BVB-Anschlag Sergej W. wegen vielfachen Mordversuchs vor Gericht

Gut acht Monate nach dem Sprengstoffanschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund beginnt am Donnerstag der Prozess gegen den mutmaßlichen Attentäter.
Sergej W. muss sich vor dem Dortmunder Landgericht wegen vielfachen Mordversuchs verantworten – bei einem Schuldspruch droht dem deutschen Staatsbürger lebenslange Haft. Motiv war demnach Habgier: W. soll vor dem Anschlag auf einen fallenden Kurs der BVB-Aktie gewettet haben.
Sprengsätze mit 65 Metallbolzen
Das Attentat vom 11. April unmittelbar vor einem Champions-League-Heimspiel des Dortmunder Fußballbundesligisten rief bundesweit Entsetzen hervor. W. soll in einer Hecke unweit des Mannschaftshotels drei selbstgebaute Sprengsätze deponiert und beim Vorbeifahren des BVB-Busses ferngezündet haben. Laut Anklage waren die Sprengsätze mit jeweils maximal einem Kilogramm einer Wasserstoffperoxidbrennstoffmischung sowie mindestens 65 in Epoxidharz eingeschlossenen Metallbolzen bestückt.
Spieler und Polizist verletzt
Zum Zeitpunkt der Detonation befanden sich neben dem Fahrer 18 BVB-Lizenzspieler sowie Mitglieder des Trainer- und Betreuerstabs in dem Bus. Durch die Explosion zog sich der Dortmunder Defensivspieler Marc Bartra eine schwere Unterarmverletzung zu, ein dem Bus voranfahrender Motorradpolizist erlitt ein Knalltrauma.
Nach dem Anschlag wurde tagelang über mögliche islamistische Hintergründe spekuliert, weil am Tatort drei Bekennerschreiben entsprechenden Inhalts gefunden worden waren. Kurzzeitig übernahm sogar die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe die Ermittlungen. Doch laut Anklage lag das Motiv des am 21. April von der Spezialeinheit GSG 9 festgenommenen W. eindeutig im finanziellen Bereich.
Täter wettete auf fallenden Kurs der BVB-Aktie
Denn einige Tage vor der Tat soll der 28-Jährige kreditfinanziert mehrere hochriskante Finanzgeschäfte im Volumen von insgesamt 44.300 Euro getätigt haben, bei denen er auf einen fallenden Kurs der BVB-Aktie wettete. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hoffte W., durch einen massiven Kursverlust der BVB-Aktie infolge des Anschlags ein Vielfaches seines Einsatzes kassieren zu können.
Die Staatsanwaltschaft geht in diesem Zusammenhang von einem maximal möglichen Gewinn von gut 500.000 Euro aus. Den Ermittlern zufolge soll der Angeklagte die Finanzprodukte in den Tagen nach der Tat verkauft und dabei einen Gewinn von letztlich knapp 5900 Euro erzielt haben.
Münch: Ganz neue Form der Kriminalität
Der Präsident des Bundeskriminalamts, Holger Münch, wertete das Attentat von Dortmund kurz nach der Festnahme von W. als eine ganz neue Form der Kriminalität. "Das haben wir auch noch nicht erlebt, dass ein Anschlag, zu dem wir ermitteln, sich dann so entwickelt und am Ende sich als so eine perfide Form von Manipulation von Börsenkursen herausstellt", sagte Münch kurz nach W.s Festnahme. "Das ist schon etwas völlig Neues."
Für den Prozess vor dem Dortmunder Landgericht sind zunächst 18 Verhandlungstage bis zum 28. März anberaumt. Neben Mordversuchs legt die Staatsanwaltschaft dem mutmaßlichen Täter das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion und zweifache gefährliche Körperverletzung zur Last. Erst am 9. November ordnete das Oberlandesgericht Hamm an, dass W. weiter in Untersuchungshaft bleibt - wegen Fluchtgefahr.