Sie sind hier: Home > Panorama > Wissen > Geschichte >

Tutanchamun: Was steckt hinter dem "Fluch des Pharao"?

Der Fluch des Tutanchamun?  

"Möglicherweise ist etwas elementar Böses die Ursache"

Von Angelika Franz

09.06.2019, 11:13 Uhr
 (Quelle: imago/robertharding)
Neue Erkenntnisse um Grabkammer von Pharao Tutanchamun

Er ist einer der sagenumwobensten Könige der Menschheitsgeschichte – der ägyptische Pharao Tutanchamun. Nun soll es neue Erkenntnisse geben, die auch auf den Verbleib der legendäre Nofretete hinweisen könnten. (Quelle: t-online.de)

Pharao Tutanchamun: Ein Wissenschaftler will eine sensationelle Entdeckung gemacht haben. (Quelle: t-online.de)


1922 entdeckte Howard Carter das Grab des Tutanchamun, es war eine Sensation. Doch bald ging die Angst um: Rächte der "Fluch des Pharao" die Entweihung des Grabes? Die Fakten.

Im Jahr 2005 sollte die Mumie Tutanchamuns wissenschaftlich untersucht werden. Da die Grabkammer zu eng ist, um einen Computertomografen hineinzuschaffen, musste der tote Pharao sein Grab im Tal der Könige verlassen und ins Labor umziehen. Das schien dem Herrscher jedoch gar nicht zu gefallen. Kaum hatten die Arbeiter ihn die Stufen heraufgetragen, frischte der Wind auf und entfachte kurz darauf einen kräftigen Sandsturm.

Howard Carter und Lord Carnarvon: Carter entdeckte das Grab des Pharaos. (undatierte Zeichnung) (Quelle: imago images/Leemage)Howard Carter und Lord Carnarvon: Carter entdeckte das Grab des Pharaos. (undatierte Zeichnung) (Quelle: Leemage/imago images)

Dann kamen heftige Regenfälle dazu – ein für diese Region höchst ungewöhnliches Wetterphänomen. Die Mumie überdauerte die Fahrt unbeschadet. Anders jedoch erging es dem Computertomografen. Nur knapp entkam das Auto, in dem das Gerät transportiert wurde, einem Unfall. Vor Ort im Labor funktionierte dann zunächst gar nichts mehr. Zwei volle Stunden brauchten die Techniker, um den Computertomografen wieder zum Laufen zu bringen.

Böses Omen

War es der "Fluch des Pharao", der die Wetterkapriolen verursacht und die Technik lahmgelegt hatte? Das zumindest behauptete die Presse, angeheizt durch zahlreiche Spekulationen und besorgte Anrufe aus der Bevölkerung. Kaum ein Gerücht hält sich so hartnäckig wie dieser Fluch, der angeblich all jene überkommt, die es wagen, die Ruhe des Tutanchamun zu stören. Doch was löste diesen Aberglauben aus? Was verängstigte die Menschen so sehr, dass bis heute viele Menschen Gänsehaut bekommen, wenn sie in der Grabkammer an den Sarkophag herantreten?

Das vermeintlich erste Opfer forderte der Fluch bereits vor der Graböffnung. Es war winzig und gefiedert: der Kanarienvogel Howard Carters. Carter war der Leiter der Ausgrabungen – und damit der Entdecker des Grabes. Seine Mannschaft liebte den kleinen goldenen Sänger, der in einem Käfig auf Carters Veranda lebte, und verehrte ihn als ihren Glücksbringer. Das Glück endete jedoch jäh am Tag der Graböffnung, als sich eine Kobra auf die Veranda verirrte.

Howard Carter beim Sarkophag des Tutanchamun (koloriert). (Quelle: imago images/Leemage)Howard Carter beim Sarkophag des Tutanchamun (koloriert). (Quelle: Leemage/imago images)

Nicht ganz klar ist, ob die Schlange Hunger hatte und den Vogel tatsächlich verspeiste, oder ob das kleine Vogelherz lediglich dem Schreck nicht gewachsen war und aufhörte zu schlagen. Die Mannschaft aber verstand das böse Omen sofort. Eine Kobra ist das uralte Schutztier der ägyptischen Pharaonen. In der Mythologie wehrt sie mit ihrem Feueratem die Feinde des Königs ab. Tutanchamun hatte sein Reptil als Warnung geschickt, damit es den goldenen Glücksvogel der Ausgräber töten möge.

Merkwürdiges Verschwinden

Bereits kurze Zeit später tauchte dann angeblich eine geheimnisvolle Tontafel auf. "Der Tod wird auf schnellen Schwingen zu demjenigen kommen, der die Ruhe des Pharao stört", soll darauf gestanden haben. Merkwürdigerweise jedoch verschwand sie, bevor Fotos oder Zeichnungen gemacht werden konnten. Howard Carter selber stritt den Fund stets ab – etwa, um die durch den Tod des Kanarienvogels aufgebrachten Arbeiter nicht noch weiter zu beunruhigen? Vielleicht hat es diese Tafel auch tatsächlich nie gegeben.

Sie wäre ein Einzelstück, nirgendwo sonst fliegt in ägyptischen Inschriften der Tod "auf schnellen Schwingen" durch die Gegend. Die Wortwahl erinnert stattdessen auffällig an die britische Literatur des beginnenden 20. Jahrhunderts. Rachsüchtige Mumien stapften in jenen Jahren als beliebte Horrorfiguren durch die Theaterstücke und Romane des Königreiches.

Bald schien der Fluch auch menschliche Opfer zu fordern. Am 5. April 1923 starb in Kairo Lord Carnarvon, der britische Geldgeber für die kostspielige Suche nach dem Grab des jugendlichen Pharaos. Vier Monate waren seit der Graböffnung vergangen, als ihn eine Blutvergiftung infolge eines entzündeten Mückenstichs dahinraffte.

"Geistwesen" aus der Antike?

Und schon meldete sich lautstark einer jener Literaten zu Wort. Sir Arthur Conan Doyle, Erfinder des Romandetektives Sherlock Holmes und erklärter Anhänger des Spiritismus, schrieb in der "Morning Post": "Möglicherweise ist etwas elementar Böses die Ursache von Lord Carnarvons tödlicher Krankheit. Man weiß nicht, welche Geistwesen in jener Zeit existiert haben und in welcher Form sie in Erscheinung getreten sind. Die alten Ägypter hatten wesentlich mehr Kenntnisse über diese Dinge als wir."

Das Tal der Könige in Ägypten: Blick auf den Eingang zum Grab des Tutanchamun. (Quelle: imago images/United Archives International)Das Tal der Könige in Ägypten: Blick auf den Eingang zum Grab des Tutanchamun. (Quelle: United Archives International/imago images)

Seltsame Begebenheiten begleiteten Carnarvons Tod. Als der Lord seinen letzten Atemzug tat, erloschen alle Lichter Kairos, ein nicht untypischer Stromausfall. Und daheim auf Highclere Castle, seinem englischen Landsitz – heute im Übrigen eher bekannt als Drehort der Serie "Downton Abbey" – heulte angeblich sein treuer Hund Susie auf und verstarb ebenfalls binnen Minuten.

Nein, nein, nein

Nun war die Presse kaum noch zu halten. In schneller Folge fand sie weitere angebliche Opfer des Fluches. Da half es auch nicht, dass Carters amerikanischer Kollege Herbert Winlock jedes Mal ein Dementi hinterherschickte. Nein, Prinz Ali Fahmy Bey, Sprössling des abgesetzten ägyptischen Monarchen, starb nicht am Fluch – er wurde von seiner französischen Frau in einem Londoner Hotelzimmer ermordet.

Nein, ein Angestellter des British Museums konnte gar nicht beim Etikettieren von Gegenständen aus dem Grab tot umgefallen sein – weil es im British Museum niemals Gegenstände aus dem Grab gegeben hatte. Nein, der amerikanische Millionär George Jay Gould I., ein Freund Carnarvons, starb zwar kurz nach dem Besuch des Grabes – er war allerdings bereits krank gewesen, bevor er überhaupt nach Ägypten einreiste.

Und nein, auch Arthur Mace, Carters Chefkonservator, erlag nicht etwa dem Fluch – sondern einer chronischen Rippenfellentzündung, die ihn bereits vor der Entdeckung des Grabes geplagt hatte.

"Keinerlei bakterielle Lebensform"

Ganz im Gegenteil schien die Arbeit am Grab und an der Mumie das Leben aller Beteiligten eher auf wundersame Weise zu verlängern. Im Jahr 1930 lag die Lebenserwartung der Engländer bei durchschnittlich 60,8 Jahren. Howard Carter starb erst mit 64. Carnarvons Tochter Lady Evelyn, die ebenfalls bei der Graböffnung anwesend war, erreichte mit 79 Jahren ein nahezu biblisches Alter. Und selbst der Lord verfehlte mit 57 Jahren das Ziel nur einigermaßen knapp.

Aufgeklärtere Geister suchten nach naturwissenschaftlichen Erklärungen für angebliche Todesfälle. Hatten die Grabwächter vielleicht tödliche Pilzsporen im Grab deponiert, die demjenigen, der sie einatmet, den sicheren Tod brachten? Selbst wenn, hätte kein Pilz die Jahrtausende in der heißen, knochentrockenen Grabkammer überlebt. Oder waren es gar mysteriöse altägyptische Bakterien, gegen die unser heutiges Immunsystem sich als völlig wehrlos erwies?

Ebenfalls Fehlanzeige. Der Chemiker Alfred Lucas hatte das Grab sofort nach der Öffnung akribisch nach Bakterien abgesucht – weil er sehr gehofft hatte, dort Lebensformen aus der Zeit der Pharaonen zu finden. Leider musste er enttäuscht feststellen, "dass keinerlei bakterielle Lebensform nachweisbar ist".


Sir Arthur Conan Doyle vermutete schließlich "verheerende Strahlen" hinter den Todesfällen. Doch auch eine von Tutanchamuns Leichnam ausgehende Strahlung ist nicht messbar, geschweige denn eine verheerende. Das Einzige, was die Mumie des Pharaos allerdings bis heute ausstrahlt ist – Erhabenheit.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherchen

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail


shopping-portal