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Fluthelden auf Besatzerkurs

  • Lars Wienand
Von Lars Wienand

Aktualisiert am 06.02.2022Lesedauer: 16 Min.
Beste Freunde in der Flut: Wilhelm Hartmann und Markus Wipperf├╝rth kamen gemeinsam, packten gemeinsam an und k├Ąmpfen weiter gemeinsam, um ihre Vorstellungen durchzusetzen.
Beste Freunde in der Flut: Wilhelm Hartmann und Markus Wipperf├╝rth kamen gemeinsam, packten gemeinsam an und k├Ąmpfen weiter gemeinsam, um ihre Vorstellungen durchzusetzen. (Quelle: Rike Schmickler-Bouvet, Montage:t-online)
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Sie kamen als Helfer an die Ahr und wurden Fluthelden, nun sind sie f├╝r manche Besatzer: Zwei Unternehmer haben sofort angepackt. Doch inzwischen w├Ąchst das Unbehagen, weil sie ihre riesige Fangemeinde auf Facebook als Druckmittel einsetzen.

Wilhelm Hartmann war wahrscheinlich der erste Helfer nach der verheerenden Flutnacht an der Ahr, von dem die Welt erfuhr. Beim hessischen Radiosender FFH ging am 15. Juli um 8.40 Uhr seine Sprachnachricht auf den Sender: Er ist aus Fulda mit Ger├Ąt seines Gartenbaubetriebs unterwegs.


Tote, Sch├Ąden, Chaos: Flutkatastrophe in Deutschland

Tr├╝mmer in Bad Neuenahr im Kreis Ahrweiler: Allein in der Kreisstadt werden die Aufr├Ąumarbeiten Monate dauern, prognostizieren die Beh├Ârden.
Freiwillige helfen bei den Aufr├Ąumarbeiten in Mayschoss in der Verbandsgemeindet Altenahr: Tagelang war der Ort von Hilfe abgeschnitten, seit Sonntag ist auch die Bundeswehr im Ort.
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So begann eine Heldengeschichte mit ihm und Markus Wipperf├╝rth in den Hauptrollen, zwei M├Ąnnern, die sich enorme Verdienste erworben haben und ihr Epos auch gegen Widerst├Ąnde selbst fortschreiben.

Niemand an der Ahr hat so viel Social-Media-Power: Sie betreiben gro├če Facebook-Accounts mit Hunderttausenden Abonnenten und bringen sehr viel Sendungsbewusstsein mit. Wipperf├╝rth macht auf Facebook "Wippi TV" und begleitet seit Jahren die Bauernthemen und -proteste mit Live-Videos, Hartmann ist "Azubi Wilhelm Hartmann", seit er mal f├╝r Wipperf├╝rth bei einer Demo eingesprungen ist. Die Bauern haben oft einen schweren Stand, Wipperf├╝rth und Hartmann wissen zu k├Ąmpfen.

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K├Ąmpfen f├╝r die Bauern: Markus Wipperf├╝rth und Wilhelm Hartmann sind in der Landwirtschaft bekannt, weil sie sich abseits der Strukturen von Verb├Ąnden f├╝r Positionen der Landwitrte stark machen.
K├Ąmpfen f├╝r die Bauern: Markus Wipperf├╝rth und Wilhelm Hartmann sind in der Landwirtschaft bekannt, weil sie sich abseits der Strukturen von Verb├Ąnden f├╝r Positionen der Landwitrte stark machen. (Quelle: Screenshot Facebook)

Der Meister und sein Lehrling halten auch an der Ahr zusammen und sie sind zu Gesichtern der Flutkatastrophe geworden: Die beiden M├Ąnner sind gekommen, haben in der Katastrophe nicht gefackelt, sondern losgelegt, ohne auf Antworten ├╝berforderter Beh├Ârden in Schockstarre zu warten. Das war wichtig.

Weil sie ausgiebig davon erz├Ąhlt haben, haben sie sich enormen Respekt erworben. Sie haben gro├če Summen an Spenden und an Einnahmen generiert und viele Helfer inspiriert. Man findet kaum jemanden an der Ahr, der nicht sagt, dass sie Gro├čes geleistet haben.

Dann kommt bei einigen das Aber.

Denn Wipperf├╝rth und Hartmann kamen nicht aus ihrem Einfach-machen-Krisenmodus raus. Sie sind geblieben, haben weiterhin nicht viel gefragt, sondern gemacht. Und dann ihre Anh├Ąnger mobilisiert und Shitstorms entfacht, wenn es nicht lief, wie sie wollten.

Manch einer in der Region hat inzwischen Angst vor den M├Ąnnern, die zum Helfen gekommen sind, ihr Tun bei Facebook verbreiten und sich so eine verschworene Anh├Ąngerschaft aufgebaut haben. B├╝rgermeister erhoffen sich ein Zeichen gegen den aus ihrer Sicht zu gro├čen Einfluss, kritische Stimmen verschwinden.

Sie sahen Katastrophe kommen

Wie aber konnte es ├╝berhaupt passieren, dass die Helfer zunehmend auch als Besatzer wahrgenommen werden? Durch umfangreiche Recherchen und Gespr├Ąche mit Dutzenden Menschen in Hilfsdiensten, Unternehmen und Verwaltungen rekonstruiert t-online die Geschichte vom gekaperten Ahrtal.

Es fing alles damit an, dass Wilhelm Hartmann und Markus Wipperf├╝rth schon bereit waren, als andere die Katastrophe nicht mal kommen sahen. Beide haben mit der Landwirtschaft zu tun, Hartmann ist zudem im Winterdienst t├Ątig. Sie haben ein Auge f├╝rs Wetter. Und Hartmann hat zwei Mal beim Elbe-Hochwasser geholfen.

Als der Fuldaer am 14. Juli abends eine neue WhatsApp-Gruppe "Fluthilfe NRW" er├Âffnet und Wipperf├╝rth hinzuf├╝gt, hat der Kreis Ahrweiler noch nicht mal Katastrophenalarm ausgel├Âst.

Feuerwehrfrau erstes Opfer unter Helfern

Unter Helfern an der Ahr gibt es da aber bereits das erste Opfer. Der 19-j├Ąhrigen Katharina Kraatz kann an dem Abend gegen 18 Uhr niemand mehr helfen, als sie helfen will. Die Feuerwehrfrau stirbt, weil sie auf einem Campingplatz in einem Mobilheim eine bettl├Ągerige Frau retten will. Das Wasser kommt zu schnell, auch ein Hubschrauber kann das Schlimmste nicht verhindern.

Auf ihrer Todesanzeige steht der 18. Juli. Es ist der Tag, an dem ihr Leichnam ahrabw├Ąrts gefunden wird. Bei der Flut sterben im Ahrtal mindestens 134 Menschen.

Katharina Kraatz: Die 19-j├Ąhrige Feuerwehrfrau starb am 14. Juli beim Versuch, einer im Wasser eingeschlossenen Frau zu helfen.
Katharina Kraatz: Die 19-j├Ąhrige Feuerwehrfrau starb am 14. Juli beim Versuch, einer im Wasser eingeschlossenen Frau zu helfen. (Quelle: Foto: privat)

Auch Wipperf├╝rth und Hartmann m├╝ssen Tote sehen in den ersten Tagen. Sie haben sich am sp├Ąten Vormittag des 15. Juli bei Haribo verabredet. Der Konzern hat nur wenige Kilometer oberhalb der Ahr seine Zentrale. Dort treffen nun Einsatzkr├Ąfte ein und werden verteilt. F├╝r die achtk├Âpfige Helfergruppe um Hartmann und Wipperf├╝rth geht es mit den Ger├Ąten zur Feuerwehr Bad Neuenahr, von dort in den Stadtteil Walporzheim, in dem sich Schutt und Autos meterhoch stapeln.

Es gibt unglaublich viel zu tun. Der ├Ârtliche Bauunternehmer Hans-Bernd M├╝nch hat schon seit dem Morgen Zufahrtswege in Walporzheim freigebaggert und freut sich, dass nach einer Gruppe THWler weitere Verst├Ąrkung da ist.

Zum Posten auf den Berg

Um 16.09 Uhr postet Wipperf├╝rth das erste Foto von dort. Er muss daf├╝r auf den Berg, es gibt kaum Netz im Ahrtal. Die Resonanz ist gewaltig. Wipperf├╝rths Seite w├Ąchst zur "wohl gr├Â├čten Plattform f├╝r Hilfsangebote und -gesuche im Zusammenhang mit der Flut", schreibt der Branchendienst meedia.de und wertet aus: Wipperf├╝rth bekommt in der ersten Tagen nach der Flut so viele Facebook-Reaktionen wie "ZDF heute", "Bild", "tagesschau" und "Der Spiegel" zusammen.

Am 16. Juli r├╝ckt viel Verst├Ąrkung an. Hartmann filmt sie mit den Worten: "Das ist keine Bundeswehr, das ist kein THW, das sind unsere deutschen Landwirte." Die Bilder vom Tross der Traktoren, die bis heute 2,1 Millionen Aufrufe haben, machen damals viel Hoffnung und setzen eine Botschaft: Auf den Staat ist kein Verlass, auf die Landwirte schon.

Walporzheim nach der Flut: Meterhoch t├╝rmten sich Tr├╝mmer, Autos und Baumst├Ąmme auf der Stra├če. Die Helfer mit schwerem Ger├Ąt waren f├╝r die Menschen wie Befreier.
Walporzheim nach der Flut: Meterhoch t├╝rmten sich Tr├╝mmer, Autos und Baumst├Ąmme auf der Stra├če. Die Helfer mit schwerem Ger├Ąt waren f├╝r die Menschen wie Befreier. (Quelle: Claudia J├╝ngling-Bergmann)

Tats├Ąchlich hat der Staat gar nicht so viele wendige Maschinen so schnell verf├╝gbar wie die Landwirte, und die 500 Fahrzeuge der Bundeswehr mit Bergepanzern und Pontonbr├╝cken kommen erst sp├Ąter.

Die Landwirte zur Verst├Ąrkung in seinen Bildern stammen ├╝berwiegend aus dem nahen Westerwald. In anderen Teilen des Tals gehen Bauern und Bauunternehmen aus anderen Regionen ans Werk. Sie bringen die Einstellung mit, die Wipperf├╝rth demonstriert: "Wir sind hier unentgeltlich", erkl├Ąrt er. "Ob wir noch was kriegen, w├Ąre nat├╝rlich sch├Ân, ich gehe davon aus, dass nicht."

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Hunderttausende Euro mit Facebook-Werbung

Wipperf├╝rth hat ein halbes Jahr sp├Ąter Auftr├Ąge f├╝r mehrere Hunderttausend Euro im Ahrtal erhalten. Das ist auch nicht ehrenr├╝hrig ÔÇô wieso sollten Firmen nicht bezahlt werden? Es macht aber keine Helden aus.

Weitere Arbeiten haben ihm die Zuschauer seiner zahllosen Videos und Facebooks Werbekunden finanziert. Davon hat er nach seinen Worten Reitpl├Ątze saniert, ein Gesch├Ąftszweig seines Unternehmens.

Damit seien die Werbeeinnahmen ja auch dem Aufbau zugute gekommen. Reitplatz-Sponsoring war vielleicht nicht das, was manch ein Zuschauer erwartet hat. Wipperf├╝rth h├Ątte aber auch alle Einnahmen aus Werbung von mehreren Hunderttausend Euro ohne Arbeit einfach aufs Konto flie├čen lassen k├Ânnen ÔÇô abz├╝glich "unn├Âtiger Kosten, die durch die Seite anfallen. Der Stundensatz eines renommierten Medienanwalts liegt bei 300 bis 400 Euro." Das zahle er auch von der Werbung.

Markus Wipperf├╝rth: Der 48-J├Ąhrige stammt von einem Bauernhof und hat Agrarwissenschaft studiert. Der vielseitige Unternehmer bietet nicht nur Sport und Freizeit f├╝r Pferd und Reiter auf seinem Hof und einer Burg, sondern baut auch Reitanlagen und ist im Lohnbetrieb t├Ątig.
Markus Wipperf├╝rth: Der 48-J├Ąhrige stammt von einem Bauernhof und hat Agrarwissenschaft studiert. Der vielseitige Unternehmer bietet nicht nur Sport und Freizeit f├╝r Pferd und Reiter auf seinem Hof und einer Burg, sondern baut auch Reitanlagen und ist im Lohnbetrieb t├Ątig. (Quelle: Oliver Berg/dpa-bilder)

"Wahnsinn, wie viele helfen"

Nicht nur die Bauern str├Âmen ins Tal. "Es ist Wahnsinn, wie viel Leute jetzt hier zum Helfen sind", berichtet Wipperf├╝rth am Tag zwei direkt aus dem Einsatz. "Ich seh's ja nur hier bei uns in der Ecke, und wir k├Ânnen nur f├╝r uns sprechen." Es kommen ├╝berw├Ąltigend viele, die den Menschen an der Ahr helfen wollen.

So viele, dass die Appelle in Erinnerung bleiben, bitte nicht mehr zu kommen, weil es kein Durchkommen mehr gibt auf den verschlammten, mit Unrat ├╝bers├Ąten und kaputten Stra├čen.

F├╝r dieses Problem gibt es am dritten Tag eine L├Âsung: Das Helfer-Shuttle startet. Von gut erreichbaren Orten auf der H├Âhe werden die Helfer nun gesammelt mit Bussen ins Tal gebracht, die Zentrale ist wieder in der N├Ąhe von Haribo. Die Shuttle-Initiatoren Marc Ulrich und Thomas P├╝tz, die beide im Tal zu Hause sind, ahnen noch nicht, wie eng ihr Verh├Ąltnis zu Wipperf├╝rth und Hartmann noch werden wird. Ihr Helfer-Shuttle und ein Containerdorf von Hartmann sind Nachbarn geworden.

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An der Geschichte der Container l├Ąsst sich festmachen, wieso es auch gro├čen Unmut ├╝ber die Helfer und ihre Methoden gibt.

Ausgemusterte Fl├╝chtlingsunterk├╝nfte

Am 21. August landen Container im Ahrtal, die ein Obstbauer aus dem Fr├Ąnkischen doch nicht wie geplant f├╝r Saisonarbeiter nutzen kann. Er hat sie an Hartmann verkauft, f├╝r 155.000 Euro. Allerdings ohne konkretes Zahlungsziel. "Wenn es gar nicht gegangen w├Ąre, h├Ątte ich sie auch zur├╝ckgenommen", sagt der Bauer t-online. Hartmann ├╝berweist zwar Raten, aber Mitte Januar 2022 wartet der Obstbauer noch immer auf Geld.

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Die Container sind ausgemusterte Fl├╝chtlingsunterk├╝nfte aus Hessen, die wegen ihrer schlechten Isolierung in der Kritik gestanden hatten und nie voll belegt waren.

Einen "Hafen" f├╝r die Menschen im Ahrtal: Wilhelm Hartmann organisiert Container als Wohnraum f├╝r Flutopfer, der aber gar nicht gefragt ist. Es wird eine von mehreren Helferunterk├╝nften im Tal daraus.
Einen "Hafen" f├╝r die Menschen im Ahrtal: Wilhelm Hartmann organisiert Container als Wohnraum f├╝r Flutopfer, der aber gar nicht gefragt ist. Es wird eine von mehreren Helferunterk├╝nften im Tal daraus. (Quelle: Screenshot Facebook)

Derartige Wohnboxen aus der Zeit der Fl├╝chtlingskrise gibt es viele in Deutschland. Das Land Berlin hat dem Kreis Ahrweiler nicht ben├Âtigte Wohn- und Sanit├Ąrcontainer ├╝berlassen. 288 St├╝ck bekam der Kreis laut landeseigener Berliner Immobiliengesellschaft, ohne daf├╝r einen Cent zahlen zu m├╝ssen.

Hartmann ist dennoch von seinen Containern ergriffen, als der erste in Walporzheim abgesetzt wird. "G├Ąnsehaut", sagt er im Video. Nur: "Es hat bisher noch keiner hierzu offiziell Ja gesagt", beklagt er. "Euer B├╝rgermeister, den ich nicht denunzieren m├Âchte, bezweifelt die Notwendigkeit", sagt er im Live-Video. Es geht um Bad Neuenahr-Ahrweilers Stadtchef.

"Von v├Âllig anderer Dimension ausgegangen"

Ahraufw├Ąrts hatte der Ort Dernau die Container rundweg abgelehnt. In Walporzheim hatte Hartmann schon ein Zelt aufgestellt, dem der Ortsvorsteher zugestimmt hatte. "Seinerzeit ist er jedoch von einer v├Âllig anderen Dimensionierung ausgegangen ÔÇô von einem Containerdorf war bis dahin nicht die Rede", hei├čt es von der Stadt Bad Neuenahr.

Das habe sich "durch weitere Ausbaustufen entwickelt". Bedarf f├╝r die Wohncontainer sieht sie nicht: ├ťber von "Deutschland hilft" gestellte "Tiny Houses" hinaus hat sich die Stadt f├╝r obdachlos gewordene Bewohner 48 Wohneinheiten in Containern gesichert.

Damit gibt es mehrere Kritikpunkte:

  • Der erste: Hartmann steht vor Containern, mit denen er Fakten geschaffen hat und er will, dass er jetzt daf├╝r bezahlt wird, obwohl die Kommune sie nicht f├╝r n├Âtig h├Ąlt.
  • Der zweite: Er hat sie auch selbst noch nicht bezahlen m├╝ssen und der Verk├Ąufer w├╝rde sie zur├╝cknehmen, sie sind kostenlos angeliefert und angeschlossen worden. Das gro├če Zelt daneben ist zun├Ąchst kostenlos zur Verf├╝gung gestellt und kostet sonst monatlich 5.000 Euro, wie er in einem Video sagt. Hartmann spricht dennoch umgehend ├Âffentlich davon, dass er mit 250.000 Euro aus eigenen Mitteln in Vorleistung gegangen ist. In einem Telefonat mit t-online erkl├Ąrte er, wie er zu der Aussage gekommen ist. Er zog dann aber alle ├äu├čerungen aus dem Gespr├Ąch zur├╝ck.
  • Der dritte: Ihr Standort ist im ├ťberschwemmungsgebiet. "Das war der denkbar schlechteste Platz, den man sich vorstellen kann", sagt Marc Ullrich. "Es brauchte also einen anderen Ort."
  • Der vierte: Hartmann fordert die Bev├Âlkerung im Video emotional auf, dem B├╝rgermeister die Notwendigkeit seines Containerdorfs zu erkl├Ąren. Der Stadt kommt das bekannt vor: Hartmann habe durchblicken lassen, seinen Facebook-Anh├Ąngern werde eine Absage nicht gefallen: Durch die Blume eine Drohung mit einem Shitstorm. Auch eine Erkl├Ąrung dazu hat er zur├╝ckgezogen.
Walporzheim: An einem Seitenstr├Ą├čchen hatten das Baustoffzelt (wei├čes Dach) mit Baumaterialien f├╝r Betroffene und das Containerdorf (unter dem schwarzen Dach) ihren Standort.
Walporzheim: An einem Seitenstr├Ą├čchen hatten das Baustoffzelt (wei├čes Dach) mit Baumaterialien f├╝r Betroffene und das Containerdorf (unter dem schwarzen Dach) ihren Standort. (Quelle: Heinz Grates)

Im Rathaus ist man derweil verwundert: 920.000 Euro will Hartmann f├╝r zehn Monate Betrieb der Container und des Zelts haben, das zu einem wichtigen Umschlagplatz f├╝r gespendete Baustoffe geworden ist. Auf Kosten anderer Baustofflager im Tal, hei├čt es aus anderen Orten.

"Kosten nicht in Relation zum Mehrwert"

Bei einem ersten Gespr├Ąch habe Hartmann noch f├╝r einen k├╝rzeren Zeitraum 70.000 bis 90.000 aufgerufen, so die Stadt. "Kosten wurden nicht plausibel dargelegt, und die H├Âhe stand nicht ann├Ąhernd in Relation zum entstandenen Mehrwert", teilte die Verwaltung t-online auf Anfrage mit.

Zust├Ąndigkeiten und Verantwortliche wechseln zu dieser Zeit h├Ąufiger mal oder sind unklar, es ist ein ├ärgernis f├╝r viele Helfer. Auch Hartmann und Wipperf├╝rth beklagen sich. Bei den Containern ist es eine Chance: Hartmann ist nach der Absage der Stadt schon in Gespr├Ąchen mit dem Kreis. Es werden aber noch Wochen vergehen, bis die Situation am 15. Oktober eskaliert.

In der ├ľffentlichkeit baut sich ├╝berregional Unverst├Ąndnis auf, dass der nette Mann mit seinen hohen Ausgaben so von den ohnehin ungeliebten Beh├Ârden im Stich gelassen wird. Wipperf├╝rth und Hartmann sch├╝ren das Unverst├Ąndnis und schaffen es immer wieder, alle Helfer als Zielscheibe von Kritik darzustellen, wenn vor allem sie gemeint sind.

Popul├Ąrer Markus Wipperf├╝rth: Mehr als 120.000 Euro boten Ebay-Nutzer f├╝r seine abgewetzte M├╝tze. Wegen Spa├čgeboten musste die Auktion aufgehoben werden. Danach ging die M├╝tze bei einer Wohlt├Ątigkeitsauktion f├╝r 1.800 Euro weg.
Popul├Ąrer Markus Wipperf├╝rth: Mehr als 120.000 Euro boten Ebay-Nutzer f├╝r seine abgewetzte M├╝tze. Wegen Spa├čgeboten musste die Auktion aufgehoben werden. Danach ging die M├╝tze bei einer Wohlt├Ątigkeitsauktion f├╝r 1.800 Euro weg. (Quelle: Screenshot/Ebay)

Schon Anfang August hatten sie eine Pressekonferenz einberufen, um zu sagen, dass sie auf Geld warten. Da sprechen sie auch noch vielen Unternehmern aus dem Herz, auch wenn klar ist, dass die Ortsvorsteher und Ortsb├╝rgermeister formlos Auftr├Ąge erteilen und daf├╝r Geld flie├čen wird. Wipperf├╝rth erkl├Ąrt: "Ich habe bis jetzt noch keinen Cent gesehen." Sie k├Ânnten aber auch nicht abbrechen. "Wir haben so viele Themen, dass wir bestimmt bis Weihnachten hier aktiv sind.ÔÇť

Helfer weiter willkommen
Die Aufgaben an der Ahr haben sich verlagert, f├╝r viele Arbeiten kommt inzwischen nur Fachpersonal infrage. Es gibt aber weiterhin Bedarf, absehbar sollen G├Ąrten begr├╝nt werden. Informationen und Anmeldung unter helfer-shuttle.de. Informationen, wie geholfen werden kann, gibt es auch auf helfer-stab.de.

Nachdem die Container stehen, bittet Hartmann auf Facebook um Unterst├╝tzung, "da sich nun unsere eigenen finanziellen Kr├Ąfte, auch aufgrund pers├Ânlich ├╝bernommener erheblicher Kosten der Container dem Ende neigen." Fast im Minutentakt schreiben Menschen, dass sie ├╝berwiesen haben und wie emp├Ârt sie sind, dass der Staat nicht zahlt.

Daf├╝r k├Ânnen Hartmann und Wipperf├╝rth am 8. September Beh├Ârdenvertreter an den Containern empfangen ÔÇô zu sehen im Stream ÔÇô und berichten, wie begeistert die h├Âflich-interessiert aufgetretenen G├Ąste gewesen seien.

Spendenaktion f├╝r Hartmanns Firma

Zwei Wochen sp├Ąter hat er an den Containern Richtfest gefeiert, aber noch kein Geld bekommen. Der Spendenaufruf geht in die n├Ąchste Runde: Unterst├╝tzer sollen jetzt spenden, damit Hartmann f├╝r seine Firma Streusalz kaufen kann, solange das Salz noch verf├╝gbar und g├╝nstig sei.

Hartmann ist in weiten Teilen Hessens im Winterdienst t├Ątig. Im Winter ist die Haupterntezeit f├╝r seinen Gartenbautrieb. Ohne Absprache habe ein Helfer den Aufruf gestartet ÔÇô Hartmann wehrt sich aber nicht. Es geht auch mindestens eine f├╝nfstellige Summe f├╝r "Hilfe f├╝r Helfer" auf dem Firmenkonto ein. Das Geld soll inzwischen anderen Hilfsorganisationen zugutekommen. Von einem anderen privaten Spendenkonto hat er auch Geldkuverts und M├Âbelhausgutscheine verteilt und sich dabei filmen lassen.

Wipperf├╝rth und Hartmann haben zwar bezahlte Auftr├Ąge an der Ahr zum Aufr├Ąumen, aber warten auch weiter auf Geld von den Beh├Ârden; f├╝r die Container und das Zelt ist weiter keine Zahlung in Aussicht.

Ahrauen aufr├Ąumen: Markus Wipperf├╝rth bekommt den Auftrag, das ahrabw├Ąrts von Bad Neuenahr zu tun, und setzt schweres Ger├Ąt und 750 freiwillige Helfer vom Helfershuttle ein, die Enormes leisten. Es l├Ąuft dennoch vergleichsweise chaotisch.
Ahrauen aufr├Ąumen: Markus Wipperf├╝rth bekommt den Auftrag, das ahrabw├Ąrts von Bad Neuenahr zu tun, und setzt schweres Ger├Ąt und 750 freiwillige Helfer vom Helfershuttle ein, die Enormes leisten. Es l├Ąuft dennoch vergleichsweise chaotisch. (Quelle: Freiwillige Feuerwehr Gondershausen)

"Guckt, dass das geregelt wird!"

Es k├Ânnten auch Landwirte f├╝r Hartmanns Bezahlung demonstrieren, sagt Wipperf├╝rth am 6. Oktober: "Viele Chancen haben die Entscheider nicht mehr." Er sendet im Video einen "kleinen Wink an die Kreisverwaltung: Wir k├Ânnen noch ganz andere Sachen auffahren hier. Wir Landwirte stehen sowieso mit dem R├╝cken an der Wand, wir wissen schon, wie wir das machen. Also ich kann Euch nur sagen, guckt, dass das geregelt wird!"

Wipperf├╝rth hat t-online f├╝r Antworten auf Fragen zun├Ąchst auf eine Veranstaltung im kommenden Juli verwiesen, dann aufs Fr├╝hjahr. F├╝r eine kurzfristige Stellungnahme hat er auch nicht vom Angebot Gebrauch gemacht, am Telefon Fragen zu beantworten, die er danach h├Ątte freigeben k├Ânnen.

Ihr Kampf um Geld geht weiter mithilfe einer Petition mit 36.774 Unterzeichnern, die fordern, Hartmann zu bezahlen. Er erkl├Ąrt das zu einem Zeichen an die Verantwortlichen, dass "in einer demokratischen Willens├Ąu├čerung hier der Wunsch danach" bestehe. Auch eine E-Mail-Aktion l├Ąuft mit einem Appell an den Bundespr├Ąsidenten. Wipperf├╝rth teilt die Adressen.

Am 10. Oktober ist der Bundespr├Ąsident zu Besuch in der gebeutelten Region und zieht sich mit Wipperf├╝rth und Hartmann zur├╝ck. Die beiden d├╝rfen zwar nicht live streamen, der Fuldaer berichtet aber danach: Mit dem Ergebnis "unseres gegenseitig wertsch├Ątzenden Gespr├Ąches" sei er "├Ąu├čerst zufrieden."

Mit Bundespr├Ąsident und Ministerin: Wilhelm Hartmann und Markus Wipperf├╝rth konnten sich auch beim Ersten Mann des Staats beklagen.
Mit Bundespr├Ąsident und Ministerin: Wilhelm Hartmann und Markus Wipperf├╝rth konnten sich auch beim Ersten Mann des Staats beklagen. (Quelle: Screenshot Facebook)

Aus dem Bundespr├Ąsidialamt h├Ârt sich das auf Nachfrage n├╝chterner an: "Die verfassungsm├Ą├čige Stellung des Bundespr├Ąsidenten sieht nicht vor, dass er zu Fragen exekutiver Einzelma├čnahmen Stellung nimmt." Auch der Bundespr├Ąsident diktiert der Kreisverwaltung nicht, wem sie was zu zahlen hat.

"ICH GEBE AUF!!!!!!"

Und die Kreisverwaltung schickt am 15. Oktober ein Schreiben, von dem Hartmann nur Teile ├Âffentlich macht. Er kommentiert es mit: "ES TUT MIR LEID, ICH GEBE AUFÔÇ╝´ŞĆÔÇ╝´ŞĆÔÇ╝´ŞĆ"

Es scheine "nicht gewollt, der leidenden Bev├Âlkerung unsere Hilfe zu Teil werden zu lassen", klagt Hartmann. Es ist Freitagabend, 20.33 Uhr, als er das Posting abschickt. "Mein Vertrauen in die Verantwortlichen ist zerst├Ârt." Der Beitrag verbreitet sich sofort lawinenartig, 6.000 Mal wird er geteilt.

Wipperf├╝rth legt um 22 Uhr nach: "Wir m├╝ssen jetzt gemeinsam ein Zeichen setzen! Wir werden euch nicht h├Ąngen lassen! Ihr als Betroffene, wir als Helfer!"

Bei manchen Kommunalpolitikern h├Ârte das Telefon nicht mehr auf zu klingeln. In Kommentaren konnten sie lesen, was jetzt mit ihnen angestellt wird, dass das ganze Tal vor dem Kreishaus stehen wird.

Sorge vor Massenexodus von Helfern

Helfer-Shuttle-Initiator Marc Ulrich berichtet von einer weiteren Sorge: "Wenn sie gegangen w├Ąren, w├Ąre das ein sehr schlechtes Signal gewesen, das uns zur├╝ckgeworfen h├Ątte." Niemand wusste sicher, ob weitere Helfer gegangen oder nicht mehr gekommen w├Ąren, weil sie sich solidarisieren. Hartmann muss gehalten werden.

Ulrich sagt ohnehin nichts Schlechtes ├╝ber ihn und Wipperf├╝rth: "Es gibt sehr wenige Unternehmen, die so viel Zeit, Energie und Ideen in die Hilfe an der Ahr gesteckt haben." Er habe beide als ruhige, angenehme und anpackende Unternehmer erlebt. Ihre Facebook-Aktivit├Ąten habe er nicht weiter verfolgt, "ich hatte ja selbst mehr als genug zu tun". Diskussionen um sie k├Ânnten aber auch mit Neid zu tun haben, meint er.

Am Morgen des 16. Oktober, es ist noch neblig, treffen sich Hartmann, der kommissarische Landrat Horst Gies und die Helfer-Shuttle-Verantwortlichen Ulrich und P├╝tz. Die beiden haben den Ausweg.

"Kaiser Wilhelm"-B├╝ste am "Wilhelmshafen"

Am "Wilhelmshafen" in Walporzheim warten bereits Dutzende. Benannt ist das Containerdorf nach Wilhelm Hartmann. Einer der gl├╝henden Unterst├╝tzer hatte schon Tage vorher eine ├ťberraschung f├╝r diesen Tag vorbereitet: eine "Kaiser Wilhelm"-Holzb├╝ste mit Hartmanns Gesichtsz├╝gen. Hartmann, einer von "Hessens Helden" beim Radiosender HR4 und "Lebens-Held des Monats" in der "Funkuhr", erkl├Ąrt, Heldenkult liege ihm fern.

"Kaiser Wilhelm": Wilhelm Hartmann mit der f├╝r ihn als ├ťberraschung pr├Ąsentierten Holzb├╝ste, neben ihm "Kaiser", sein Verantwortlicher f├╝r das Baustoffzelt.
"Kaiser Wilhelm": Wilhelm Hartmann mit der f├╝r ihn als ├ťberraschung pr├Ąsentierten Holzb├╝ste, neben ihm "Kaiser", sein Verantwortlicher f├╝r das Baustoffzelt. (Quelle: Rike Schmickler-Bouvet)

Das Bundesverdienstkreuz, wie in einer Gruppe "Bundesverdienstkreuz f├╝r die helfenden Engel" gefordert, wird er nicht erhalten, Hessen will ihn anders ehren. Nordrhein-Westfalen kommentiert das bei Wipperf├╝rth nicht.

Beim Warten am 16. Oktober am "Wilhelmshafen" prophezeit der Lohnunternehmer in einem Livestream Proteste wegen Hartmann: Steinmeier besucht am n├Ąchsten Tag Ostfriesland. "Es kann sein, dass da von den Bauern etwas passiert, was hier verhindert wurde. Ihr habt's vergeigt als Politiker."

Doch dann kommt die Gruppe mit Horst Gies vom Treffen. Der Vertreter des Kreises muss in einer Art Spiesrutenlauf vorbei an Dutzenden aufgew├╝hlter Menschen.

"Sonst h├Ątte ich mich nicht hergetraut"

"Lieber Wilhelm, ich bin der Horst", sagt er. Und: "Die Ersten, die da waren, das wart Ihr, das wei├č und sagt auch jeder." Menschen in den Hilfsdiensten schlucken beim Gedanken an die 19-j├Ąhrige Katharina oder an andere, die in Lebensgefahr im Kalten und Dunkeln um Leben gek├Ąmpft haben und selbst Hab und Gut verloren haben. Katharinas Mutter kommen auch ein halbes Jahr nach dem Tod ihrer Tochter die Tr├Ąnen.

Der kommissarische Landrat Gies l├Âst auf: Hartmann habe die Nachricht falsch verstanden. Es geht weiter. "Ansonsten h├Ątte ich mich auch gar nicht hergetraut." Er lacht dazu und teilt auf Anfrage mit, er habe das auch nur als Scherz gemeint: Er habe sich nicht bedroht gef├╝hlt.

Beifall im Oktober: Der damalige kommissarische Landrat Horst Gies verk├╝ndete nach gro├čer Aufregung im "Wilhelmshafen", dass es f├╝rs Containerdorf weitergeht. "Sonst h├Ątte ich mich doch nicht hergetraut."
Beifall im Oktober: Der damalige kommissarische Landrat Horst Gies verk├╝ndete nach gro├čer Aufregung im "Wilhelmshafen", dass es f├╝rs Containerdorf weitergeht. "Sonst h├Ątte ich mich doch nicht hergetraut." (Quelle: Rike Schmickler-Bouvet)

In manchen Kommunen sieht man die Situation ernster. R├╝diger Fuhrmann, Ortsb├╝rgermeister des schwer getroffenen Orts Altenahr* und Mann klarer Worte, brachte das Thema Anfang Januar in einer Besprechung der Ortsb├╝rgermeister der Verbandsgeneinde Altenahr ein. "Es gibt hier Leute, die eine Besatzermentalit├Ąt entwickelt haben. Wenn wir uns von Leuten mit gro├čer Fangemeinde das Heft des Handelns aus der Hand nehmen lassen, dann k├Ânnen wir aufh├Âren."

In der Woche nach dem 16. Oktober hat Hartmann die erste Abschlagszahlung erhalten. Das Okay f├╝r den Umzug und Weiterbetrieb seiner Container kommt am 8. November einstimmig vom Kreisausschuss zur Vorlage der Verwaltung: Zur "Zentralisierung und Zusammenf├╝hrung der Helferorganisationen im Flutgebiet" werden f├╝r Umzug und Betrieb bis Ende Mai bis zu 3,5 Millionen Euro Kosten ├╝bernommen und die Auftr├Ąge durch den Kreis erteilt. Geld aus dem Wiederaufbaufonds.

Auftrag f├╝r Arbeiten an Wipperf├╝rth

Die Container ziehen zum Helfershuttle auf die H├Âhe bei Haribo, wo der Ahreinsatz f├╝r Wipperf├╝rth und Hartmann am 15. Juli begonnen hatte. Das soll Synergien schaffen. Von der "Zentralisierung der Helferorganisationen", die versprochen war, bleibt aber nicht viel. Es wollte sonst niemand umziehen. Eine andere Organisation bezieht einen Schreibtisch, bleibt aber an ihrem angestimmten Sitz.

Wipperf├╝rth gibt ein Angebot ab, f├╝r 338.638,30 Euro die Fl├Ąchen herzurichten, und bekommt den Auftrag. Die Kreisverwaltung hat nicht beantwortet, ob und wie viele Angebote auf welchem Weg eingeholt wurden.

"Wippi 1": Wipperf├╝rths Fendt, hier Anfang Januar auf der Fl├Ąche des neuen Containerstandorts, hat an der Ahr gro├če Dienste geleistet.
"Wippi 1": Wipperf├╝rths Fendt, hier Anfang Januar auf der Fl├Ąche des neuen Containerstandorts, hat an der Ahr gro├če Dienste geleistet. (Quelle: Lars Wienand)

285.000 Euro monatliche Betriebskosten sind in der Aufstellung des Kreises vorgesehen, monatliche Mietkosten in H├Âhe von 140.000 Euro. Daraus geht allerdings nicht hervor, was f├╝r das Helfershuttle ist und was f├╝r Container und Baustoffzelt von Betreiber Hartmann ist.

Facebook-Posting bringt Ärger

Letzten Ausschlag f├╝r die deutliche Kritik des Ortsb├╝rgermeisters gibt aber etwas anderes. Dabei geht es um die Erfahrung eines Gr├╝nen-Mitglieds im Stadtrat von Sinzig. Der ehrenamtliche Kommunalpolitiker Ralf Urban hatte in einem Beitrag an seine 600 Facebook-Follower im November den Hilfsdiensten gedankt und Kritik ge├╝bt an denen, die viel filmen und "mitsamt ihrer zahlreichen Gefolgschaft behaupten, dass Hilfsdienste nicht anwesend gewesen seien".

Jeder wusste, wer gemeint ist. Urban warf ihnen ohne einen konkreten Beleg vor, "f├╝r pers├Ânlichen Profit" die Gutgl├Ąubigkeit der Menschen auszunutzen. Es gebe sehr viele Menschen, die den beiden unendlich dankbar seien, erkl├Ąrt er t-online. "Mit Teilen der Bev├Âlkerung kann man deshalb ├╝ber Kritik gar nicht reden, weil sie das Spiel noch nicht durchschaut haben."

Es ist ruhig zwischen den Jahren, als sechs Wochen nach dem Posting Wipperf├╝rth einen Screenshot des Urban-Beitrags mit seinen gut 450.000 Abonnenten teilt. Urban: "Es kam dann unheimlich viel Dreck. Ich sollte mit einem Seil um den Hals hinter einem Boot hergezogen werden, damit mein Gehirn gewaschen wird, schrieb mir jemand, Oder ich sollte am n├Ąchsten Baum aufgeh├Ąngt werden. Solche Sachen."

Bei anderen Menschen, die sich kritisch ├Ąu├čerten, wurden Arbeitgeber kontaktiert, wieso Mitarbeiter "die Helfer" schlechtmachen. Eine seit zehn Jahren bestehende Facebook-Gruppe an der Ahr ist vorerst dicht. Zu viel Aufwand, erkl├Ąrte der Gr├╝nder der "Rhein-Zeitung": Das Ma├č sei voll gewesen durch Verunglimpfung von Mitgliedern, wenn die sich kritisch in Richtung Fluthelfer Wipperf├╝rth ge├Ąu├čert hatten.

"Jeder Helfer ist ein Held": An der Ahr waren in den vergangenen Monaten viele Dankesbotschaften der Bewohner zu lesen, SolidAHRit├Ąt wurde zum gefl├╝gelten Wort.
"Jeder Helfer ist ein Held": An der Ahr waren in den vergangenen Monaten viele Dankesbotschaften der Bewohner zu lesen, SolidAHRit├Ąt wurde zum gefl├╝gelten Wort. (Quelle: Chromorange/imago-images-bilder)

Kanzlei H├Âcker lie├č Seite l├Âschen

Wipperf├╝rth und Hartmann haben fanatische Fans, berichtet etwa der streitbare Blogger Hardy Prothmann (Rheinneckarblog), der Wipperf├╝rth zun├Ąchst wohlwollend begleitet hatte und dann zunehmend kritische Fragen stellte. Die Streamer m├╝sssten sich "mal eindeutig gegen den Mob stellen, den sie gen├Ąhrt, gef├╝ttert und aufgezogen haben", fordert er.

Auch eine Facebook-Seite "Faktencheck Ahrtal", lange Zeit einzige ├Âffentliche kritische Gegenstimme, erinnerte die Fluthelden in deutlichen Worten an ihre Verantwortung. Diese zun├Ąchst anonym betriebene "Faktencheck"-Seite einer Autorin und Politikberaterin aus Bayern ist Anfang Januar aus Facebook verschwunden. Es gab Aufrufe, sie massenhaft zu melden. Facebook ist dann aber innerhalb weniger Tage einer L├Âschungsaufforderung der als besonders aggressiv geltenden Rechtsanwaltskanzlei Ralf H├Âcker nachgekommen.

Die Kanzlei verschickt sogar eine Pressemitteilung, eine "Hate-Seite" sei vom Netz genommen. Auf Nachfrage lieferten die Anw├Ąlte t-online keine konkreten Belege f├╝r Rechtsverletzungen. Facebook habe die aber ja von einer spezialisierten Anwaltskanzlei pr├╝fen lassen.

"Dann kommt ein Shitstorm der Helferhelden"

Der Sinziger Stadtrat Urban macht angesichts von Drohungen und Beleidigungen sein Profil dicht, geht bei unbekannten Nummern nicht mehr ans Telefon. "Das ist Einsch├╝chterung." Er steht aber zu der Aussage. "Ich sehe die Demokratie bei uns im Ahrtal gef├Ąhrdet", sagt er. "Auch die lokalen Medien trauen sich nicht. Sobald etwas ge├Ąu├čert oder beschlossen wird, was nicht gef├Ąllt, kommt auf diejenigen ein riesiger Shitstorm der Helferhelden zu."

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Auch Fuhrmann sah die Gefahr. N├Ąchster Schritt sei dann vielleicht, dass Ratsmitglieder f├╝r ihr Abstimmungsverhalten deutschlandweit von Facebook-Gr├Â├čen vorgef├╝hrt w├╝rden. "Die Ehrenamtlichen gehen uns doch von der Stange, und die B├╝rger werden weiter verunsichert." An der Ahr w├╝nscht man sich Ruhe. F├╝r die ehrenamtlichen Kommunalpolitiker sei ein deutliches Zeichen der Hauptamtlichen n├Âtig, berichtet Fuhrmann aus dem Treffen.

Es war ein Auftrag an Cornelia Weigand, hauptamtliche B├╝rgermeisterin der Verbandsgemeinde Altenahr. Die parteilose Politikerin l├Âst Horst Gies (CDU) an der Kreisspitze ab, sie ist am 23. Januar bereits im ersten Wahlgang zur kommenden Landr├Ątin gew├Ąhlt worden.

Zukunftspl├Ąne f├╝r Containerdorf?

In der n├Ąchsten Runde der hauptamtlichen B├╝rgermeister trug sie das Anliegen ihrer Ortsb├╝rgermeister vor. Die Sitzung war nicht ├Âffentlich, deshalb sagt sie t-online dazu nur: "Es ist selbstverst├Ąndlich, dass wir ÔÇô die B├╝rgermeister und ich ÔÇô solchen Hinweisen nachgehen und die geeigneten Schritte unternehmen."

An diesem Sonntag nimmt das Baustoffzelt nach seinem Umzug den Betrieb wieder auf. Der Beschluss f├╝r den Betrieb von Containerdorf und Baustoffzelt gilt bis Mai, und laut Kreisverwaltung besteht "derzeit keine Notwendigkeit oder Veranlassung f├╝r eine Verl├Ąngerung". Der Kreis werde "die Situation zu gegebener Zeit bewerten und dann auch zeitnah eine entsprechende Entscheidung treffen".

Es gibt aber auch bereits Pl├Ąne f├╝r ein M├Âbellager dort von Hartmann, und Wipperf├╝rth spekuliert in einem Video: "Ich gehe davon aus, dass das hier mindestens zwei Jahre aktiv bleibt." Die Helfer, die sich als Erste meldeten, wollen noch lange von sich h├Âren lassen.

*Wir hatten an dieser Stellen "Altenburg" statt "Altenahr" geschrieben. Altenburg ist nur ein Ortsteil von Altenahr, R├╝diger Fuhrmann ist Ortsb├╝rgermeister von Altenahr.

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  • Lars Wienand
Von Lars Wienand
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