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Sexueller Missbrauch als Kind - 100 Opfer berichten im Netz

Von dpa
Aktualisiert am 19.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Meist sind es M├Ądchen und weibliche Jugendliche, die sexuell missbraucht werden.
Meist sind es M├Ądchen und weibliche Jugendliche, die sexuell missbraucht werden. (Quelle: Nicolas Armer/dpa./dpa)
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Berlin (dpa) - Die Berichte sind bedr├╝ckend, oft auch verst├Ârend. Sie handeln von zum Teil massiver Gewalt gegen Kinder, sexuellem Missbrauch in verschiedenen Formen, Vertrauensbr├╝chen und andauernder Hilflosigkeit.

100 inzwischen erwachsene Menschen berichten, was ihnen als Kind angetan wurde. Ver├Âffentlicht wurden sie am Mittwoch von der seit 2016 arbeitenden Unabh├Ąngigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs auf einer neuen Internetseite mit dem Titel: "Geschichten, die z├Ąhlen".

Die Namen der Opfer aus den vergangenen Jahrzehnten und beiden deutschen Staaten sind ge├Ąndert, aber die Ereignisse real. Von ├ťbergriffen, Schl├Ągen und Vergewaltigungen vor allem durch M├Ąnner in Familien, Heimen, Sportvereinen, Schulen und Kirchengemeinden berichten sie.

Alptr├Ąume der Opfer

"An diesem Tag ging meine Kindheit zu Ende, ein absoluter Alptraum begann", schreibt Irina ├╝ber ihre Jugend Anfang der 80er Jahre in einem Dorf in der DDR. Ihr Vater lie├č sie mit zw├Âlf Jahren nackt tanzen und schlug sie mit einem G├╝rtel. Ihr Bruder missbrauchte und verkaufte sie. "Ich werde dieses Bild nie vergessen, als sein Freund ihm Geld und eine Schachtel Zigaretten gab. Von jenem Tag an, wurde ich regelm├Ą├čig zur Ware. Sie haben mir sehr wehgetan und mir meine W├╝rde genommen."

Sp├Ąter schickten ihre Eltern sie zu einem Bekannten, der ein Auto hatte und in den Wald fuhr. "Niemand kann es erahnen, was es f├╝r ein 15-j├Ąhriges M├Ądchen bedeutet, allein einem erwachsenen Mann ausgeliefert zu sein. Vier Jahre lang wurde ich gezwungen mit ihm mitzufahren."

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Eine andere Frau erz├Ąhlt von dem Klassenlehrer, der sich Ende der 70er Jahre Sch├╝lerinnen hinter seinen Schreibtisch auf den Scho├č holte. "Dabei ist er mit seinen Fingern in den Schl├╝pfer gegangen und hat uns an der Scheide angefasst." Die M├Ądchen h├Ątten nie dar├╝ber gesprochen. "Lehrer waren damals Respektspersonen, und ich w├Ąre nie auf die Idee gekommen, dies meinen Eltern zu erz├Ąhlen. Ich dachte nicht, dass irgendjemand mir geglaubt h├Ątte."

T├Ąter ├╝berwiegend M├Ąnner

Nach einer fr├╝heren Studie der Kommission zur Missbrauchsaufarbeitung die von der Bundesregierung einberufen wurde, waren die T├Ąter ganz ├╝berwiegend M├Ąnner. Nur 13 Prozent waren Frauen. Fast die H├Ąlfte dieser M├Ąnner waren leibliche V├Ąter, Pflegev├Ąter und Stiefv├Ąter. Dann gab es andere Verwandte, Nachbarn, Erzieher, Betreuer, Sporttrainer und Pfarrer. Bei den Opfern waren die Zahlenverh├Ąltnisse umgekehrt: Knapp 90 Prozent waren M├Ądchen, 10 Prozent Jungen, die meist P├Ądophilen ausgeliefert waren.

Johann erinnerte sich erst mit ├╝ber 50 Jahren konkret zur├╝ck an seine Kindheit in einer Klosterschule mit einem "brutalen Regiment" in den 60er Jahren in Westdeutschland. "Mit elf Jahren, 300 Kilometer von zu Hause entfernt (...), wurde ich in der Kirche, nachts und nur mit einem Messdienergewand bekleidet, vergewaltigt. Wer der T├Ąter war, wei├č ich bis heute nicht." Im Beichtstuhl hie├č es danach, das "Ritual" m├╝sse ein Beichtgeheimnis bleiben, bei Strafe der ewigen Verdammnis.

Der sexuelle Missbrauch ist unterschiedlich. Mal sind es sich wiederholende Ber├╝hrungen, die die T├Ąter als harmlos beschreiben. Von den Opfern werden sie als grenz├╝berschreitend und verst├Ârend erlebt. Aber die Berichte handeln auch von brutalen Fesselungen und Vergewaltigungen.

Viele Opfer f├╝hlen sich allein gelassen

Das Vorgehen der T├Ąter ist unterschiedlich. Manche erschleichen sich die Sympathie und das Vertrauen ihrer Opfer, dann werden Fotos gemacht oder es beginnen Ber├╝hrungen. In Familien geht es oft direkter zu. Die Kinder k├Ânnen diesem Missbrauch noch schwerer entkommen, weil die Familie sich nach au├čen abschottet.

Die meisten Opfer machten die Erfahrung, dass sie allein gelassen wurden. M├╝tter schwiegen, um die Familien zu erhalten. Schulbeh├Ârden und Lehrer sahen weg. Die Kirche in Westdeutschland versetzte auff├Ąllige Pfarrer - und ignorierte die Opfer. Die Jugend- und Sportorganisationen in der DDR leugneten die Vorkommnisse.

├ťber die tats├Ąchliche Verbreitung sexueller Gewalt gibt es angesichts hoher Dunkelziffern wenig verl├Ąssliche Daten. Eine Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen von 2011 ergab, dass rund 7 Prozent der befragten Frauen und 1,5 Prozent der befragten M├Ąnner ├╝ber fr├╝here Erfahrungen als Opfer berichteten.

Von 1950 bis heute

Die zun├Ąchst ausgew├Ąhlten 100 Berichte auf dem neuen Portal lassen sich ausw├Ąhlen und sortieren nach dem Umfeld der Taten, den Jahrzehnten von 1950 bis zur Gegenwart, Bundesrepublik oder DDR und dem Geschlecht der Opfer. Weitere Schilderungen sollen folgen. Bei der Kommission meldeten sich bis heute fast 3000 Betroffene und Zeitzeugen.

"Nichts ist eindr├╝cklicher als die Berichte der Betroffenen selbst", begr├╝ndete Brigitte Tilmann von der Aufarbeitungskommission das Projekt. "Nur so werden hinter dem Begriff Missbrauch die konkreten Erfahrungen der sexuellen Gewalt sichtbar." Viele Opfer h├Ątten geschrieben, sie wollten mit ihrem Bericht anderen Betroffenen Mut machen. Wichtig sei die Botschaft, nicht alleine zu sein mit den Erfahrungen.

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