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Schwein Rosalie lebt saugl├╝cklich in Ostfriesland

Von dpa
Aktualisiert am 09.12.2021Lesedauer: 4 Min.
Landwirtin Maren Osterbuhr neben dem ehemaligen Mastschwein Rosalie auf ihrem Hof.
Landwirtin Maren Osterbuhr neben dem ehemaligen Mastschwein Rosalie auf ihrem Hof. (Quelle: Hauke-Christian Dittrich/dpa./dpa)
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Gro├čefehn (dpa) - Im Schlamm suhlen, an B├Ąumen schubbern oder einfach nur auf der faulen Haut im Stroh liegen: Das alles war im Leben vom Mastschwein Rosalie eigentlich niemals vorgesehen - bis das Ferkel Rei├čaus nahm und dem sicheren Tod von der Schippe sprang.

Seit knapp drei Jahren lebt Rosalie nun saugl├╝cklich auf dem Hof von Landwirtin Maren Osterbuhr mitten in Ostfriesland. "Rosalie soll hier alt werden d├╝rfen - und zwar gesund", sagt die junge Landwirtin, w├Ąhrend sie eine Banane sch├Ąlt. "Rosalie, magst du ein bisschen Banane?" Langsam trottet die 400 Kilo schwere Sau auf die Landwirtin im knallgelben Anorak zu, nimmt das Obst grunzend an und l├Ąsst sich dabei sichtlich zufrieden am Bauch kraulen. W├Ąre Rosalie in der Mast geblieben, w├Ąre sie wohl nicht einmal ein halbes Jahr alt geworden.

Rosalies Leben ver├Ąnderte sich in einer eiskalten Winternacht im Februar 2019. Mit minus acht Grad war es f├╝r ostfriesische Winterverh├Ąltnisse ungew├Âhnlich kalt, sogar Schnee lag. Am fr├╝hen Morgen machte sich Maren Osterbuhr auf zu ihrem Kuhstall, der rund 800 Meter vom Hof bei Gro├čefehn im Landkreis Aurich entfernt steht, um ihre K├╝he zu melken. "Und dann sa├č da ein Ferkel bei uns im Stall zwischen den K├╝hen", erinnert sich die 34-J├Ąhrige. Fast erfroren und mehr tot als lebendig sei das kleine Tier gewesen. Doch woher kam es?

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"Ein Schwein l├Ąuft einem ja eigentlich nicht zu", sagt Osterbuhr. Und doch: Bei einem Spaziergang am Tag entdeckte die junge Landwirtin Spuren, die das Ferkel offenbar bei seinem Weg in den warmen Stall im Schnee hinterlassen hatte - durch die klirrend kalte Nacht. "Das k├Ânnen Ferkel eigentlich gar nicht ├╝berleben", sagt die B├Ąuerin. Denn normalerweise verbr├Ąchten Ferkel ihre ersten Lebenswochen unter der W├Ąrmelampe bei wohligen 20 bis 25 Grad. Doch Rosalie schaffte es.

"Ich h├Ątte sie sowieso nicht rausger├╝ckt"

├ťber die Ohrmarke fand Osterbuhr den Halter heraus: ein Schweinebauer aus der Nachbarschaft. Der hatte am Vorabend seine Ferkel von einem Stall zur Mast in einen anderen transportieren wollen. "Da ist Rosalie wohl einfach abgezischt", sagt Osterbuhr. Zur├╝cknehmen durfte der Landwirt Rosalie aus hygienischen Gr├╝nden nicht. "Ich h├Ątte sie sowieso nicht rausger├╝ckt", gibt die B├Ąuerin mit einem Lachen zu.

Und so wurde das "Findel-Ferkel" mit mehreren W├Ąrmflaschen und Decken an die K├╝chenheizung gelegt. Etwa einen halben Tag habe es gedauert, bis Rosalie halbwegs wieder aufgetaut war. "Und dann hatte sie sehr viel Hunger", erinnert sich Osterbuhr. Der Hunger lie├č so schnell auch nicht nach. Bananen, Erdbeeren, Tomaten und Salat liebe die Sau. "Wir versuchen schon, sie mager zu ern├Ąhren". Doch bei einem Schwein, das eigentlich f├╝r die Mast gez├╝chtet wurde, sei das gar nicht so einfach. "Alles, was wir Menschen richtig lecker finden, findet Rosalie auch super." Kekse etwa, die Maren Osterbuhr immer reichlich in ihrer Tasche hat - und das wei├č Rosalie nat├╝rlich.

Mittlerweile ist die Sau nicht nur ein liebevoll umsorgtes Familienmitglied der Osterbuhrs, sondern auch ein kleiner Star auf Instagram - eine echte Rampensau sozusagen. Denn Maren Osterbuhr berichtet in dem Sozialen Netzwerk ihren rund 15.000 Followern schon lange ├╝ber ihre Arbeit als Landwirtin. "Dann wurde Rosalie irgendwann zum Liebling." Zum Teil seien Follower sogar aus Berlin angereist und h├Ątten ihren Urlaub an der Nordseek├╝ste verbracht - nur um dabei einmal auch Rosalie besuchen zu k├Ânnen, berichtet sie.

Rosalie ist dabei ├╝brigens nicht das einzige ostfriesische Instagram-Schwein. Erst im vergangenen Jahr sorgte Graf Bobby von Sonnenschein, ein Angler Sattelschwein, f├╝r mediales Aufsehen, nachdem sich das Schwein drei Mal erfolgreich gegen die Schlachtung wehrte. Das Tier durfte weiterleben - samt eigenem Instagram-Account.

Instagram nutzt Maren Osterbuhr, um mit Verbraucherinnen und Verbrauchern in Kontakt zu kommen. Die Bev├Âlkerung sei extrem entfremdet von der Landwirtschaft, beklagt sie. "Wir haben als Landwirte komplett verpasst, den Verbraucher mitzunehmen. Also die Verbraucher wissen ├╝berhaupt nicht mehr, was muss wie warum gemacht werden." Viele h├Ątten gar keinen Bezug zu dem Fleisch, das sie essen. Dabei br├Ąuchte es eine viel gr├Â├čere Wertsch├Ątzung f├╝r die Arbeit und die Lebensmittel, die die Landwirtschaft produziere, auch damit etwa Schweineb├Ąuerinnen und Schweinebauern von ihrer Arbeit leben k├Ânnten.

Tats├Ąchlich fehlt vielen Schweinehaltern in Deutschland aktuell die wirtschaftliche Perspektive. Allein in Niedersachsen ging die Zahl der schweinehaltenden Betriebe nach Angaben des Landvolkes seit Mai 2018 von 5700 auf 5000 Betriebe im Mai 2020 zur├╝ck. "Was uns gro├če Sorge macht ist, dass wir nicht wirklich Licht am Ende des Tunnels sehen", sagt Landvolk-Vizepr├Ąsident und selbst Schweinehalter, J├Ârn Ehlers. Durch die Corona-Pandemie und die Afrikanische Schweinepest (ASP) seien den Landwirten zuletzt weitere Absatzm├Ąrkte weggebrochen.

Follower zu einem anderen Kaufverhalten bewegt

F├╝r ein Kilo Schweinefleisch bek├Ąmen konventionelle Schweinehalter aktuell etwa 1,20 Euro - um kostendeckend zu arbeiten, seien jedoch mindestens 2 Euro n├Âtig, rechnet Ehlers vor. Bei der Herstellung von Fleisch, Eiern und Milch seien die B├Ąuerinnen und Bauern auf ihre Tiere, auf Lebewesen, angewiesen. "Gerade bei diesen Produkten finde ich es besonders bedauerlich, wenn das sich nicht im Preis, in der Wertsch├Âpfung und in der Wertsch├Ątzung irgendwo widerspiegelt", sagt Ehlers. Landwirte h├Ątten einen Anspruch, ihre Tiere m├Âglichst gut zu halten. Doch umsonst sei mehr Tierwohl auch nicht zu haben.

Schwein Rosalie habe einige ihrer Instagram-Follower bereits zu einem anderen Kaufverhalten bei Fleisch bewegt, berichtet Maren Osterbuhr. Indem sie ausf├╝hrlich von Rosalie, ihren Milchk├╝hen und dem Hofleben berichte, habe sich bei vielen ein anderes Bild von Landwirtschaft eingestellt. "Ich erhoffe mir dadurch, dass die Landwirte irgendwann vielleicht mal ein bisschen mehr Geld f├╝r ihre Produkte erhalten und wir dann alle in der Lage sind, die Tiere wesentlich besser halten zu k├Ânnen", sagt die 34-J├Ąhrige. Schwein Rosalie soll ihr dabei noch lange zur Seite stehen und nun auf dem Hof alt werden.

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