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Bundesweite Corona-Impfwoche: Die erste Bilanz ist ernüchternd

Nach großer Hoffnung  

Die Bilanz der Impfwoche ist bislang ernüchternd

17.09.2021, 15:20 Uhr
Bundesweite Corona-Impfwoche: Die erste Bilanz ist ernüchternd. Bundesweite Impfwoche: Seit Montag können sich Impfwillige an vielen Orten in Deutschland spontan gegen das Coronavirus impfen lassen.  (Quelle: dpa/Julian Stratenschulte)

Bundesweite Impfwoche: Seit Montag können sich Impfwillige an vielen Orten in Deutschland spontan gegen das Coronavirus impfen lassen. (Quelle: Julian Stratenschulte/dpa)

Seit Montag gibt es an vielen Orten in Deutschland unkompliziert und mit besonderen Aktionen die Corona-Impfung. Die bisher veröffentlichten Zahlen lassen jedoch am Erfolg zweifeln. 

Döner, eine Fahrt mit dem Riesenrad, Lottoscheine: Um mehr Menschen von einer Impfung gegen das Coronavirus zu überzeugen, setzen viele deutsche Städte und Unternehmen in diesen Tagen auf ungewöhnliche Anreize. Der Grund: Seit Wochen tritt die deutsche Impfkampagne auf der Stelle. 

Während sich in anderen Ländern immer mehr Menschen impfen lassen, stieg die Quote in Deutschland zuletzt nur geringfügig. Vollständig geimpft sind hierzulande mit Stand 17. September 62,8 Prozent der Bevölkerung, eine Erstimpfung erhielten bislang 67 Prozent. Das ist laut Experten zu wenig, um glimpflich durch den Corona-Herbst zu kommen.

Seibert: Impfwoche kein Misserfolg 

Auch deshalb läuft seit Montag eine bundesweite Aktionswoche, bei der sich Impfwillige etwa an Bahnhöfen oder Einkaufszentren ohne Termin impfen lassen können. Bisher hätten solche "einfachen Gelegenheiten" gefehlt, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn im Vorfeld der Aktionswoche und betonte, dass man das Mittel in der Hand habe, "uns zurück in die Freiheit und Normalität zu impfen". Auch RKI-Präsident Lothar Wieler unterstrich die Wichtigkeit der Aktion im Kampf gegen eine vierte Welle. 

Doch lassen sich jetzt tatsächlich mehr Impfzögerer piksen? 

Seit Montag habe es 14.200 Impfaktionen gegeben, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag mit. Allein am Mittwoch und Donnerstag seien insgesamt über eine halbe Million Impfdosen verabreicht worden. Von einem Misserfolg könne man daher nicht sprechen. Doch ein wirklicher Erfolg ist die Impfwoche bislang auch nicht. Die Daten des Robert Koch-Instituts zeigen: Der erhoffte Impfturbo wurde bisher nicht gezündet.

Zahl der Erstimpfungen sinkt 

Betrachtet man die Zahl der Erstimpfungen im Sieben-Tage-Schnitt, ist sogar ein leichter Abwärtstrend zu erkennen. Ließen sich vor einer Woche gut 77.600 Menschen täglich erstmals gegen das Coronavirus impfen, liegt der Wert in dieser Woche (Stand 16. September) nur noch bei rund 73.000. Mitte August wiederum erhielten im Sieben-Tage-Schnitt fast 90.000 Menschen eine Erstimpfung.

Insgesamt wurden während der Aktionswoche bis jetzt etwa 355.000 Erstimpfungen verabreicht. Das sind rund 7.000 weniger als im gleichen Zeitraum der Vorwoche. Zu beachten ist bei diesen Werten allerdings, dass es durch die vielen mobilen Impfstationen zu verzögerten Meldungen kommt und die Zahlen nachträglich steigen können.

Der Abwärtstrend bei den Erstimpfungen ist seit gut drei Wochen zu beobachten. Immerhin: Seit Beginn der Impfwoche sinkt der Wert langsamer und scheint sich zu stabilisieren. 

Immer mehr Auffrischungsimpfungen 

Gestiegen ist seit Beginn der Aktionswoche hingegen die Zahl der insgesamt verabreichten Impfdosen. Diese lag bis Donnerstag bei gut 937.000. Das sind rund 50.000 mehr als noch in der Vorwoche. Neben einem leichten Anstieg bei den Zweitimpfungen ist das vor allem auf die gestiegene Zahl der Auffrischungsimpfungen für Risikogruppen zurückzuführen. Hier wurden am Mittwoch und Donnerstag erstmals über 40.000 registriert. 

Und die Impfwoche ist noch nicht vorbei. Noch bis Sonntag können Interessierte die temporären Impfstationen nutzen. Viele der Stationen haben außerdem bereits angekündigt, ihre Angebote auch nach Ende der Aktionswoche aufrechterhalten zu wollen.

Reicht das für eine Trendwende?

Bislang scheint die Strategie der Regierung, Impfanreize und niedrigschwellige Angebote zu schaffen, nicht auszureichen, um das Tempo der Impfkampagne wieder merklich zu erhöhen. Will man überfüllte Intensivstationen im Winter vermeiden, vor denen der Virologe Christian Drosten erst kürzlich warnte, müsste die Impfquote jedoch noch einmal deutlich steigen. Die Debatte über den Druck auf Ungeimpfte könnte spätestens nach der Bundestagswahl lauter werden. 

Deutschlands Nachbarn sind hier bereits weiter. In Italien sind ab Mitte Oktober alle Arbeitnehmer verpflichtet, einen negativen Test, einen Impf- oder Genesungsnachweis vorzulegen, wenn sie ihrer Arbeit nachgehen wollen. Tun sie dies nicht, drohen hohe Geldstrafen. Für den Gesundheitssektor greifen diese Regelungen schon seit Mai. 

Seit Mittwoch gilt auch in Frankreich eine Corona-Impfpflicht für alle Mitarbeiter von Krankenhäusern, Alten- oder Pflegeheimen, Pflegediensten sowie für Mitarbeiter von Rettungsdiensten und Feuerwehr. Viele Bereiche des öffentlichen Lebens, wie etwa Restaurantbesuche, Zug- oder Flugtickets sowie Sport- oder Kulturveranstaltungen, sind zudem nur noch unter Vorlage eines Impfnachweises oder eines negativen Tests möglich. Beiden Ländern ist es mit dieser Strategie gelungen, die Impfquote über den Sommer zum Teil deutlich zu steigern. Die Impfaktionswoche hat das bislang nicht geschafft.

Verwendete Quellen:

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