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Debatte um geschwärzte Kita-Fotos entbrannt

Von dpa
Aktualisiert am 02.08.2018Lesedauer: 3 Min.
Viele der Eltern sind irritiert √ľber die absurd aussehenden Erinnerungsalben der Sechsj√§hrigen.
Viele der Eltern sind irritiert √ľber die absurd aussehenden Erinnerungsalben der Sechsj√§hrigen. (Quelle: Monika Skolimowska./dpa)
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Dormagen (dpa) - Bunt sind sie und mit Liebe gemacht, prall gef√ľllte Alben mit Fotos aus der Kindergartenzeit. Eigentlich. In einem Dormagener Kindergarten wollte man zwar auf diese beliebten Erinnerungskladden nicht verzichten.

Andererseits hatten die Kinderg√§rtnerinnen auch Angst, gegen die neuen und strengeren Datenschutzregeln zu versto√üen. Deshalb z√ľckten sie den Edding - und schw√§rzten die meisten Kindergesichter auf den Fotos. Nicht nur die Eltern sind irritiert, auch einige Datensch√ľtzer sch√ľtteln den Kopf. Wirklich falsch hat der kirchliche Betreiber der Kita allerdings nicht gehandelt, wie es scheint.

Die "Neu√ü-Grevenbroicher Zeitung" (NGZ) hatte berichtet, viele Eltern h√§tten sich √ľber die geschw√§rzten Gesichter der spielenden Kindern ge√§rgert und beschwert. Lediglich das jeweils eigene Kind sei auf den Fotos zu erkennen. Grund sei die neue Datenschutzgrundverordnung, zitiert die "NGZ" den Pfarrer der Gemeinde St. Michael Dormagen-S√ľd, zu der die Kita geh√∂rt. Man habe "den sicheren Weg" gew√§hlt, um Klagen vorzubeugen.

"Es ist juristisch ein hochsensibles Thema", sagte die Leiterin der katholischen Kita dem "K√∂lner Stadt-Anzeiger". "Ich habe nur die Weisung des Tr√§gers befolgt." Die kirchlichen Betreiber standen nicht f√ľr Fragen zur Verf√ľgung, erst am Freitag will der zust√§ndige Gemeinde-Pfarrer weiter Rede und Antwort stehen.

Nicht nur die Eltern sind irritiert √ľber die absurd aussehenden Erinnerungsalben der Sechsj√§hrigen. "Das Vorgehen der Kindertagesst√§tte in Dormagen ist merkw√ľrdig", sagt der Vorsitzende der Konferenz der Di√∂zesan-Datenschutzbeauftragten, Andreas M√ľndelein. Es w√§re eigentlich einfach gewesen, den Wirbel zu umgehen: "Die Einrichtung h√§tte sich vorab von den Eltern eine Einwilligungsbescheinigung geben lassen k√∂nnen, um die Bilder f√ľr das Jahrbuch zu nutzen." Er empfahl verunsicherten Einrichtungen wie dem Dormagener Kindergarten bei allen Zweifeln, auf Datenschutzexperten zuzugehen.

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Solche Einwilligungen lassen Kindergärten normalerweise im Vorfeld unterzeichnen. Eltern willigen damit beim Abschluss des Vertrags schriftlich ein, dass ihr Kind fotografiert werden darf. Bei der Dormagener Kita war das anders: Dort sei die Einwilligung "eher eine Art Generalvollmacht, die dem erhöhten Schutzniveau des Datenschutzrechts nicht gerecht wird", sagt Stephanie Melzow vom Katholischen Datenschutzzentrum (KdöR) dem "Stadt-Anzeiger".

Und genau diese EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) ist das Problem: Erinnerungsb√ľcher seien zwar nach wie vor m√∂glich, erkl√§rt die NRW-Landesdatenschutzbeauftragte Helga Block der Deutschen Presse-Agentur. "Sie bed√ľrfen jedoch vor Ver√∂ffentlichung grunds√§tzlich einer Einwilligung der Eltern." Und wenn auf einem Foto mehrere Kinder abgebildet seien, so m√ľssten eben auch alle einwilligen. "Werden Gesichter in Erinnerungsb√ľchern geschw√§rzt, erfolgt dies nicht aufgrund eines Verbots der Datenschutz-Grundverordnung, sondern aufgrund der fehlenden Einwilligungen der Erziehungsberechtigten", betont Block. Deshalb sei es wichtig, das Gespr√§ch mit Eltern zu suchen. "Nur wenn die Betroffenen hinreichend konkret informiert sind, k√∂nnen sie wirksam in die Ver√∂ffentlichung einwilligen."

W√§hrend in den sozialen Medien ger√§tselt wird, ob die Betreiber der Kita noch ganz bei Trost sind, wirbt der Verband Bildung und Erziehung um Verst√§ndnis f√ľr die Kinderg√§rtnerinnen: "Ich kann nachvollziehen, dass sie bei den komplizierten Datenschutzvorgaben verunsichert sind und auf Nummer sicher gehen wollen", sagt der Bundesvorsitzende der Lehrergewerkschaft VBE, Udo Beckmann. Auch Schulen seien irritiert √ľber die DSGVO, mit der B√ľrger seit Ende Mai mehr Mitsprache erhalten, was mit ihren Daten in Unternehmen, Vereinen oder Beh√∂rden passiert. "Es wird da eine gewisse Zeit und die eine oder andere Gerichtsentscheidung brauchen, um sich zu orientieren."

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