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Deutscher Wetterdienst mit Sommer-Bilanz 2023: Zu warm, sehr nass, sonnig


Sommer-Bilanz 2023
Wetterdienst: "Wir erleben den Klimawandel live"

Von t-online, cry

Aktualisiert am 30.08.2023Lesedauer: 3 Min.
Zu heiß, zu nass und sehr sonnig: Das sagt der Deutsche Wetterdienst über den Sommer 2023.Vergrößern des BildesZu heiß, zu nass und sehr sonnig: Das sagt der Deutsche Wetterdienst über den Sommer 2023. (Quelle: Revolu7ion93/ Getty)
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Ein durchwachsener Sommer neigt sich dem Ende zu. Die vorläufige Bilanz des Deutschen Wetterdienstes zeigt aber auch: Ein Trend der vergangenen Jahre setzt sich fort.

Der Sommer ist das 27. Jahr in Folge zu warm gewesen. Das ergibt die vorläufige Bilanz des Deutschen Wetterdienstes (DWD), die am Mittwoch veröffentlicht wurde. Die Temperaturen in Deutschland lagen mit 18,6 Grad Celsius im Mittel demnach deutlich über dem vieljährigen Durchschnitt von 16,3 Grad für die international gültige Referenzperiode 1961 bis 1990. "Wieder können wir den Klimawandel live erleben", kommentierte DWD-Sprecher Uwe Kirsche die jüngste Bilanz.

Nach einem besonders sonnigen Juni zeigte sich vor allem der Juli mit extremen Hitzespitzen, gefolgt von einem eher frühherbstlichen Start in den August. Dazu verzeichneten die bundesweit rund 2.000 Messstationen des DWD zunehmende Niederschläge, aber auch etwas mehr Sonnenschein als in vergangenen Jahren.

Zu warme Luft und zu warme Meere am Hebel

Sowohl die häufigeren Hitzeextreme als auch zunehmend unberechenbare Wetterumschwünge führen Experten auf die menschengemachte Klimakrise durch den hohen Treibhausgasausstoß zurück: "Die Klimaerwärmung äußert sich natürlich vor allem durch längere und stärkere Hitzeperioden", so DWD-Meteorologe Andreas Friedrich jüngst in der "taz".

Kippe das Wetter dann, wenn plötzlich kalte Luft auf eine Hitzewelle stößt, falle auch die Unwetterreaktion heftiger aus. "In einer wärmeren Atmosphäre kann Luft mehr Wasserdampf speichern", erklärt Friedrich. Je mehr Wasserdampf, desto mehr Wolken und Unwetterpotenzial. Dass die Meere aktuell besonders warm sind, verstärke diesen Effekt.

Tropenhitze und Dauerregen

Insgesamt attestiert der DWD dem Sommer tatsächlich sehr starke Schwankungen: Es gab tropische Hitze, aber auch frühherbstlich frische Temperaturen. So wurde am 3. Juni in Sohland an der Spree mit minus 0,7 Grad der bundesweite Sommer-Tiefstwert ermittelt. Am 15. Juli hingegen kamen die Menschen bei 38,8 Grad in Möhrendorf-Kleinseebach in Bayern ganz besonders ins Schwitzen.

Mit rund 270 Litern pro Quadratmeter fiel in diesem Sommer ein gutes Zehntel mehr Niederschlag als im Mittel der Referenzperiode 1961 bis 1990. Direkt an den Alpen wurden im Laufe der drei Monate bis zu 600 Liter Niederschlag pro Quadratmeter gemessen.

Dramatische Unwetter im Süden

Im Süden kam es dabei vor allem auch in den vergangenen Tagen und Wochen mehrfach zu plötzlichen, sehr heftigen Hagelfällen. Eisklumpen, die teils so groß waren wie Tennisbälle, zerstörten Anfang dieser Woche in zahlreichen Dörfern Fenster, Dächer, Solaranlagen und Felder. Der "Münchner Merkur" berichtete von Rehen mit Genick- und Knochenbrüchen und einem Pferd, das notgeschlachtet werden musste. Einige Bauern sollen ihre kompletten Hühnerbestände verloren haben.

Meteorologe Jörg Kachelmann teilte dazu ein Video aus Bayern, auf dem eine Gruppe erschlagener und sterbender Störche zu sehen ist. "Auch Tiere gehören zu den Leidtragenden einer Atmosphäre mit höheren Temperaturen und mehr Wasserdampf in der Luft und entsprechend häufiger größerem Hagel", so Kachelmann.

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Ein internationales Forscherteam um den Physiker und Meteorologen Pieter Groenemeijer fand jüngst heraus, dass sich die Bedingungen, unter denen es zu schweren Hagelgewittern kommen kann, in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend häufig ergeben haben. Mit der fortlaufenden Erderhitzung dürfte das Risiko weiter zunehmen, so die Prognose der Wissenschaftler. Sie gehen davon aus, dass die Luft durch jedes zusätzliche Grad jeweils sieben Prozent mehr Wasser aufnehmen kann.

Die vergangenen Monate dürften also ein Vorgeschmack darauf gewesen sein, wie wechselhaft die kommenden Sommer aussehen dürften. Schon seit einigen Jahren warnt das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung: "Ganz 'normale' Bilderbuchsommer, trocken und mit Temperaturen um die 25 bis 30 Grad über mehrere Wochen, werden immer seltener".

Das neue Normal ist nach Einschätzung der Klimaforscher das, was die Bundesrepublik in diesem Sommer erlebt hat: Immer längere Trockenperioden und Hitzephasen, gefolgt von Stark- und Dauerregen.

Verwendete Quellen
  • dwd.de: Deutschlandwetter im Sommer 2023
  • merkur.de: "Sehr tragisch und schlimm": Rehe von Hagel-Unwetter getötet ‒ Pferd 'notgeschlachtet'"
  • preprints.org: "Modelled Multidecadal Trends of Lightning and (Very) Large Hail in Europe and North America (1950–2021)"
  • zeit.de: "Geschosse aus Eis"
  • Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
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