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Nilpferde in Kolumbien: Escobars Vermächtnis – Kampf gegen die invasive Art


"Kokain-Hippos"
Kolumbien kämpft gegen invasive Nilpferde – und droht zu scheitern

Von t-online, mtt

31.01.2024Lesedauer: 3 Min.
Nilpferde (Symbolbild): Die Flusspferde breiten sich als invasive Art sprunghaft in Kolumbien aus.Vergrößern des BildesNilpferde (Symbolbild): Die Flusspferde breiten sich als invasive Art sprunghaft in Kolumbien aus. (Quelle: APATOW PROD./COLUMBIA PICT./GH T/imago-images-bilder)
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Erst waren es nur vier Nilpferde, gehalten im Privatzoo von Verbrecherlegende Pablo Escobar. Dann entkamen sie – und jetzt sind die "Kokain-Hippos" ein nationales Problem.

Wie geht es weiter mit den Problem-Nilpferden von Kolumbien? Die Tiere, die eigentlich nach Afrika gehören, vermehren sich seit Jahren unkontrolliert rund 60 Kilometer von der Millionenstadt Medellín am Magdalena-Fluss. Behörden zufolge bedrohen sie die örtliche Tierwelt und die an dem Strom lebenden Menschen. Das Problem: Die invasive Art walzt einfach alles nieder.

Die Nilpferde wirkten "wie einfältige Fressmaschinen, 2500-mal so schwer wie ihr eigenes Gehirn", formuliert es die Zeitschrift "Spektrum der Wissenschaft". Ihr Kot überdünge kleinere Gewässer, Fischsterben seien bereits die Folge gewesen. Die tonnenschweren Tiere ohne natürliche Feinde in Kolumbien würden den Lebensraum vieler anderer Arten zertrampeln. Akut bedroht seien zum Beispiel Seekühe.

Biologe: Nur Dinosaurier könnten gegen Nilpferde bestehen

"Um mit einem Nilpferd zu konkurrieren, müsste das Tier schon ein Dinosaurier sein", zitierte die Zeitschrift den Biologen David Echeverri. "Die Flusspferde passen sich an alles an, fressen alles, nehmen das Territorium ein."

Die Nilpferde sind ein Erbe von Drogenbaron Pablo Escobar. Er hatte in den 1980er Jahren vier Nilpferde aus Afrika nach Kolumbien einfliegen lassen, damit sie sich zusammen mit Elefanten, Giraffen, Kängurus und anderen exotischen Tieren in seinem Privatzoo auf dem etwa 190 Kilometer von Medellín entfernten Luxusanwesen Hacienda Napolés tummeln. Als Escobar 1993 von Sicherheitskräften erschossen wurde, blieben die Nilpferde sich selbst überlassen.

Kolumbiens Plan: Sterilisation, Umsiedlung, Euthanasie

Ursprünglich waren es drei Weibchen und ein Männchen. Sie pflanzten sich kräftig fort. Mehr als 160 Exemplare sollen derzeit rund um den Rio Magdalena leben. Das Klima behagt ihnen, Nahrung und Gewässer sind reichlich vorhanden. Bis 2035 könne die Population auf 1.000 Tiere anwachsen, mahnte die kolumbianische Umweltministerin Susana Muhamad.

Im November 2023 stellte sie einen Plan vor. Mit drei Maßnahmen hoffe man, dem Nilpferd-Problem Herr zu werden: Sterilisation, Umsiedlung, Euthanasie.

Die Fallen der Biologen bleiben leer

Wie sich jetzt zeigt, ist dies aber wohl leichter gesagt als getan. Ursprünglich sah der Plan der Umweltministerin vor, bis Ende 2023 die ersten 20 Dickhäuter unfruchtbar zu machen, dann jedes Jahr weitere 40. Doch die Nilpferde verweigern sich offenbar. Wie "Spektrum der Wissenschaft" berichtete, hatten die Biologen zwar anfangs bei ein paar Tieren Erfolg, aber mittlerweile würden die Fallen leer bleiben: Möglicherweise hätten die Nilpferde Angst bekommen, sie würden sich nicht mehr mit Nahrung locken lassen. Man versuche, den Prozess wieder aufzunehmen. Dies sei aber "sehr ambitioniert, komplex, gefährlich und teuer".

Rund 9.000 Euro soll eine Sterilisation kosten. Noch teurer könnte die Umsiedlung werden. Von zig Millionen Euro ist die Rede, um die Nilpferde in Zoos zu bringen. Mit Mexiko, Indien und den Philippinen laufen laut Umweltministerium diesbezüglich Gespräche.

Die Tiere zu erschießen, scheint keine Lösung zu sein

Was die Tötung betrifft, arbeitet das Umweltministerium eigenen Auskünften zufolge an einem sogenannten ethischen Euthanasieprotokoll. Details dazu sind noch unbekannt. Der Erfolg wäre aber ohnehin fraglich: Wenn sich die Dickhäuter schon nicht zur Sterilisation einfangen lassen, wieso dann, wenn sie eingeschläfert werden sollen?

Natürlich könnte man die als "Kokain-Hippos" bekannten Tiere auch einfach erschießen. Dies aber kommt für den Bundesstaat Antioquia und tierliebe Kolumbianer nicht in Frage. Als 2009 "Pepe", ein streunendes Nilpferd, auf Anweisung des Umweltministeriums erschossen wurde, und Soldaten mit dem erlegten Tier posierten, war die Empörung in dem Land groß. Die Regierung zog daraufhin die Abschussgenehmigung für ein weiteres als "Problem-Nilpferd" bezeichnetes Tier zurück.

Verwendete Quellen
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