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Antijüdisches "Judensau"-Relief: Mann reicht Verfassungsbeschwerde ein

Von dpa
Aktualisiert am 27.07.2022Lesedauer: 2 Min.
Eine als "Judensau" bezeichnete Schmähplastik an der Stadtkirche Wittenberg: Ein Kläger hat nun Verfassungsbeschwerde eingereicht.
Eine als "Judensau" bezeichnete Schmähplastik an der Stadtkirche Wittenberg: Ein Kläger hat nun Verfassungsbeschwerde eingereicht. (Quelle: Hendrik Schmidt/dpa)
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Der Streit um ein Relief an der Stadtkirche Wittenberg geht weiter. Nun wird das Verfassungsgericht eingeschaltet.

Im Streit um das "Judensau"-Relief an der Stadtkirche Wittenberg in Sachsen-Anhalt hat ein Mann nach seiner Niederlage am Bundesgerichtshof (BGH) wie angekündigt Verfassungsbeschwerde eingelegt. Den Eingang des Schreibens bestätigte ein Sprecher des Bundesverfassungsgerichts am Mittwoch in Karlsruhe.

Dietrich Düllmann, der 1978 zum Judentum konvertiert ist und sich seither Michael nennt, will gerichtlich erreichen, dass das antijüdische Sandsteinrelief aus dem 13. Jahrhundert entfernt wird.

Anwälte fordern Aufhebung von Urteil

Seine Anwälte fordern, dass das BGH-Urteil aufgehoben und der Fall an den Gerichtshof zurückverwiesen werde. Das Relief sei "in Ansehung der damit verbundenen schweren Persönlichkeitsrechtsverletzung nicht nur des Beschwerdeführers, sondern jedes Juden in Deutschland zu entfernen", heißt es in der Verfassungsbeschwerde, die dem "Spiegel" und der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Das Relief zeigt eine Sau, an deren Zitzen zwei Menschen saugen, die durch Spitzhüte als Juden identifiziert werden sollen. Eine laut BGH als Rabbiner geltende Figur hebt den Schwanz des Tieres und blickt in den After. Schweine gelten im jüdischen Glauben als unrein.

Expertenbeirat empfiehlt Entfernung

Der BGH hatte im Juni entschieden, dass eine Bodenplatte und ein Aufsteller mit erläuterndem Text vor der Kirche ausreichten, um aus dem "Schandmal" ein "Mahnmal" zu machen. Es könne bleiben. Düllmann kündigte an, vor das Verfassungsgericht zu ziehen.

Am Dienstag war die Empfehlung eines Expertenbeirats veröffentlicht worden, das Relief zeitnah von der Wittenberger Stadtkirche zu entfernen. Sie gilt als Mutterkirche der Reformation, weil dort einst Martin Luther (1483-1546) predigte. Der Gemeindekirchenrat will nach bisheriger Planung Ende August über die Empfehlungen beraten.

Ein Vertreter Düllmanns erklärte am Mittwoch, sie verfolgten, "was sich angeblich oder tatsächlich in Wittenberg tut". Es bleibe bei der Verfassungsbeschwerde. "Sollte sich der Beirat in Wittenberg für eine Abnahme des Reliefs entscheiden – so ist das zu begrüßen."

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Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur dpa
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