Nachrichten
Wir sind t-online

Mehr als 150 Journalistinnen und Journalisten berichten rund um die Uhr für Sie über das Geschehen in Deutschland und der Welt.

Hier kämpfen sich Schlittenhunde durchs Schmelzwasser

  • Lars Wienand
Von Lars Wienand

Aktualisiert am 19.06.2019Lesedauer: 3 Min.
Waten durchs Wasser. Schlittenhunde auf dem grönländischen Inglefield-Fjord.
Waten durchs Wasser. Schlittenhunde auf dem grönländischen Inglefield-Fjord. (Quelle: Steffen Olsen)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Symbolbild für einen TextDeutsche Bahn stellt neuen ICE vorSymbolbild für ein VideoSoldaten attackieren russischen PanzerSymbolbild für einen TextHeftige Unwetter erwartetSymbolbild für einen TextMädchen seit 42 Tagen in Hessen vermisstSymbolbild für einen Watson TeaserBibi Claßen: Neue Hinweise auf TrennungSymbolbild für einen TextKommt europaweites Tempolimit?Symbolbild für einen TextFormel 1: Ein Rennen weniger als geplantSymbolbild für einen TextNach Unfall: Ermittlungen gegen 34 GafferSymbolbild für einen Text84-Jährige klemmt mit Auto Mann ein – totSymbolbild für einen TextElfjähriger beeindruckt mit Eintracht-Stadion aus Lego Symbolbild für einen TextOlympiasiegerin ist Mutter geworden

Schlittenhunde, die Klimaforscher in der Arktis durchs Wasser ziehen: Dänische Wissenschaftler haben ein Foto veröffentlicht, das sinnbildlich für die Klimakrise stehen könnte.

Es sieht aus, als könnten die Hunde auf dem Wasser laufen - aber sie ziehen die Kufen des Schlittens durch Wasser auf dem Eis: Mitten in einem Fjord im Nordwesten Grönlands haben dänische Wissenschaftler ein Foto gemacht, das Vorzeichen für einen neuen Rekord im Spätsommer sein könnte: So wenig Arktis-Eis wie nie seit Beginn der Aufzeichnungen.

Das Foto ist am Donnerstag entstanden, als die Wissenschaftler das Inglefield-Fjord in der Mittagssonne überquerten. 20 Kilometer sind es hier vom einen Ufer im Norden zum anderen im Süden, und auf der Aufnahme waren die Hunde in der Mitte des Fjords durch das Schmelzwasser.

"Hunde sind sehr erfahren"

Steffen Olsen vom Zentrum für Ozean und Eis am Dänischen Meteorologischen Instituts (DMI) war mit einheimischen Jägern und deren Schlittengespannen unterwegs zu Geräten, die Messungen am Eis vornehmen. Der Ort liegt zwischen dem 77. und 78. Breitengrad, der Polarkreis beginnt bereits rund 2500 Kilometer weiter im Süden, das entspricht ungefähr der Entfernung von Hamburg nach Sizilien.

Auf dem Fjord besteht eine gewissen Gefahr, einzubrechen: "Die Einheimischen und ihre Hunde sind sehr erfahren", erläutert Olsen. "Wir vertrauen auf deren Kenntnisse und setzen zusätzlich bei der Planung von Routen auf die Auswertung von Satellitenbildern." Mehr als 800 Meter tief bis zum Meeresgrund ist das Fjord dort, wo das Bild entstanden ist. Dazwischen liegt noch eine 1,20 Meter dicke Eisdecke.

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
Absturz von Boeing in China mit 132 Toten war wohl kein Unfall
China, Region Guangxi: Bei den Bergungsarbeiten suchen Einsatzkräfte weiterhin nach dem Daten-Flugschreiber, der Aufschluss über die Unglücksursache geben soll.


Und darauf steht eine einzige riesige Schmelzwassserpfütze. Olsens Kollege Rasmus Tage Tonboe erklärte das damit, dass es durch die Temperaturen der jüngsten Zeit zu einer schnellen Schmelze gekommen ist und das Meereis mit wenig Spalten und geringer Durchlässigkeit kein Wasser ablaufen lässt. Am Donnerstag allein sind auf Grönland zwei Milliarden Tonnen Eis geschmolzen, das entspricht dem Volumen des Chiemsees.

Das Schmelzen beschleunigt sich weiter

Die Tagesdurchschnittstemperatur hat noch weiter nördlich am 80. Breitengrad die Null-Grad-Grenze so früh überschritten wie nie in den Aufzeichnungen des DMI, die Schmelze also so große Teile von Grönland erfasst wie noch nie zu diesem Zeitpunkt. Auf rund 45 Prozent der Flächen taute es. Eine Grafik, die diesen Anteil in einer roten Kurve illustriert, zog auf Twitter schnell Kreise.

Und der Beginn der Tauperiode hat in der Regel direkte Folgen auf das Eisminimum im September, wie Klimaforscher Tonboe erklärt. Er hat die Satellitenmessungen von Meereis im Polarmeer der vergangenen 40 Jahre untersucht.

Wenn sich früh Schmelzwasser bildet, beschleunigt das das Schmelzen weiter: "Gefrorener Schnee reflektiert mehr Sonnenlicht und mehr Energie als Schnee, der schmilzt oder als Schmelzwasserseen", erläutert er in einer Mitteilung des DMI. Wird weniger Strahlung reflektiert, führt das zu einer weiteren Erwärmung, das ist der Eis-Albedo-Rückkopplungseffekt.

Schnee- und Eisdecke halten kühl. Wenn die Oberfläche weniger weiß ist, erwärmen sich Wasser, Land und Luft schneller.
Schnee- und Eisdecke halten kühl. Wenn die Oberfläche weniger weiß ist, erwärmen sich Wasser, Land und Luft schneller. (Quelle: Alfred-Wegener-Institut)

Deshalb ist es ein signifikanter Einflussfaktor, wann das große Tauen einsetzt. Tomboe: "Je früher die Schmelzzeit beginnt, desto weniger Eis ist im September noch da – und umgekehrt." Das sei in vier von fünf Fällen seit 1972 der Fall gewesen. "Statistisch gesehen besteht daher die Gefahr, dass im September ein neuer Minusrekord an Meereis in der Arktis verzeichnet wird."

Ein Jahr mit sehr großer Schmelze

Der bisherige Tiefstwert wurde im Jahr 2012 registriert, als die Temperaturen deutlich über dem Mittel lagen. Gegenüber damals hat die Schmelze in Grönland in diesem Jahr aber drei Wochen früher begonnen, und zugleich ist die Schneedecke deutlich geringer, erläutert der Amerikaner Jason Box, Professor für Gletscherkunde am Geologischen Dienst von Dänemark und Grönland.

Box sagt in einem Video zur Situation in diesem Jahr: "Das einzige, was ein so starkes Abschmelzen in diesem Jahr noch abwenden kann, sind starke Schneefälle im Sommer." Das sei möglich. "Aber für mich sieht alles danach aus, dass wir ein Jahr mit sehr großer Schmelze erleben werden, das das Potenzial hat, die Ausmaße von 2012 zu übertreffen."


Im Sommer 2018, als es in Mitteleuropa lange heiß und trocken war, hatte es in Grönland wiederholt Schneestürme gegeben. Die schnee- und eisbedeckte Fläche war zeitweise sehr viel größer als im langjährigen Mittel. Allerdings registrierten die Wissenschaftler auch zweimal, dass sich im Meereis große Bereiche offenen Wassers bildeten.

Update, 4. Juli: Leser weisen darauf hin, dass es Szenen wie die in dem Foto gezeigten in Grönland häufiger gibt. Die Schmelze von Schnee auf dem Eis und die Entstehung von Schmelzwasserseen darauf ist nicht ungewöhnlich. Ungewöhnlich ist allerdings der frühe Zeitpunkt, zu dem die starke Schmelze eingesetzt hat.

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Neueste Artikel
  • Marc von Lübke-Schwarz
Von Marc von Lüpke
SizilienTwitter
Justiz & Kriminalität




t-online - Nachrichten für Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlängerung FestnetzVertragsverlängerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website