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Düsseldorf & Co.: Mehr Gewalt in Freibädern? So besorgt sind die Bademeister

Immer mehr Gewalt?  

Brennpunkt Freibad: So besorgt sind die Bademeister

01.07.2019, 10:14 Uhr | Christoph Driessen, dpa, rew

Düsseldorf & Co.: Mehr Gewalt in Freibädern? So besorgt sind die Bademeister. Blick auf ein Freibad: In Hagen schlug eine junge Frau eine Seniorin vor dem Freibad zu Boden. (Archivbild) (Quelle: dpa/Hauke-Christian Dittrich)

Blick auf ein Freibad: In Hagen schlug eine junge Frau eine Seniorin vor dem Freibad zu Boden. (Archivbild) (Quelle: Hauke-Christian Dittrich/dpa)

Die Stimmung am Beckenrand ist häufig aggressiv – das zeigt nicht nur der spektakuläre Massenstreit in einem Düsseldorfer Freibad am Samstag. Nimmt die Gewalt in Bädern zu? Schwimmmeister schlagen Alarm.

In Freibädern kommt es häufig zu Polizeieinsätzen, weil Badegäste aneinander geraten. Zuletzt kam es zu einem aufsehenerregenden Vorfall in Düsseldorf: Im Rheinbad gab es am Samstag einen Massenstreit, zu dem die Polizei mit Dutzenden Beamten anrücken musste.

Im Bad bot sich ihnen folgendes Bild: Ein Vater stand schützend vor seiner Familie, umgeben von Hunderten junger Männer, die ihn anschrien. Offenbar waren zuvor einige von ihnen über Decken und Badegäste gesprungen und für Ärger gesorgt. Als sich ihnen daraufhin der Familienvater entgegenstellte, schlugen sich viele andere junge Männer auf die Seite der Unruhestifter.

Die Polizei forderte Verstärkung an, versuchte, die Kontrahenten zu beruhigen. Doch die Situation eskalierte: Getränkekartons flogen in Richtung der Einsatzkräfte, die Polizisten setzten Pfefferspray ein. Die Familie musste von der Polizei aus dem Bad begleitet werden. Der Betreiber hielt es für ratsam, das ganze Bad vorzeitig zu schließen. Ein renitenter Badegast wurde kurzzeitig in Gewahrsam genommen.

In Essen griffen Männer ein junges Mädchen an

Der Vorfall in Düsseldorf ist nur einer von vielen: In mehreren Freibädern kam es in den vergangenen Tagen zu ähnlichen Ereignissen. In einem Bad in Essen attackierte eine Gruppe junger Männer am vergangenen Montag zwei Bademeister und ein junges Mädchen, weshalb die Stadt nun die Zahl der Sicherheitsleute in der Badeanstalt verdoppelte.

In Hessen kam es am Mittwoch vor einem überfüllten Badesee zu Ausschreitungen. Wegen starken Andrangs war der Einlass vorläufig geschlossen worden. Daraufhin versuchten nach Polizei-Angaben etwa 200 Leute gewaltsam, auf das Gelände vorzudringen: Die Wartenden warfen Steine und beschimpften die Sicherheitskräfte.

In einem Freibad in Mannheim versprühte ein Mann am Samstag bei einem Familienstreit Pfefferspray. Fünf Menschen, darunter zwei Kinder, erlitten leichte Verletzungen.

Ein Bademeister klagt über fehlenden Respekt

Der Bundesverband Deutscher Schwimmmeister beklagt schon seit längerem eine zunehmende Aggressivität in Freibädern. "Ich bin jetzt 45 Jahre im Job", sagt Verbandspräsident Peter Harzheim. "Man hat sicherlich einiges erlebt, aber was sich in den letzten 40 Jahren getan hat, ist doch erschreckend. Das Wort 'Respekt' hatte früher eine ganz andere Bedeutung als heute."

Jetzt bekomme man häufig respektlose Sprüche zu hören: "Alter, was willste?" zum Beispiel. Eltern lebten ihren Kindern häufig vor, dass sie sich nichts gefallen lassen müssten. Dazu kämen kulturelle Unterschiede, etwa im Umgang mit Frauen.

Die Bademeister wollen härter durchgreifen

Christian Ochsenbauer von der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen bestätigt die Darstellung: Das Thema Aggressivität schlage derzeit hohe Wellen, sagt der Verbandsgeschäftsführer. "Ich kann den Verband Deutscher Schwimmmeister nur darin unterstützen, dass härter durchgegriffen werden muss."

Zwar seien Bäder immerhin noch geschützte Räume mit Aufsicht, doch fühle sich das Badepersonal ein Stück weit im Stich gelassen. Im Falle eines Hausverbots gingen die Störer einfach ins nächste Schwimmbad.
 

 
Schwimmmeister-Präsident Harzheim erinnert daran, dass Freibäder eigentlich keine Konfliktzonen sein sollten: "Ein Bad ist doch ein Ort der Erholung, der Wellness, des Kennenlernens, der Kommunikation."

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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