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Krebstherapie: Nobelpreis fĂŒr Entfesselung von Immunzellen

Von dpa
Aktualisiert am 01.10.2018Lesedauer: 3 Min.
Tasuku Honjo, Professor an der UniversitÀt von Kyoto, teilt sich den Medizin-Nobelpreis mit James P.
Tasuku Honjo, Professor an der UniversitÀt von Kyoto, teilt sich den Medizin-Nobelpreis mit James P. Allison. (Quelle: Ren Onuma/Kyodo News./dpa)
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Berlin (dpa) - Ihre Entdeckung rettet tĂ€glich Leben: FĂŒr die Entwicklung spezieller Krebstherapien bekommen der US-Amerikaner James Allison und der Japaner Tasuku Honjo den diesjĂ€hrigen Nobelpreis fĂŒr Medizin.

"Ihre Erkenntnisse haben großen Nutzen fĂŒr die Menschheit gebracht; sie haben den existierenden Krebstherapien eine neue SĂ€ule hinzugefĂŒgt", hieß es am Montag vom Karolinska-Institut in Stockholm. Die höchste Auszeichnung fĂŒr Mediziner ist in diesem Jahr mit umgerechnet 870.000 Euro (9 Millionen Schwedischen Kronen) dotiert.

Der US-Amerikaner Allison (70) und der Japaner Honjo (76) entwickelten sogenannte Checkpoint-Therapien gegen Krebs. Sie kommen derzeit vor allem Menschen zugute, bei denen andere Behandlungsformen nicht anschlugen und die sonst wahrscheinlich rasch sterben wĂŒrden.

Die Forscher hatten entdeckt, dass bestimmte Proteine als eine Art Bremse auf das Immunsystem wirken und es von der BekĂ€mpfung von Tumorzellen abhalten . Löst man die Bremse mit Hilfe sogenannter Checkpoint-Inhibitoren, attackieren die Immunzellen die Tumorzellen wieder. Im besten Fall kann das zur Heilung fĂŒhren.

James Allison , der am Anderson Cancer Center der University of Texas (Houston) arbeitet, befasste sich zunÀchst vor allem mit dem Protein CTLA-4. Er zeigte 1996, dass sich durch Aufhebung der Bremse krebskranke MÀuse von Tumoren heilen lassen. Basierend darauf entwickelte er einen neuen Ansatz zur Behandlung von Patienten mit fortgeschrittenem Schwarzem Hautkrebs. "Ich habe Grundlagenforschung gemacht, um Grundlagenforschung zu machen, aber wissen Sie, ich hatte die gute Gelegenheit zu sehen, wie sich das zu etwas entwickelt, das den Menschen hilft", so Allison. "Das ist befriedigend."

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Tasuku Honjo von der UniversitĂ€t Kyoto entdeckte Anfang der 1990er Jahre das Protein PD-1, dessen Funktion zunĂ€chst unklar war. Er fand heraus, dass es Ă€hnlich wie CTLA-4 das Immunsystem ausbremst, allerdings ĂŒber einen anderen Wirkmechanismus. Heute ist das Protein Ansatzpunkt fĂŒr die Behandlung mehrerer Krebsarten, darunter Hautkrebs, Lungenkrebs, Nieren- und Blasenkrebs. Therapien, die auf dieser Entdeckung beruhten, hĂ€tten sich als bemerkenswert effektiv im Kampf gegen Krebs erwiesen, so die Nobeljury.

Nach EinschĂ€tzung von Krebsexperten in Deutschland hat die Checkpoint-Therapie die Krebsbehandlung revolutioniert und der Forschung neuen Schwung verliehen. "Durch die Entdeckung können Krebsarten therapiert werden, bei denen die Überlebenschancen extrem gering waren", sagte Michael Zeisberg, Klinik fĂŒr Nephrologie und Rheumatologie der UniversitĂ€tsmedizin Göttingen.

"Das ist ein völlig berechtigter Preis", urteilt auch Hans Reimer Rodewald vom Deutschen Krebsforschungszentrum. "Bis vor etwa zehn Jahren war nicht wirklich klar, ob Tumoren durch das Immunsystem kontrolliert werden können." Der Preis zeige auch, wie wichtig die Grundlagenforschung sei. "So etwas wird ja oft nicht ernstgenommen."

Ein Nachteil der Behandlung sind die hohen Kosten. Sie können bei mehreren Zehntausend Euro im Monat liegen. Und wie Chemo- und Strahlentherapie ist auch diese Form der Immuntherapie nicht frei von Nebenwirkungen. Da das Verfahren sehr prĂ€zise sei, seien die Nebenwirkungen allerdings im Vergleich zur Chemotherapie gering, sagt Carsten Watzl, Leiter Immunologie am Leibniz-Institut fĂŒr Arbeitsforschung an der TU Dortmund.

Wie wichtig es ist, neue Therapien gegen Krebs zu entwickeln, betont das Nobelkomitee: 2018 werden voraussichtlich 18 Millionen Menschen auf der Welt die Diagnose Krebs bekommen. In entwickelten LĂ€ndern entwickle derzeit einer von drei Menschen im Laufe seines Lebens Krebs. In zwei Jahrzehnten werde es vermutlich einer von zweien sein.

EU-weit sind nach Angaben des Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa) fĂŒnf Krebsmedikamente aus der Klasse der Checkpoint-Inhibitoren zugelassen. Die beiden Inhibitoren werden einzeln, teils auch in Kombination eingesetzt. Außerdem werden derzeit neue "Brems-Proteine" als Ansatzpunkte fĂŒr die Behandlung untersucht.

Auch NobelpreistrÀger Honjo hat noch viel vor. "Damit noch mehr Kranke geheilt werden können, werde ich noch eine Weile weiter meine Forschung fortsetzen", sagte der 76-JÀhrige am Montag.

Mit dem Medizin-Preis startete der Nobelpreis-Reigen. Am Dienstag und Mittwoch werden die TrÀger des Physik- und des Chemie-Preises benannt. Am Freitag folgt die Bekanntgabe des diesjÀhrigen FriedensnobelpreistrÀgers. Der Literaturnobelpreis fÀllt in diesem Jahr nach einem Skandal im Jurygremium aus.

Am folgenden Montag wird bekannt gegeben, wer den von der schwedischen Reichsbank gestifteten sogenannten Wirtschaftsnobelpreis erhĂ€lt. Die feierliche Vergabe aller Auszeichnungen findet traditionsgemĂ€ĂŸ am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel .

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