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Chaos in Deutschland: "Unwetter, wie es nur alle fünf bis zehn Jahre vorkommt"

Sturm und Starkregen in Deutschland  

"Unwetter, wie es nur alle fünf bis zehn Jahre vorkommt"

30.06.2021, 11:47 Uhr | t-online, dpa

Starkregen und Wind im Süden und Westen

Heftige Gewitter, Starkregen und Sturmböen: In mehreren Bundesländern haben die Einsatzkräfte alle Hände voll zu tun. Gullydeckel werden nach oben gedrückt, Autos bleiben stecken, die Zahl der Notrufe ist groß. 

Nächtliche Unwetter: Gewitter und heftige Windböen sind in der Nacht über Deutschland gezogen und haben dabei Chaos hinterlassen. (Quelle: Reuters)


Im Wasser treibende Autos, überschwemmte Straßen: Das bayerische Landshut wurde von den Unwettern in der Nacht besonders getroffen. Die Aufräumarbeiten dauern an – auch in anderen Teilen Deutschlands.

Erneut haben Unwetter und vor allem starke Regenfälle in Teilen Deutschlands für Chaos gesorgt. Vielerorts mussten Feuerwehren und Rettungsdienste auf hunderte Notrufe reagieren. Alleine bei der Feuerwehr Frankfurt wurden am Dienstagabend binnen zwei Stunden mehr als 600 Einsatzstellen gemeldet, wie die Feuerwehr mitteilte. In Bochum meldete die Feuerwehr bis kurz nach Mitternacht 183 Einsätze. Mehrere Keller hätten bis zur Decke unter Wasser gestanden.

Die starken Regenfälle mit Niederschlägen von bis zu 45 Liter/qm in kürzester Zeit hätten zu vollgelaufenen Kellern und Garagen, überfluteten Unterführungen und Durchfahrten geführt. Demnach überschwemmte der Regen die Fahrbahnen. In der Folge seien vielerorts Kanaldeckel nach oben gedrückt worden und hätten den fließenden Verkehr eingeschränkt. Auch Bahnen und Busse seien in manchen Stadtteilen zeitweise zum Erliegen gekommen.

Landshut räumt auf 

Am Morgen nach dem schweren Unwetter haben im bayerischen Landshut die Aufräumarbeiten begonnen. Viele Straßen waren am Mittwochmorgen verschlammt, die Straßenreinigung musste Dreck entfernen, wie die Polizei mitteilte. Man gehe aber davon aus, dass der Großteil der Arbeiten im Laufe des Vormittags abgeschlossen werde. Länger dürfe derweil das Auspumpen zahlreicher Keller dauern, die durch Starkregen und Überschwemmungen vollgelaufen seien.

In Landshut stand in Teilen der Stadt das Wasser hoch in den Straßen, Sturzbäche gingen nieder. Zahlreiche Bäume stürzten um, Keller liefen voll. Bei der Landshuter Feuerwehr gingen mehr als 600 Notrufe ein, wie ein Sprecher der Integrierten Leitstelle am Dienstagabend erklärte. Nutzer in den sozialen Netzwerken posteten Videos und Fotos. "Da in der Altstadt hab ich meine Jugend verbracht. Nie hab ich das vorher erlebt", schrieb ein Nutzer. 

Straßen wurden zu reißenden Bächen

"Binnen Minuten sind Straßen zu reißenden Bächen geworden", sagte Feuerwehrsprecher Dominik Zehatschek am Mittwochmorgen. Am Vorabend waren heftige Regenfälle über Landshut mit seiner mittelalterlichen Altstadt niedergegangen, Straßen und Häuser standen teilweise bis zu einem Meter unter Wasser. Einige Menschen wurden in ihren Autos von den Wassermassen umflutet. Mit Hilfe der Feuerwehr kletterten sie durch die Autofenster ins Freie und wurden in Sicherheit gebracht. Dabei seien einige leicht verletzt worden, sagte Zehatschek.

Die Stadt Landshut spricht von einem "hundertjährlichen Ereignis". Innerhalb von nur einer halben Stunde seien 57 Liter Niederschlag pro Quadratmeter gefallen. "Wir haben Wildbäche gehabt, wo sonst Straßen sind", sagte Oberbürgermeister Alexander Putz dem Bayerischen Rundfunk (BR). Unvorstellbare Wassermassen seien die Hänge rings um die Stadt heruntergekommen. Nach Auskunft der Feuerwehr rissen die Fluten Autos mit und spülten große Mengen an Schlamm auf die Straßen und in die Häuser. Viele Menschen waren am Morgen damit beschäftigt, die Schäden zu beseitigen, aus Privathäusern ebenso wie aus Geschäften oder Restaurants. Bei einigen gehe es wohl um die Existenz, vermutete Zehatschek.

Es gab Sturzbäche, verschlammte Straßen, weggeschwemmte Autos, ausgespülte Gullydeckel, umgestürzte Bäume, vollgelaufene Keller, beschädigte Stromkästen und Öltanks, wie der Lagedienst der integrierten Leitstelle Landshut, Mirko Olzem, die Situation beschrieb. Verletzt wurde nach ersten Erkenntnissen aber niemand. "Das war ein Unwetter, wie es nur alle fünf bis zehn Jahre vorkommt", ergänzte er.

Vollgelaufene Keller und umgestürzte Bäume in Brandenburg

Die Gewitter haben in Brandenburg mancherorts für entwurzelte Bäume und vollgelaufene Keller gesorgt. Größere Schäden oder Verletzte hat es nach Angaben der Polizei vom Mittwochmorgen allerdings nicht gegeben. Im Kreis Oberhavel und im Kreis Barnim seien Äste abgebrochen und Keller voller Wasser gelaufen, sagte ein Sprecher der Regionalleitstelle Nordost in Eberswalde. Im Kreis Oberhavel sei die Feuerwehr 60 Mal im Einsatz gewesen, im Kreis Barnim 48 Mal. In Wensickendorf, einem Ortsteil von Oranienburg (Oberhavel), wütete das Gewitter am Dienstag kurz und heftig. Bäume fielen auf die Straße, auf einen Carport und auf das Dach eines Bungalows.

Auch aus Teilen Nordrhein-Westfalen kamen in der Nacht auf Mittwoch Berichte von überschwemmten Straßen und vollgelaufenen Kellern. "Im Ruhrgebiet arbeiten die Rettungskräfte noch hunderte Einsätze ab", berichtete der WDR. Besonders betroffen seien Bochum, Krefeld, Essen und Dortmund, der Kreis Unna und der Ennepe-Ruhr-Kreis.

In Bochum habe es ab Dienstagabend nach den Angaben der Feuerwehr so stark geregnet, dass in einigen Kellern das Wasser bis zur Decke stand. In Krefeld führte der Starkregen ebenfalls dazu, dass Keller, Straßen und Tiefgaragen geflutet worden, wie die Feuerwehr am Mittwochmorgen mitteilte. Dort habe eine Person zudem durch einen Sturz aufgrund der Wassermassen einen Knochenbruch erlitten.

Bis 02.00 Uhr in der Nacht seien bereits mehr als 2.000 Anrufe in der Leitstelle der Feuerwehr Krefeld eingegangen, davon mehr als 800 Notrufe. Mehrere Anrufer meldeten, dass Sie mit ihren Fahrzeugen in überfluteten Unterführungen, aber auch auf der offenen Straße in den Wassermassen stecken geblieben waren und sich nicht mehr aus eigener Kraft aus den Fahrzeugen befreien konnten.

Dutzende Notrufe in Hessen 

Auch in Hessen setzten Unwetter am Dienstag Straßen unter Wasser. Allein in Darmstadt gingen bei der Feuerwehr bis zum frühen Abend rund 70 Notrufe ein, weil Wasser in Keller oder Souterrainwohnungen gelaufen war. Durch den Wasserdruck seien an mehreren Stellen Kanaldeckel nach oben gedrückt worden, teilte die Feuerwehr mit. In Frankfurt blieben Autos teils in überfluteten Unterführungen liegen.

Ein Auto in einer überfluteten Unterführung in Frankfurt am Main: Der Wasserdruck drückte mehrere Kanaldeckel nach oben. (Quelle: dpa/Frank Rumpenhorst)Ein Auto in einer überfluteten Unterführung in Frankfurt am Main: Der Wasserdruck drückte mehrere Kanaldeckel nach oben. (Quelle: Frank Rumpenhorst/dpa)

Im Keller der Justizvollzugsanstalt Darmstadt-Eberstadt seien große Flächen überflutet worden, der Keller eines Studentenwohnheims stehe einen Meter unter Wasser. Rund 150 Kräfte der Feuerwehr waren dem Sprecher zufolge im Einsatz.

Örtlich begrenzt wieder extreme Unwetter möglich

Auch im Nordosten der Pfalz gingen zahlreiche Notrufe wegen voll gelaufener Keller ein, teilte die Polizei mit. In Obersülzen hätten beispielsweise die Zufahrtsstraßen zeitweise gesperrt werden müssen, da die Ortschaft zum Teil überflutet wurde und das Wasser aus der Kanalisation herausgesprudelt sei. Der Fernverkehr der Deutschen Bahn wurde in Teilen von Bayern und Baden-Württemberg von den Unwettern lahmgelegt.  Mehr dazu lesen Sie hier.

Am Mittwochmorgen hob der DWD zunächst alle Warnungen vor schweren Gewittern auf. "Die Gewitterlage hat sich vorerst beruhigt", hieß es in einer Mitteilung. "Im Tagesverlauf ist jedoch im Osten und Nordosten Deutschlands erneut mit einem Aufleben der Starkregen- und Gewittertätigkeit zu rechnen." Örtlich begrenzt könne es wieder starken Regen und extreme Unwetter geben.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Nachrichtenagentur dpa

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