Glock 26', die mit einem SchalldĂ€mpfer versehen war, seitlich auf den Oberköper des Tornike K." Er sei dabei mit dem Fahrrad zu Fall gekommen, aber unmittelbar darauf an den Getroffenen herangetreten "und feuerte zwei weitere SchĂŒsse auf dessen Kopf ab".

Tornike K. starb noch am Tatort. Kurz danach wurde der mutmaßliche Auftragsmörder in der NĂ€he festgenommen. Zeugen hatten beobachtet, wie er eine PerĂŒcke sowie ein Fahrrad und eine Waffe in der Spree versenkte. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. SpĂ€ter stellte sich heraus, dass dem Mann 2014 eine ganz Ă€hnliche Tat in Russland vorgeworfen wurde. 2015 wurde die Fahndungsmitteilung dazu allerdings aus ungeklĂ€rten GrĂŒnden gelöscht.

Bereits im Zuge der Ermittlungen hatte die Bundesanwaltschaft auf die mutmaßliche Verstrickung staatlicher russischer Stellen in dem Fall hingewiesen. Deutschland hatte daraufhin zwei russische Diplomaten ausgewiesen. Angesichts der aktuellen Entwicklung sprach Bundesaußenminister Heiko Maas von einem "außerordentlich schwerwiegenden Vorgang". Die Bundesregierung behalte sich weitere Maßnahmen ausdrĂŒcklich vor.

Der russische Botschafter in Deutschland wies die VorwĂŒrfe der Bundesanwaltschaft am Abend zurĂŒck. "Die gegen russische staatliche Stellen erhobenen VorwĂŒrfe halten wir fĂŒr nicht gerechtfertigt und haltlos", erklĂ€rte Botschafter Sergej Jurjewitsch Netschajew. Die Behauptung des Generalbundesanwalts werde nach wie vor "durch keine Fakten und Nachweise bekrĂ€ftigt".

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Die "Unterstellungen" trĂŒgen "nicht zur positiven Entwicklung der ohnedies nicht einfachen deutsch-russischen Beziehungen bei", erklĂ€rte Netschajew weiter. Mögliche Maßnahmen gegen Russland wĂŒrden "nicht unerwidert bleiben".

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