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Charlotte Knobloch: Keine Hoffnung auf ein Ergreifen der Münchner Brandstifter

Anschlag auf Jüdische Gemeinde 1970  

"Es gab schon eine Szene mit einem gewissen Antisemitismus"

Von Dietmar Seher

06.07.2018, 17:10 Uhr
Charlotte Knobloch: Keine Hoffnung auf ein Ergreifen der Münchner Brandstifter. Charlotte Knobloch: Von 2006 bis 2010 Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland. (Quelle: dpa/Lino Mirgeler)

Charlotte Knobloch: Von 2006 bis 2010 Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland. (Quelle: Lino Mirgeler/dpa)

Charlotte Knobloch kann sich noch gut an den Abend erinnern, als vor 48 Jahren in München die Israelitische Kultusgemeinde in Flammen aufging. Die Täter, glaubt sie, werden nie mehr gefasst.

Charlotte Knobloch ist seit 1985 die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde in München. Die 85-Jährige hat auch lange Jahre dem Zentralrat der Juden in Deutschland vorgestanden. Sie ist Münchner Bürgerin und erzählte t-online.de, wie sie von der Ereignissen des 13. Februar 1970 erfuhr und wie sie sie einschätzt.

"Ich kann mich gut an den Abend erinnern. Es war der Geburtstag meiner jüngsten Tochter. Ein Mitarbeiter der Gemeinde, der mich gut kannte, rief an. Das Haus stehe in Flammen. Es werde versucht, die Leute zu retten. Dass die Menschen verzweifelt waren. Die Treppe ist ja aus Holz gewesen. Das brannte sofort."

Berührt es sie, dass nie ein Täter gefunden wurde? "Ich kann nicht beurteilen, in wie weit und warum die polizeilichen Ermittlungen ergebnislos verlaufen sind. Die Behörden haben damals ja auch noch nicht über die Mittel verfügt, wie das heute der Fall ist." Heute, sagt sie, lebten keine Angehörigen der Opfer von damals mehr. Und in der Kultusgemeinde sei der Anschlag auch kein präsentes Thema. "Es ist die zweite Generation seither da, viele sind aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion gekommen. Sie haben noch nie davon gehört."

"Es gab schon zu dieser Zeit eine Szene mit einem gewissen Antisemitismus"

Hatte sie je einen Verdacht? Charlotte Knobloch ist vorsichtig. "Man hat damals auch erzählt, dass Personen den Kanister ins Haus gebracht haben könnten, die der Kultusgemeinde näher standen. So hat man gesprochen. Ich weiß es nicht." Dass es Leute der extremen Linken gewesen sein könnten, der extremen Rechten, oder Palästinenser? "Es gab schon zu dieser Zeit eine Szene mit einem gewissen Antisemitismus", sagt sie. "Sie könnten ja auch bei der Tat miteinander verbunden gewesen sein, weil sie einen gemeinsamen Feind hatten."



Sie berührt, dass in Abständen ein älterer Herr mit einem Plakat vor ihr Büro zieht, an das Attentat erinnert und auf diesem Plakat die Aufklärung fordert: "Tut was!" Sie kennt ihn nicht näher. "Ich beobachte ihn vom Fenster aus. Er könnte der etwas ärmeren Schicht angehören, ist so zwischen 60 und 70 Jahre alt." Dass der Brandanschlag vom 13. Februar je aufgeklärt werden könnte, das glaubt sie aber nicht. "Wenn keine Zufälle eintreten, wird sich nichts mehr ergeben. Es ist zu viel Zeit vergangen."

Dennoch: Dass der Münchner Stadtrat sich gerade erst in einer Resolution für eine weitere Aufklärung des Verbrechens stark gemacht hat, das lobt sie. "Das ist ein großes Vorbild." Die Gesetzgebung habe jedoch sicher einiges nachzuholen. Charlotte Knobloch setzt sich dafür ein, dass Fälle von Terrorismus vor den Gerichten härter bestraft wird. Ausdrücklich sagt sie: Nicht nur der Terror, bei dem Juden die Opfer sind.

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