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Gottesdienste absagen! Oder?

  • Florian Schmidt
  • Peter Schink
Von Florian Schmidt, Peter Schink

Aktualisiert am 14.12.2020Lesedauer: 1 Min.
Messe mit Maske: Gottesdienste, wie hier im italienischen Neapel, sind in Corona-Zeiten umstritten.
Messe mit Maske: Gottesdienste, wie hier im italienischen Neapel, sind in Corona-Zeiten umstritten. (Quelle: Independent Photo Agency/imago-images-bilder)
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Weihnachten ist fĂĽr viele Menschen ohne Kirchenbesuch nicht denkbar. Doch die Gottesdienste drohen zum Superspreader-Event zu werden. Sollten die Kirchen also an Heiligabend dichtmachen?

Die Politik hat sich trotz hartem Lockdown dagegen entschieden, die Kirchen zu schließen. Mit Abstandsregeln und Hygienekonzepten soll zumindest einigen wenigen Menschen an Weihnachten der Kirchenbesuch ermöglicht werden. Doch nicht alle finden das richtig, viele fragen sich, ob das Risiko zu groß ist. Ja, sagt Florian Schmidt, die Kirchen sollten ihre Gottesdienste absagen. Nein, sagt Peter Schink, mit Verantwortung ist der Messebesuch möglich.

Pro
Florian Schmidt
Florian Schmidt

Lasst uns kein unnötiges Risiko eingehen

Rund 300 Tage hält Corona unser Land in Atem. Wir alle sehnen uns nach Normalität – gerade an Weihnachten. Selbst für U-Boot-Christen, die nur einmal im Jahr in der Kirche auftauchen, heißt das: Der traditionelle Gottesdienst an Heiligabend ist ein Muss.

Doch muss er wirklich sein? Nein. Nicht jetzt, nicht in diesem Jahr, nicht mitten auf dem Höhepunkt der Corona-Pandemie, die Stand heute schon mehr als 22.000 Tote in Deutschland gefordert hat.

Sicher, viele Priester, Presbyter und Gemeinderäte haben sich monatelange die Köpfe zermartert über Hygienekonzepte. Und ja, natürlich gibt es ein Grundrecht auf Religionsfreiheit, das für viele Menschen den Gang in die Kirche einschließt – und das wir nicht mir nichts, dir nichts über Bord werfen dürfen.

Trotzdem: Selbst wenn in den meisten Kirchen die Abstände gewahrt werden können, nirgends lässt sich verhindern, dass sich vor dem Einlass Menschentrauben bilden, dass sich die Gläubigen auf dem Weg hin zur und von der Kirche begegnen. Nicht erst wenn die Maske verrutscht, wird der Gottesdienst so leicht zum Superspreader-Event.

Nur konsequent im Sinne des harten Lockdowns wäre es deshalb, sämtliche Präsenz-Veranstaltungen in den Kirchen dieses Jahr abzusagen – und stattdessen auf Fernseh-, Radio- oder Online-Gottesdienste zu setzen.

Auch wenn das weiche Sofa im warmen Wohnzimmer nicht dasselbe sein mag wie die harte Holzbank in der zugigen Kirche: Niemand würde so daran gehindert, der Weihnachtsgeschichte zu lauschen, zu beten und sogar zu singen. Allerdings ohne unnötiges Risiko, dass zwei Wochen nach Weihnachten die Infektionszahlen explodieren.

Kontra
Peter Schink
Peter Schinkstellvertretender Chefredakteur

Zu Weihnachten Verantwortung ĂĽbernehmen

Man muss nicht groß drumrum reden: Natürlich können Kirchen an Weihnachten zu Superspreader-Orten werden. Wenn gesungen wird, die Kirchen zu voll sind und kein Abstand gehalten wird. Genau deshalb haben die beiden großen Konfessionen sich seit Wochen Gedanken gemacht, wie Weihnachten in diesem Jahr gefeiert werden kann. Ohne Anmeldung für die wenigen festen Plätze in den Gotteshäusern wird es dieses Jahr nicht gehen, viele Menschen werden zu Hause Gottesdienste live verfolgen müssen.

Wer jetzt fordert, alle Kirchen sollten einfach auf die Weihnachtsgottesdienste vor Ort verzichten, denkt nicht an die Menschen. Vor allem Alleinstehende und hilfsbedürftige Menschen haben in der Pandemie gelitten. Vielen Gläubigen gibt der Weihnachtsgottesdienst wichtigen Halt und Trost in dieser schwierigen Zeit. Die Kirchenbank ist der wichtigste Ort, er ist nicht ersetzbar durch einen Livestream. Gerade, wer keine Familie zum Feiern hat, findet hier ein Stück Hoffnung, Ruhe und Rückzugsmöglichkeit.

Weihnachten ist nach Ostern das wichtigste Ereignis des Jahres. Wir haben im vergangenen Jahr gelernt, wie wir mit Hygieneregeln solche Veranstaltungen organisieren. Es sollte uns wichtig genug sein, das zu schaffen. Menschen nicht einsam zurĂĽckzulassen ist jetzt eine der wichtigsten Aufgaben. Wer das kirchliche Weihnachten streichen will, der kapituliert vor der Herausforderung, die uns diese Krise stellt.

Wir mĂĽssen Verantwortung ĂĽbernehmen. Das bedeutet auch, sich um die Menschen kĂĽmmern, die Weihnachten brauchen.

Und wie denken Sie?

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