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Loveparade-Prozess: Ex-Oberbürgermeister will nicht beteiligt gewesen sein

Prozess zum Loveparade-Unglück  

Ex-Oberbürgermeister beteuert seine Unschuld

02.05.2018, 13:11 Uhr | dpa

Loveparade-Prozess: Ex-Oberbürgermeister will nicht beteiligt gewesen sein. Duisburgs Ex-Oberbürgermeister im Landgericht Duisburg:  "Ich musste keine Genehmigung erteilen oder vorbereiten." (Quelle: dpa/Federico Gambarini)

Duisburgs Ex-Oberbürgermeister im Landgericht Duisburg: "Ich musste keine Genehmigung erteilen oder vorbereiten." (Quelle: Federico Gambarini/dpa)

Einige hätten ihn gerne auf der Anklagebank gesehen: Der Duisburger Ex-Oberbürgermeister war aber nur als Zeuge zum Prozess geladen. Seine Aussagen erstaunten den Richter.

Der als Zeuge im Loveparade-Prozess geladene Ex-Oberbürgermeister von Duisburg will nicht aktiv am Genehmigungsverfahren der Großveranstaltung im Jahr 2010 beteiligt gewesen sein. Bei der Großveranstaltung waren durch eine Massenpanik 21 Menschen getötet und Hunderte verletzt worden – möglicherweise auch aufgrund von Planungsfehlern und Versäumnissen.

"Ich musste keine Genehmigung erteilen"

"Aktiv in dem Genehmigungsprozess war ich nicht", sagte der 62-jährige Adolf Sauerland am Mittwoch vor dem Duisburger Landgericht. "Ich musste keine Genehmigung erteilen oder vorbereiten." Er habe die Idee, sich um die Loveparade zu bewerben, in den Stadtrat eingebracht, sagte Sauerland vor dem Duisburger Landgericht. Der Rat habe der Idee mit großer Mehrheit zugestimmt.

Die Katastrophe in Duisburg: Die Menschen drängten sich, 21 starben, über 600 wurden verletzt. (Quelle: dpa/Daniel Naupold)Die Katastrophe in Duisburg: Die Menschen drängten sich, 21 von ihnen starben, über 600 Menschen wurden verletzt. (Quelle: Daniel Naupold/dpa)

Er habe das Projekt dann in Gang gebracht, sei damit aber außen vor gewesen. "Das war dann Sache der Fachlichkeit." Sein Pressesprecher habe schon mal an Sitzungen teilgenommen, sagte Sauerland. Ansonsten habe ihn Dezernent Wolfgang Rabe über den Gang der Dinge informiert. Über die Genehmigung der Loveparade eine Woche vor dem Großereignis sei er per SMS in seinem Urlaub in den Bergen informiert worden. Daraus habe er geschlossen, dass alle Bedenken hätten ausgeräumt werden können.

Sauerland: Verwaltung sollte Bedenken prüfen 

In einem Punkt sei er doch aktiv geworden, räumte Sauerland ein: Der damalige Duisburger Polizeipräsident habe sich im Vorfeld negativ über die Loveparade geäußert und diese in Duisburg für undurchführbar gehalten. Er habe daraufhin die Verwaltung gebeten, dessen Bedenken zu prüfen, sagte Sauerland. Er gehe davon aus, dass dies geschehen sei, konkret wisse er davon aber nichts.

Nach der Katastrophe: Kreide markierte später die Lage der Toten. (Quelle: dpa/Achim Scheidemann)Nach der Katastrophe: Kreide markierte später die Lage der Toten. (Quelle: Achim Scheidemann/dpa)

Er habe auch gewusst, dass der Ordnungsamtsleiter ein Kritiker der Loveparade gewesen sei. Er wisse aber nicht warum. Der Vorsitzende Richter Mario Plein äußerte sein Unverständnis über so wenig Detailkenntnis des Stadtoberhaupts: "Wir reden hier ja nicht über den Flohmarkt in Duisburg-Marxloh. Wir reden über die Loveparade. Das ist schwer nachvollziehbar."

Sauerland: "Die Loveparade ist uns angedient worden"

Doch Sauerland beharrte darauf: "Letztlich war die Frage, ob die Veranstaltung genehmigungsfähig ist oder nicht. Die Genehmigungen sind da, wo die fachlich zuständigen Leute sitzen, ergangen."

Er persönlich sei kein großer Freund der Loveparade gewesen, sagte Sauerland. "Die Loveparade ist uns angedient worden vom KVR (Kommunalverband Ruhr, d. Red)", sagte er. Zunächst sei gar keine Fläche gefunden worden, aber dann habe das Unternehmen Aurelis das ehemalige Güterbahnhofsgelände angeboten, die "Duisburger Freiheit".

Bei der Loveparade am 24. Juli 2010 in Duisburg starben im Gedränge 21 Menschen, mindestens 652 wurden verletzt. Der Prozess um die Verantwortung dafür gegen sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg und vier Beschäftigte des Veranstalters Lopavent hatte im Dezember begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen unter anderem fahrlässige Tötung vor. Aus Platzgründen findet der Prozess in einer Kongresshalle in Düsseldorf statt.

Verwendete Quellen:
  • dpa

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