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Zweiter Weltkrieg: Die Todesfahrt der "Yamato"

Tragödie im Pazifik  

Die Todesfahrt der "Yamato"

Von Ulrich Weih

07.04.2015, 18:02 Uhr
Zweiter Weltkrieg: Die Todesfahrt der "Yamato". Die letzten Stunden des größten Schlachtschiffs der Welt: Die "Yamato" unter Beschuss. (Quelle: imago / United Archives International)

Die letzten Stunden des größten Schlachtschiffs der Welt: Die "Yamato" unter Beschuss. (Quelle: imago / United Archives International)

Sie war das größte Schlachtschiff der Welt: 263 Meter lang und 38,7 Meter breit bei einer Wasserverdrängung von mehr als 72.800 Tonnen. Eine gigantische Kampfmaschine, fast doppelt so groß wie die modernsten Kriegsschiffe der Alliierten. Am 6. April 1945 lief die "Yamato" zu ihrer letzten Fahrt aus - ein Himmelfahrtskommando, das fast 2500 Seeleuten das Leben kostete.

Dabei hätte es die Militärführung des Kaiserreichs eigentlich besser wissen können: Am 7. Dezember 1941 zerstören japanische Trägerflugzeuge die Pazifikflotte der Amerikaner in Pearl Harbour. Flugzeugträger und ihre Bomber sind fortan die machtvollsten Instrumente bei militärischen Auseinandersetzungen auf dem Meer - eine Revolution in der Seekriegsführung.

Doch Japan steckt seine Ressourcen weiter in den Bau von Superschlachtschiffen. Gleich zwei gewaltige Kolosse werden für den Pazifikkrieg auf Kiel gelegt: die "Yamato" und das baugleiche Schwesterschiff "Musashi".

Die Marine lässt zunächst die größten Geschütztürme der Welt entwerfen - der Schiffskörper wird speziell für die riesigen und unglaublich schweren Kanonen konstruiert. Als Maß für die Kampfkraft gilt, nach alter Tradition, das gewaltige Kaliber der Artillerie.

Granaten können 60 Zentimeter Stahl zerstören

Jeder Turm bringt 2770 Tonnen auf die Waage und ist mit jeweils drei 45,7-Zentimeter-Geschützen ausgerüstet. Eine einzige Granate wiegt 1460 Kilogramm und kann bis zu 44 Kilometer weit gefeuert werden. Damit lassen sich gegnerische Schiffe angreifen, die aufgrund der Erdkrümmung noch gar nicht zu sehen sind. Aufklärungsflugzeuge ermitteln die Zielkoordinaten des Gegners.

Aus großer Distanz zu treffen, bevor der Feind das Feuer erwidern kann, macht ein Kriegsschiff unverwundbar, glauben die Militärs. Die "Yamato" setzt auf eine bis dahin nicht gekannte Schlagkraft. Jede der 540 Granaten hat eine Sprengkraft, die selbst 60 Zentimeter dicke Stahlwände durchschlagen kann.

Schwer gepanzert - und trotzdem flink

Sollte es wider erwarten doch einmal zu einem Beschuss kommen, so schützt eine 41 Zentimeter starke Stahlpanzerung den Schiffsrumpf. In einigen Bereichen sind die Stahlplatten sogar bis zu 65 Zentimeter dick. Dazu verfügt der Rumpf über 1147 wasserdichte Abteilungen. Das Schiff gilt als unsinkbar.

Um die Trägheit des schweren Kolosses zu überwinden, greifen die Ingenieure zu den modernsten Erfindungen des Schiffbaus: Ein Wulstbug verleiht dem Vorschiff mehr Auftrieb und reduziert den Widerstand der Wellen um sieben bis acht Prozent. Das Monstrum erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von 28 Knoten.

Projekt mit äußerster Geheimhaltung

Um den strategischen Vorteil der "Yamato" noch weiter zu steigern, hält Japan sein Superschlachtschiff so gut wie möglich geheim. Die Marinewerft Kore wird komplett mit riesigen Netzen und Sisalmatten abgedeckt, feindliche Aufklärungsflugzeuge sollen nicht ahnen, welche Kampfmaschine da entsteht. Selbst die japanischen Konstrukteure und Arbeiter kennen lediglich das kleine Puzzleteil, mit dem sie gerade beschäftigt sind.

Am 16. Dezember 1941 stellt die kaiserliche Marine den Stahlriesen in Dienst. Möglichst unauffällig, auf einen spektakulären Stapellauf mit großem Fest verzichtet man. Nur hochrangige Soldaten werden zum Dienst auf der "Yamato" zugelassen. Und nicht einmal die Offiziere werden über sämtliche Details des Schlachtschiffs informiert.

Die letzte Schlacht im Pazifik

Doch nach der Fertigstellung hat das Superschiff fast keine Einsätze auf See, sondern liegt nur nutzlos im Stützpunkt Kore. Das Prestigeobjekt der Japaner verkommt zu einem Phantom.

Das ändert sich im Frühjahr 1945. Die Amerikaner sind auf dem Vormarsch, erobern strategisch wichtige Inseln im Pazifikraum und drohen mit einer Invasion. Als letzte Bastion erweist sich die Inselgruppe Okinawa. Jetzt wird die "Yamato" in die Schlacht geschickt.

Sinnloses Himmelfahrtskommando

Was dann folgt, dürfte eine der größten Kamikaze-Aktionen des japanischen Militärs gewesen sein. Am 6. April 1945, um 15:20 Uhr, lichtet das riesige Schlachtschiff die Anker und steuert auf die Flotte der Alliierten zu. Begleitet lediglich von acht Zerstörern und einem leichten Kreuzer. Unterstützung aus der Luft gibt es gar nicht.

Der kleinen Flotte stehen elf US-Flugzeugträger, acht Schlachtschiffe, neun Kreuzer, 52 Zerstörer und eine unbekannte Zahl von U-Booten gegenüber. Doch schicksalsergeben steuern die japanischen Seeleute auf die amerikanischen Schiffe zu. Im Morgengrauen des 7. April, knapp 190 Seemeilen von Okinawa entfernt, wird die "Yamato" entdeckt. Sofort steigen US-Bomber auf und nehmen das Schiff unter Beschuss.

386 US-Bomber zerlegen den Stahlkoloss

Eine erste 250-Kilo-Bombe zerschmettert das Deck der "Yamato", Feuer bricht aus. Derweil lenken Torpedobomber vom Typ "Avenger" ihre Unterwasserwaffen auf das Schiff. Nach 13 Torpedo- und acht Bombentreffern ist der Stolz der japanischen Marine dem Untergang geweiht.

Ein Munitionsmagazin explodiert, die sechs Kilometer hohe Rauchwolke ist meilenweit zu sehen. Das Schiff kippt nach Backbord und kentert. Mit dem Deck nach unten versinkt die "Yamato". Doch es ist noch nicht vorbei: Die extrem schweren Geschütztürme reißen aus ihren Verankerungen und gehen auf Tiefe. In den restlichen Munitionsmagazinen schlagen tonnenweise Granaten aneinander, explodieren und zerfetzen das vermeintlich mächtigste Schlachtschiff der Welt.

Ertrunken im Namen der Ehre

2498 japanische Soldaten kamen bei dem Todeskommando ums Leben. Die Admiräle sprachen beim Auslaufen noch feierlich von "Ehre" und "unsterblichem Ruhm". Und von der nationalen Pflicht, das Vaterland bis zur letzten Patrone zu verteidigen. Dann schickten die Verantwortlichen die Männer bewusst ins Verderben.

Der Krieg im Pazifik war zu diesem Zeitpunkt schon längst entschieden.

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