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"Pushback" ist "Unwort des Jahres" 2021

Von dpa
Aktualisiert am 12.01.2022Lesedauer: 3 Min.
"Pushback" ist das "Unwort des Jahres" 2021.
"Pushback" ist das "Unwort des Jahres" 2021. (Quelle: Arne Dedert/dpa)
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Marburg (dpa) - Das "Unwort des Jahres" 2021 lautet "Pushback". Damit r├╝gt die Jury der sprachkritischen Aktion einen Begriff aus der Migrationsdebatte.

Der aus dem Englischen stammende Ausdruck bedeute zur├╝ckdr├Ąngen oder zur├╝ckschieben und sei im vergangenen Jahr von ganz unterschiedlichen Politikern, Journalisten oder Organisationen in der Diskussion um die Einwanderung ├╝ber die EU-Au├čengrenzen aufgegriffen worden, sagte die Sprecherin der Jury, Constanze Spie├č, in Marburg.

"Besch├Ânigung eines menschenfeindlichen Prozesses"

Der Begriff "Pushback" wird dabei im Zusammenhang mit m├Âglichen illegalen Zur├╝ckweisungen von Fl├╝chtlingen an den Grenzen benutzt. Die "Unwort"-Jury kritisierte die Verwendung des Ausdrucks, "weil mit ihm ein menschenfeindlicher Prozess besch├Ânigt wird, der den Menschen auf der Flucht die M├Âglichkeit nimmt, das Menschen- und Grundrecht auf Asyl wahrzunehmen". Die Nutzung eines Fremdwortes verst├Ąrke noch den Effekt, erl├Ąuterte Sprachwissenschaftlerin Spie├č. Die Jury sah zudem einen unreflektierten Gebrauch des Wortes in den Medien auch bei Kritikern der Zur├╝ckweisungen.

Das Wort "Pusback" tauchte in den vergangenen Monaten etwa im Zusammenhang mit der Situation an der EU-Au├čengrenze zwischen Polen und Belarus mit Tausenden gestrandeten Migranten auf. Berichten zufolge wurden jene, die es ├╝ber die Grenze nach Polen schafften, sofort abgeschoben - auch dann, wenn sie um Asyl ersuchten. Experten erl├Ąuterten in den Medien die Rechtslage und nahmen dabei mitunter ebenso "Pushback" in den Mund wie Politiker. Die damalige Gr├╝nen-Fraktionschefin Katrin G├Âring-Eckardt sagte etwa im November einer Zeitung: "Erstens: Nein zu menschenunw├╝rdigen Pushbacks. Und zweitens: Ja zu Solidarit├Ąt."

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"Sprachpolizei"

Platz zwei der "Unw├Ârter" in diesem Jahr belegte die Formulierung "Sprachpolizei". Die Jury w├Ąhlte damit einen Begriff aus der Debatte um eine sensiblere Sprache etwa in Bezug auf Geschlecht oder Herkunft. Das Wort sei irref├╝hrend und diffamiere Personen, die sich f├╝r einen "angemessenen, gerechteren und nicht-diskriminierenden Sprachgebrauch einsetzten, der bisher benachteiligte und ausgegrenzte Gruppen sprachlich einschlie├čt", befanden die Juroren.

Auch die Pandemie f├╝hrte aus Sicht der mehrheitlich aus Sprachwissenschaftlern bestehenden Jury zu verbalen Ausw├╝chsen. Sie r├╝gte daher Vergleiche mit der NS-Zeit, die Gegner der Corona-Ma├čnahmen oder der Corona-Schutzimpfungen in den vergangenen Monaten zogen. Dazu geh├Âren zum Beispiel: "Impfnazi", "Erm├Ąchtigungsgesetz" - als Bezeichnung f├╝r das Infektionsschutzgesetz - oder der Aufdruck "ungeimpft" auf gelben Sternen. Dies alles lege "v├Âllig unzul├Ąssig" eine ├ähnlichkeit zwischen den Corona-Ma├čnahmen und der NS-Diktatur nahe und verharmlose au├čerdem den Nationalsozialismus.

1300 Einsendungen mit 454 Begriffen

Die Jury w├Ąhlte das "Unwort des Jahres" aus zahlreichen Vorschl├Ągen aus, die Interessierte bis zum 31. Dezember eingereicht hatten. Insgesamt gab es rund 1300 Einsendungen mit 454 unterschiedlichen Begriffen, von denen knapp 45 den Kriterien entsprachen. Viele Vorschl├Ąge betrafen die Corona-Pandemie: Besonders h├Ąufig sei etwa "Tyrannei der Ungeimpften" genannt worden, "Querdenker", "Verweilverbotszone" oder "Covidiot".

Die Entscheidung richtet sich allerdings nicht nach der H├Ąufigkeit der Nennung. Ger├╝gt werden Formulierungen, die gegen die Prinzipien der Menschenw├╝rde oder Demokratie versto├čen, die gesellschaftliche Gruppen diskriminieren oder die euphemistisch, verschleiernd oder irref├╝hrend sind. Die "Unwort"-Aktion m├Âchte so auf unangemessenen Sprachgebrauch aufmerksam machen und sensibilisieren.

Das "Unwort des Jahres" wird seit 1991 gek├╝rt. Im vergangenen Jahr fiel die Wahl auf zwei Begriffe: "R├╝ckf├╝hrungspatenschaften" und "Corona-Diktatur". Nach einem Wechsel in der Jury wurde in diesem Jahr das "Unwort" nicht mehr in Darmstadt, sondern erstmals im mittelhessischen Marburg vorgestellt.

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